Als Teneriffa das vielleicht schönste Gegentor der Welt kassierte


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Es ist der 21. Februar 1998. Der CD Teneriffa besiegt Real Madrid mit 4:3. Doch nicht das sensationelle Ergebnis soll den Fans der Kanaren-Kicker in Erinnerung bleiben, sondern ein Tor. Und zwar ein Gegentor. Eines für die Ewigkeit!

Roberto Carlos war einer der Fußballer, die von jeder Position aus Gefahr ausstrahlten. Egal, ob der Ball wie bei einem Freistoß ruhte oder der Brasilianer im Vollsprint auf das gegnerische Tor zulief: Die Abwehr versetzte er stets in Alarm-Bereitschaft. Und doch haben Spieler und Zuschauer im Estadio Heliodoro Rodríguez López in der 46. Spielminute der spanischen Erstliga-Begegnung gegen Real Madrid in der Saison 1997/98 nicht den Hauch einer Ahnung, dass sie in wenigen Sekunden eines der spektakulärsten Tore aller Zeiten sehen werden.

Roberto Carlos‘ Traum-Tor auf Teneriffa

Roberto Carlos läuft mit dem Ball bis zur gegnerischen Grundlinie. Alle erwarten eine Flanke von außen in den Strafraum. Tatsächlich schießt der Linksfuß den Ball in Richtung des Tores. Doch plötzlich bekommt das Spielgerät so viel Effet, dass es sich zum Tor hin dreht. Torwart Marcelo Ojeda bemerkt zu spät, dass Carlos soeben einen als Flanke getarnten Torschuss abgegeben hat. Der Argentinier streckt sich noch nach dem Ball, doch der schlägt nur Sekundenbruchteile später hinter ihm im Netz ein.

Das Stadion steht ob des Traumtores zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich Kopf. Sogar die Fans des heimischen CD Tenerife zollen dem Gegner Respekt. Roberto Carlos läuft in Richtung der Eckfahne, um sein Traumtor zu bejubeln, wenig später versinkt er in einer Traube aus feiernden Mitspielern.

Video: Die zehn schönsten Tore von Roberto Carlos:

Für seinen Trainer Jupp Heynckes war der zwischenzeitliche Ausgleich eine echte Erleichterung. Der Deutsche hatte von 1995 bis 1997 auf Teneriffa an der Seitenlinie gestanden. Dann wechselte er nach Madrid, um mit den „Königlichen“ durchzustarten. Doch das Abenteuer war nur von kurzer Dauer. Zwar holte Heynckes gegen Juventus Turin (1:0) drei Monate später den Champions-League-Titel, doch nach Spielen wie dem legendären auf Teneriffa reicht es in der Primera Division, Spaniens erster Liga, nur zu Platz vier. Der Trainer wird freigestellt.

Für Roberto Carlos läuft es besser: Der 1,68-Meter-Mann gilt über Jahre als unantastbar, bleibt bis 2007 bei Real und gewinnt in der Zeit viermal die spanische Meisterschaft, je dreimal die Champions League und den spanischen Superpokal, zweimal den Weltpokal und einmal den Supercup. Zudem wird er während seiner Zeit bei Real im Jahr 2002 im Finale gegen Deutschland Weltmeister.

„Das Tor gegen Teneriffa war das Schwierigste“

Als Roberto Carlos später auf seine Traumtore angesprochen wird, bezeichnet er den Treffer auf Teneriffa als den schwierigsten seiner Karriere. Trotzdem sei ein anderes Tor für ihn noch schöner gewesen: „Ich muss mich für den Freistoß gegen Frankreich entscheiden, er war noch spektakulärer. Obwohl das Tor gegen Teneriffa schwieriger war,“ sagt der Brasilianer mit Blick auf sein 35-Meter-Traumtor gegen die Equipe Tricolore im Jahr 1997.

Das Spiel gegen Teneriffa hält der Mann mit den muskulösen Oberschenkeln ohnehin in schlechter Erinnerung: Der Club Deportivo gewann die Partie am Ende durch einen Treffer von Roy Makaay, der später über La Coruña zu Bayern München wechselte, und einen Elfmeter von Meho Kodro nur zwei Minuten später mit 4:3. Die Saison beendet CD als 16., nur ein Jahr später geht es in die zweite Liga hinunter, wo Teneriffa nach einem zwischenzeitlichen Sturz in Liga drei auch jetzt noch spielt.

Roberto Carlos hingegen wechselt 2007 für zwei Jahre zu Fenerbahce Istanbul. Über Corinthians SP in seiner Heimat geht es nach Russland zu Anzhi Makhachkala und schließlich nach Indien zu Delhi Dynamos FC. Seit Anfang 2016 arbeitet er als Jugendtrainer bei Real Madrid.

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Über den Autor
Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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