Corona-Mutation aus UK: Spanien reagiert gefährlich langsam


Spanien beschränkt den Flugverkehr aus Großbritannien vorerst nicht. Lediglich die Kontrollen an Flughäfen sollen verstärkt werden. Im Königreich war zuvor eine deutlich ansteckendere Form von Covid-19 entdeckt worden.

Lesedauer: 3 Min.

Spanien gehört zu den am stärksten von Covid-19 betroffenen Ländern der Welt. Dennoch reagiert Madrid deutlich zögerlicher als andere EU-Staaten auf die Meldung aus Großbritannien, dass dort eine vielfach ansteckendere Variante des Corona-Virus entdeckt wurde.

Die neue Variante des Coronavirus breitet sich derzeit insbesondere im Südosten Englands aus: „Sie ist außer Kontrolle, und wir müssen sie wieder unter Kontrolle bekommen“, sagte Gesundheitsminister Matt Hancock am Wochenende. Großbritannien, das bereits in der ersten und zweiten Welle stark betroffen war, steht somit erneut vor einer besonderen Herausforderung.

Corona-Mutation aus England ist deutlich ansteckender

Ersten Erkenntnissen zufolge soll die Mutation, die den Namen VUI2020/12/01 erhielt, deutlich ansteckender sein als die bisher bekannte Form des Corona-Virus. Zwar gebe es keine Hinweise darauf, dass die Krankheitsverläufe schwerer oder die Sterblichkeitsraten höher seien, und auch der bisherige Impfstoff sei bei der Mutation aller Voraussicht nach wirksam. Dennoch sei die Mutation aufgrund der deutlich höheren Ansteckungswahrscheinlichkeit gefährlicher.

In einer ersten Reaktion sprach Großbritannien in mehreren Teilen des Landes einen erneuten Shutdown aus. Und auch andere EU-Länder reagierten. Seit Mitternacht hat Deutschland die Grenzen für Reisende aus dem Königreich bis mindestens zum 1. Januar geschlossen.

Auch viele andere Länder machten ihre Grenzen dicht oder verhängten Flugverbote. Dazu gehören Italien, die Niederlande, Belgien, Bulgarien und Irland. Österreich verfügte ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien und die Schweiz verbot alle Flugverbindungen nach Großbritannien und Südafrika, wo ebenfalls eine Mutation aktiv ist. In Polen werden Flüge ab Montag um Mitternacht ausgesetzt.

Frankreich verbot die Einreise aus Großbritannien auf dem Luft-, Land- und Seeweg. Dazu wurden der Hafen in Dover sowie der Eurotunnel um Mitternacht geschlossen. Schließlich reagierten auch Länder außerhalb der EU: Argentinien, Kolumbien, Peru, Chile, Kanada und Kuwait verboten die Einreise aus Großbritannien.

Spanien reagiert behäbig auf „neues“ Corona-Virus

Ausgerechnet das vom Corona-Virus gepeinigte Spanien sieht bisher jedoch von derlei Maßnahmen ab. Das Land verschließt sich allerdings auch nicht vor entsprechenden Maßnahmen. Die Exekutive möchte bei einem EU-Treffen am Montag „die Notwendigkeit koordinierter Maßnahmen für Flüge aus Großbritannien“ betonen. Das teilte das Staatssekretariat für Kommunikation in einer Erklärung mit. „Spanien bleibt bei seiner Position, dass jede Entscheidung in diesem Sinne gemeinsam sein und Einseitigkeit vermeiden werden muss“, heißt es darin weiter.

Der Staatssekretär sagte, dass für die Einreise nach Spanien bei Passagieren aus Risikoländern oder -gebieten binnen 72 Stunden vor Ankunft ein PCR-Test obligatorisch sei. Kritik an der übergangsweisen Offenheit Spaniens liegt in der erhöhten Ansteckungsgefahr bei gleichzeitigem Zeit-Delta begründet: Die bis zu drei Tage zwischen Test-Entnahme und Ankunft können ausreichend sein, um Infektionen über Reisende aus UK einzuschleppen und Spanien so erneut in die Krise zu stürzen.

Britische Wissenschaftler gaben an, dass der neue Stamm die Übertragung des Virus um bis zu 70 Prozent beschleunige. Er soll für den enormen Anstieg von Corona-Fällen in London und mehreren Grafschaften im Osten und Südosten des Landes verantwortlich sein. Großbritannien selbst schloss rund 20 Millionen Menschen über den erneuten Lockdown ein. Spanien hingegen wartet zunächst weiter auf eine allgemeine Regelung aus Brüssel.

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Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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