Einem Bericht der Ermittlungsgruppe der Guardia Civil zufolge wurden vor und nach dem Zusammenbruch des im Süden Teneriffas ansässigen Kryptowährungsunternehmens Arbistar im September 2020 umfangreiche Bitcoin-Transaktionen über Systeme durchgeführt, die darauf abzielten, die Herkunft des Geldes zu verschleiern.
Konkret wurden «Massenüberweisungen» von Kryptowährungen an Personen aus dem Umfeld von Arbistar festgestellt, ohne dass dabei Arbitrage vorlag oder ein gemeinsames Muster erkennbar war. Diese Vorfälle führt die Staatsanwaltschaft den drei Gründern des Unternehmens zu, allen voran Santiago Fuente Jover.
Nach Schätzungen der Guardia Civil wurden am Tag des Zusammenbruchs 881 Bitcoins auf andere Wallets überwiesen, die wenige Monate später einen Wert von 32,5 Millionen Euro erreichten, wie aus einem kürzlich erlassenen Beschluss der Audiencia Nacional hervorgeht.
Arbistar: Wallets bewegten Kryptowährungen im Wert von 710 Millionen Euro
Nachdem das Debakel des Unternehmens bekannt geworden war, wurden zwischen Januar und März 2021 in den Wallets der Beschuldigten Ein- und Auszahlungen von mehr als 20.000 Bitcoins festgestellt, was damals einem Wert von 710 Millionen Euro entsprach.
Der «Arbistar»-Fall gilt als einer der größten Pyramidenbetrugsfälle mit Kryptowährungen in Spanien.
Den Ermittlungen zufolge wurden zwischen Mai 2019 und September 2020 Beträge in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro ergaunert und dabei rund 32.000 Menschen geschädigt.
Im Anschluss an das Strafverfahren wegen Betrugs, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Urkundenfälschung wurden die beiden Hauptverantwortlichen des Unternehmens zu 16 beziehungsweise 11 Jahren Haft verurteilt; inzwischen wurde ein weiteres Verfahren wegen Geldwäsche eingeleitet.
Etwa zu dem Zeitpunkt, als das Unternehmen begann, die Anleger über Liquiditätsprobleme bei der Begleichung von Zahlungen zu informieren, wurde der sogenannte «Mixing»-Dienst genutzt, um die Herkunft der Gelder zu verschleiern und deren Rückverfolgung zu erschweren.
Dennoch stellte sich heraus, dass einige der Begünstigten Verwandte der Verwalter waren. Gegen vier von ihnen läuft weiterhin ein Ermittlungsverfahren, während acht weitere Personen nicht identifiziert werden konnten.
Audiencia Nacional leitet separates Geldwäscheverfahren ein
Im vergangenen April beschloss die Audiencia Nacional, ein separates Ermittlungsverfahren wegen eines möglichen Geldwäschedelikts einzuleiten, nachdem die beiden Hauptverantwortlichen des Unternehmens verurteilt worden waren.
Das neue Verfahren wurde auf der Grundlage eines Berichts der Guardia Civil über Kryptowährungstransaktionen, der von der Kriminalpolizei von Teneriffa angefordert worden war, sowie eines weiteren Berichts der Gruppe für Cyberkriminalität über die Funktionsweise der «Community Bots» eingeleitet.
In diesem Beschluss wurden vier neue Verdächtige aufgenommen, die im Hauptverfahren wegen Betrugs freigesprochen worden waren, sowie die Einleitung eines weiteren Verfahrens wegen zivilrechtlicher Haftung gegen einen ehemaligen Geschäftsführer.
Audiencia Nacional prüft Einwände gegen ausgeweitete Ermittlungen
Die vorliegende Berufung wurde von einem der wegen Betrugs zu elf Jahren Haft Verurteilten eingelegt, der sich auf Rechtsschutzlosigkeit, Fristversäumnisse und angebliche Unregelmäßigkeiten beruft.
Die Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung des Rechtsmittels, da sie der Ansicht war, dass der ursprüngliche Beschluss die Überweisungen zugunsten des Clubs Arbistar nicht enthielt, an denen mehrere Verdächtige beteiligt waren und die vor und nach dem Zusammenbruch getätigt wurden.
Der Beschwerdeführer wandte sich zudem gegen den Antrag der Staatsanwaltschaft, den Ermittlungsrahmen auszuweiten und weitere Personen unter Anklage zu stellen, da er der Ansicht war, dass damit lediglich versucht werde, seine Verwicklung in das Verfahren zu verstärken.
Dem Beschluss zufolge hat der Verdächtige zusammen mit Fuente Jover und zwei weiteren Personen erhebliche Mengen an Kryptowährungen zugunsten der neuen Beschuldigten überwiesen.
Im März lehnte die Audiencia Nacional den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Erweiterung der Liste der Angeklagten ab; diese Entscheidung wurde nun aufgehoben, da das Gericht der Ansicht ist, dass sie keine «Garantie für Straffreiheit» für die möglichen Verantwortlichen des Komplotts darstellen darf. EFE
nra/acp
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