Die Kanarischen Inseln sehen eine Reaktivierung der Migration. Die jüngste Bilanz zeigt einen starken Anstieg im Vergleich zum Vorjahr: Mit 1210 Menschen, die den Archipel auf dem Seeweg erreichten, registrierten die Inseln mit Blick auf den Vorjahresmonat in etwa eine Verdopplung der Ankünfte.
Ceuta erlebte am 30. und 31. Juli einen massenhaften Grenzübertritt. Dieser wird heute auf eine gezielte Kampagne in sozialen Medien zurückgeführt, in deren Folge binnen kürzester Zeit mehr als 70.000 Menschen aus Marokko in Spaniens nordafrikanische Exklave schwammen. Die Stadt auf einer Halbinsel direkt an der Straße von Gibraltar hat selbst nur rund 84.000 Einwohner und war trotz vorheriger geheimdienstlicher Warnungen völlig überfordert. In der Folge riegelten die Behörden die Grenzen ab.
Während sich die Kanaren-Migration auch aufgrund einer Verlagerung der Migrationsströme im vergangenen Jahr erholte, rechnen die Inseln jetzt mit einer Reaktivierung der in den Wintermonaten ohnehin als stärker frequentiert geltenden Kanaren-Route:
Kanaren-Migration: Ceuta-Krise verschiebt Routen erneut
Vor den jüngsten Vorkommen meldeten die Kanarischen Inseln zusammen mit Spaniens Innenministerium, das die Zahlen nachhält, einen deutlichen Rückgang von Migranten- und Flüchtlings-Ankünften. Schon diese Woche zeigte die Trendumkehr. Mit 429 Menschen auf fünf Booten kam mehr als ein Drittel aller Migranten innerhalb weniger Tage an. Zudem werden seither rund 100 Menschen vermisst.
Für den Präsidenten der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo, liegt der Grund in der härteren Einwanderungspolitik rund um Ceuta begründet. 2024 erreichten 46.843 Migranten und Flüchtlinge die Kanaren auf dem Seeweg. Nachdem Spanien mit westafrikanischen Ländern Pakte schloss, nach denen Küstenwache und Militär bereits dort Menschen am Ablegen hinderten, verlagerten sich die Routen in Richtung Mittelmeer. In den beiden Folgejahren gingen die Ankünfte spürbar zurück.
Doch die Vorkommnisse von Ceuta und die politischen Reaktionen darauf verlagern die Ströme nun wieder, fürchtet Clavijo. Daher sei es nötig, dass «die Verwaltungen zusammenarbeiten», sagte der Politiker in dieser Woche.
Madrid verweist auf sinkende Migrationszahlen
In Madrid wird das aktuell anders gesehen: Spaniens Zentralregierung blickt vor allem auf die Gesamtzahlen und zeigte sich in der Vergangenheit schon zufrieden, wenn sich Migrationsströme besser verteilten. Entsprechend wenig überraschend fiel die Reaktion des aus Madrid auf die Kanaren gesandten Anselmo Pestana aus, der erst vor wenigen Tagen den auf das Jahr gerechneten deutlichen Rückgang der Migranten-Ankünfte hervorhob.
Die Äußerung nahmen einige regionale Politiker bereits als eine Art Barometer des Beschwichtigens für das auf, was im Winter möglicherweise bevorstehe. In den kommenden Monaten wird vor allem mit Ankünften aus Marokko, Gambia und Mauretanien gerechnet. Marokko liegt auf Höhe der Kanarischen Inseln, Gambia und Mauretanien deutlich darunter.















«Kanaren-Route zieht wieder an: Sorge vor neuem Migrationswinter»
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel.