Adeje hat den Startschuss für zwei große Wohngebiete mitten im Ortskern gegeben. Die Stadtverwaltung brachte die Teilpläne „El Calvario“ und „Adeje 2020“ in entscheidenden Schritten voran. Zusammen umfassen sie knapp 142.500 Quadratmeter.
Das knapp 30 Fußballfelder große Areal grenzt oben an den Parkplatz der Casa Fuerte und unten an das touristische Zentrum von Costa Adeje. In der etwa 50.000 Einwohner zählenden Gemeinde gilt das Vorhaben als eines der größten Wohnprojekte auf Teneriffa überhaupt. Laut Planung sollen dort später etwa 2800 Menschen ein neues Zuhause finden, viele von ihnen in Sozialwohnungen.
Beide Projekte sind unterschiedlich weit gediehen: Beim Teilplan „El Calvario“ (einst „El Galeón“ genannt) ließ die Stadtverwaltung die Unterlagen für die sogenannte Ausgleichsgemeinschaft zu. Die Unterlagen wurden also öffentlich ausgelegt. Für „Adeje 2020“ gab die Umweltabteilung der Stadt zudem die Umweltunterlagen für 45 Werktage in die öffentliche Einsicht. Damit können Anwohner Einwände einbringen, bevor feststeht, wie viel der neuen Fläche zuerst bebaut wird.
Neuer Wohnraum in Teneriffas Süden: Was im Ortskern entstehen soll
„El Calvario“ ist mit knapp 54.000 Quadratmetern der kleinere der beiden Teilpläne. Das Areal wird voraussichtlich das hochwertigere von beiden. Das hat unter anderem historische Gründe. Vorgesehen sind Wohnformen mit niedriger bis mittlerer Dichte, also verhältnismäßig luftige Bebauung. Dazu zählen Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser und Einfamilienhäuser. Laut Planung entsteht Platz für rund 1000 Anwohner. Kleine Einkaufsflächen sollen die Siedlung versorgen.
Sozialwohnungen gibt es in diesem Bereich nicht. Das liege am Alter der Planung, sagte der für Raumplanung in Adeje zustände Manuel Luis Méndez bei der Präsentation. Der Teilplan wurde zusammen mit dem Generalplan von 2008 beschlossen. Damals war der Druck auf den Wohnraum, auch auf sozialgerechten, weniger hoch.
Mit der jetzt angestoßenen Ausgleichsgemeinschaft übernehmen die Grundstückseigentümer die weitere Ordnung des Gebiets. Sie müssen Flächen für Straßen, Parks, öffentliche Infrastruktur und Freiräume an die Stadt abtreten. In der Nähe plant die Stadtverwaltung zudem einen 35.000 Quadratmeter großen Wald. Der Bau von oder die Umwidmung des Wohnraums in Ferienwohnungen sind dort ausdrücklich untersagt.
Feste Quote für Sozialwohnungen im Süden Teneriffas
„Adeje 2020“ belegt mit knapp 89.000 Quadratmetern das deutlich größere Gebiet. Laut Planung soll dort Platz für etwa 1800 Menschen entstehen. Anders als beim benachbarten Teilplan übernimmt dort die Stadtverwaltung das Verfahren selbst, da sich die Grundstücke auf deutlich mehr Eigentümer verteilen.
Der zentrale Unterschied liegt im sozialen Wohnungsbau. Denn bei „Adeje 2020“ sind 40 Prozent der Fläche für geschützte Wohnungen reserviert. Insbesondere im Süden Teneriffas ist das wichtig, da die Wohnungsnot dort laut Stadt kanarenweit am größten ist. Das liegt insbesondere daran, dass viele Hotels Hunderte Arbeiter anziehen. Diese finden in touristischen Ballungsgebieten jedoch keine bezahlbaren Wohnungen mehr.
Dieses Missverhältnis aus Wohnungsnot und -angebot kann nur über Sozialbau gelöst werden, der von öffentlicher Hand gesteuert werden soll. Auch dieses Gebiet schließt unter anderem deshalb Ferienwohnungen explizit aus. Die Unterkünfte für Gäste konzentrieren sich damit auch weiterhin an der Küste, während der Ortskern festen Wohnraum für Anwohner bieten werde.
Nach Einschätzung der Stadt verbessert das Vorhaben nicht nur das Wohnungsangebot, sondern auch die Mobilität im Zentrum. Auch die Versorgung mit öffentlichen Einrichtungen werde optimiert, hieß es bei der Präsentation.
Warum das Projekt für Adeje und Teneriffa Gewicht hat
Für Teneriffa ist das Vorhaben auch deshalb bemerkenswert, da es auf der Insel kaum mehr bereits als Bauland ausgewiesene und zugleich planerisch geordnete Flächen dieser Größe gibt. Genau dieser Punkt entscheidet auch über das Tempo neuer Wohnprojekte: Die Grundordnung steht bereits, nun folgen die technische Erschließung, die Neuordnung der Parzellen und später der Hochbau.
Tempo ist dabei jedoch relativ: Bis die ersten sichtbaren Arbeiten beginnen, werden laut Stadt zwei bis vier Jahre vergehen. Zuvor müssen die Planungen finalisiert werden, dann folge die Erschließung des Grundstücks. Schließlich werden Kanalisation und weitere Leitungen gebaut, dann Straßen und Beleuchtungen. Parallel dazu könne mit dem Bau der Telekommunikation und weiteren Erdarbeiten begonnen werden. Erst danach beginne der Bau der inneren Infrastruktur, dann von Wohngebäuden und öffentlichen Einrichtungen.
Aus Sicht des Rathauses rückt Adeje damit bei neuen Wohnkapazitäten auf Teneriffa an die Spitze. Zusammen schaffen „El Calvario“ und „Adeje 2020“ Raum für rund 2800 Menschen, vollständig ohne Rücksicht auf den Tourismus. Hinzu entstehen im größeren Teilgebiet vier von zehn Wohnungen als bezahlbarer Wohnraum.















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