Rund 300 Ärzte und Angehörige haben am Dienstagnachmittag in Las Palmas de Gran Canaria bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne gefordert. Sie zogen vom Marinestützpunkt über Mesa y López bis zur Plaza de España. Der Protest galt dem kanarischen Gesundheitsdienst SCS und gehörte zum unbefristeten Streik der Ärztegewerkschaften.
Eine Batucada gab den Takt vor. Die Demonstranten riefen «Ohne Ärzte gibt es kein Gesundheitswesen!» und «Das ist kein Bereitschaftsdienst, das ist Sklaverei!» Andere hielten Schilder hoch, die wie Immobilienanzeigen aussahen. Darauf stand: «Zu verkaufen: Deine Gesundheit», «Zu verkaufen: Das öffentliche Gesundheitswesen» und «Zu verkaufen: Arbeitnehmerrechte».
Zwischen Streikkomitee und Gesundheitsministerium herrsche Stillstand, sagte Éric Álvarez, Vorsitzender der kanarischen Ärztegewerkschaft CESM. Auf den Vorschlag von vergangener Woche habe das Ministerium nicht geantwortet. Der Ausstand gehe weiter. Erst müssten die Gespräche wieder anlaufen.
Las Palmas: Ärzte weisen Vorbedingung für Gespräche zurück
Eine Absage des Streiks vor einem Treffen lehnte Álvarez ab. Gesundheitsministerin Esther Monzón soll dies laut Berichten zur Bedingung gemacht haben. Mehr als eine Befragung der Ärzte komme nicht infrage. Nun müsse das Ministerium anrufen und genug anbieten. Trifft bis Donnerstag keine Antwort ein, beraten Dienstkoordinatoren und Vorstände über das weitere Vorgehen.
Die Gewerkschaften fordern mehr Einfluss der Ärzte bei Verhandlungen, bessere Arbeitszeiten, mehr Ruhe und höhere Gehälter. Das kanarische Gesundheitssystem müsse als Arbeitgeber reizvoller werden. Laut Álvarez zählen die Kanaren bei der Bezahlung von Ärzten zu den Schlusslichtern. Viele Fachärzte verließen die Inseln. An ihre Stelle träten Mediziner ohne Facharztausbildung, obwohl die Regierung behaupte, das Archipel ziehe Ärzte an.
Monzón hatte die Forderungen der beiden streikenden Gewerkschaften am Dienstagvormittag als «unlogisch» und «unerreichbar» bezeichnet. Sie würden «das System völlig zum Erliegen bringen». Álvarez forderte eine Erklärung «direkt am Verhandlungstisch». Die Ministerin rede öffentlich, lege den Gewerkschaften aber nicht im Einzelnen dar, was aus ihrer Sicht scheitere. Ähnliche Vorschläge lägen auch in anderen autonomen Regionen auf dem Tisch. Dort gelte das nicht als unmöglich.
Für Álvarez gibt Monzón nur die Angaben ihrer Kommunikationsabteilungen wieder. Die Ärzte hätten die Lage und den SCS satt. Deshalb werde weiter gestreikt.
Javier Luño griff SCS-Direktor Adasat Goya an. Dessen Aussagen zur Repräsentativität der Ärztegewerkschaften stießen bei dem Sprecher der Gewerkschaft der medizinischen Angestellten der Kanarischen Inseln SEMCA und Mitglied des Streikkomitees auf Kritik. Für neue Gespräche will die Gewerkschaft den kanarischen Regierungspräsidenten Fernando Clavijo um «einen völlig anderen Verhandlungspartner» bitten.
24-Stunden-Dienste erschweren Ärzten das Familienleben
Viele Ärzte brachten ihre Kinder mit, meist Säuglinge und Kleinkinder. Die Internistin Sara Moreno vom Hospital Insular verwies auf die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Eine Kernforderung: Zwölf-Stunden-Schichten statt 24-Stunden-Diensten. Nachtarbeit gehöre zum Beruf. Nach einem solchen Dienst und der Übergabe bekämen Eltern ihre Kinder aber teils rund 30 Stunden nicht zu Gesicht.
Auf Flugblättern erklärten die Ärzte ihre Forderungen. Zugleich entschuldigten sie sich für Folgen des Streiks. Dort hieß es: «Wir wissen, dass ein Streik Ihre medizinische Versorgung beeinträchtigen und Besorgnis auslösen kann. Zu Ihrer Beruhigung: Die Versorgung bei dringenden und unaufschiebbaren Fällen wird während des Streiks weiterhin gewährleistet.»
















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