Die Kanaren melden deutlich weniger Sitzenbleiber als noch vor zehn Jahren. Und doch ist die Quote der Klassen-Wiederholer deutlich höher als im Spanien-Schnitt. Das ist eines der Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, hat die Ergebnisse der internationalen PISA-Studie bekanntgegeben. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Kanaren weiterhin Aufholbedarf in ihrem Bildungssystem haben. Allerdings zeigt die Studie auch Erfolge.
Laut aktueller Auswertung hat gut jeder vierte Schüler im Alter von 15 Jahren auf den Kanaren bereits eine Klasse wiederholen müssen (27 Prozent). Bei der PISA-Studie vor zehn Jahren waren es noch 38 Prozent gewesen. Natalia Álvarez ist Vorsitzende des Schulrates der Kanarischen Inseln. Und sie hat eine Erklärung dafür:
Kanaren stärken Bildungssystem und Lehrer
Laut Álvarez ist insbesondere das Lehrpersonal heute besser ausgebildet. Allerdings ist die Expertin auch kritisch, insbesondere mit Blick auf die Sitzenbleiber. Die Kanaren befinden sich am unteren Ende der Skala. Lediglich in Andalusien (28,8 Prozent), La Rioja (28,6 Prozent), der Valencianischen Gemeinschaft (28,6 Prozent) und Aragon (27,8 Prozent) müssen mehr Schüler Klassen wiederholen.
Die Studie zeigt auch, dass Schülerinnen und Schüler, die nicht wiederholen mussten, deutlich stärkere Werte erreichten. Dies bedeutet, dass das Wiederholen eines Schuljahres allein nicht den vollen gewünschten Erfolg bringt. Zudem wird der Unterschied nach Schultyp deutlich: An öffentlichen Schulen müssen viermal häufiger Klassen wiederholt werden als an Privatschulen.
Experten sehen allerdings auch andere Zusammenhänge. So sagt der Soziologe der Universität La Laguna (ULL), José Saturnino Martínez, dass der Geburtsmonat ein großer Faktor sei. Werde ein Kind im letzten Quartal geboren, bedeute das einen Entwicklungsnachteil gegenüber Kindern, die früher im Jahr geboren wurden. Das mache mitunter «fast ein akademisches Jahr» aus, erklärt der Forscher. Länder wie Deutschland würden mehr Flexibilität bei der Einschulung geben und so könnten Nachteile beim Geburtsmonat ausgeglichen werden.
Die reine Wiederholung ist damit keine solitäre Lösung. Die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler reifer werden, helfe. Allerdings müsse für bessere Bildung auch das System optimiert werden. An der ULL sieht man beispielsweise zwei Klassenlehrer als gute Möglichkeit, Kinder besser zu unterstützen.
Digitalisierung der Klassenzimmer auf den Kanaren nötig?
Doch auch andere Punkte werden diskutiert. So fordert der Verband «Aixeca el cap» beispielsweise die Verbannung von Bildschirmen aus Klassenzimmern. «Schüler haben Schwierigkeiten mit Texten von mehr als 400 Wörtern», berichtet der Verein und argumentiert, dass dies auch mit der starken Nutzung von Smartphones zu tun habe. Daher sei es notwendig, auch aus dem Klassenzimmer Bildschirme zu verbannen.
Dem gegenüber steht der Wunsch nach Digitalisierung der Klassenzimmer. Der Verband kritisiert das jedoch deutlich: «Wir stützen uns auf wissenschaftliche Studien, die für jedermann zugänglich sind, aber es scheint, als käme die Botschaft weder beim Bildungsministerium noch bei der Regierung wirklich an: Bildschirme fördern das Lernen nicht, sie verzerren es», heißt es aus dem Verband. Von dort wird angefügt: «Wir sagen das schon seit Jahren und die PISA-Tests zeigen das jetzt.»
Tue Halgreen bestätigt das nur teilweise und indirekt. Als leitender OECD-Analyst der Studie sagte Halgreen bei der Präsentation, dass ein Teil des Rückgangs der Ergebnisse mit dem Fortschritt der Technologie zu tun habe. Allerdings gebe es vor allem Zusammenhänge mit sozialen Veränderungen. Diese hätten größere Auswirkungen als die spezifische Bildungspolitik der Teilnehmerländer.
Spanien hat genau wie Deutschland, Österreich und die Schweiz das schlechteste Ergebnis seit Beginn der PISA-Studie verzeichnet. Spaniens höchstes Ergebnis wurde im Jahr 2015 mit 496 Punkten geholt. In diesem Jahr waren es 451. Deutschland holte vor zehn Jahren 509 Punkte und diesmal 465. In der Schweiz waren es 2012 immerhin 509 und diesmal 470 Punkte. Österreich verzeichnete im Jahr 2000 mit 507 den Punkterekord. Diesmal waren es dort 467.















«PISA-Studie: Kanaren werden besser - und sind trotzdem zu schwach»
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel.