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Donnerstag, 3. September 2026
Kanaren

Polizei warnt: Neue Flüchtlingsroute zu den Kanaren droht – wir zeigen den Geheimbericht

Ein Polizeibericht zum Massenzustrom in Ceuta warnt vor der Ankunft vieler Boote aus Marokko auf den Kanaren. 98 Prozent der Seemigration nach Spanien laufen demnach über Schleuser. Teneriffa News liegt der Bericht vor.
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  • Spaniens Polizei warnt in einem Bericht vor mehr Bootsankünften von Migranten auf den Kanaren.
  • Laut dem Dokument steuern kriminelle Schleuser 98 Prozent der irregulären Seemigration von Marokko nach Spanien.
  • Der Bericht wirft marokkanischen Grenzbeamten vor, Migranten während der Krise in Ceuta aktiv gelenkt zu haben.
Unsere Mitglieder sehen hier eine praktische Zusammenfassung

In einem Bericht über den Massenzustrom in Ceuta hat Spaniens Polizei vor neuen Bootsankünften auf den Kanaren über die Atlantikroute gewarnt. Verfasst wurde das Dokument vom nationalen Zentrum für Einwanderung und Grenzen der Nationalpolizei Spaniens. Das Dokument ging an den zentralen Strafgerichtshof. Uns liegt es vor.

Am 30. und 31. Juli waren rund 80.000 Migranten in der von etwa gleich vielen Einwohnern bewohnten Exklave angekommen. Noch während Ceuta mit den Folgen beschäftigt war, leitete das Generalkommissariat für Ausländer und Grenzen, das «Comisaría General de Extranjería y Fronteras» (CGEF), eine Warnung an die Polizeiführung der Kanaren weiter. Dort, so hieß es, bestehe das Risiko, dass mehr irreguläre Boote die Inseln erreichen würden.

Nach Einschätzung der Ermittler könnte sich der Migrationsdruck vom Mittelmeer wieder zurück auf den Atlantik verlagern. In dem Dokument heißt es, dass eine «Ausweitung der Wiederbelebung von Migrationsströmen von Marokko in Richtung Kanarische Inseln» zu erwarten sei. Und zwar auf dieser Route:

Polizeibericht warnt vor Reaktivierung der Kanaren-Migration

Für die Inseln beschreibt der Bericht einen eigenen Korridor von Tantán in der Westsahara zu den Kanaren. Dafür, so heißt es weiter, würden die bekannten, seeuntüchtigen Boote genutzt, die auf den Inseln «Cayucos» genannt werden. Ausdrücklich abgegrenzt wurde diese Route von den Verbindungen Nador nach Almería, Tanger und Assilah nach Cádiz sowie Castillejos nach Ceuta.



Nahezu die gesamte irreguläre Seemigration von Marokko nach Spanien läuft laut Dokument über Schleuser. Gestützt auf die Register des Generalkommissariats führt der Bericht aus, dass 98,13 Prozent der Fälle zwischen 2023 und 2026 von kriminellen Organisationen durchgeführt worden seien.

Fünf Gruppen hätten demnach die Kapazität gehabt, Dutzende Menschen gleichzeitig zu transportieren, zusammen 200 bis 300 Migranten pro Tag. Die meisten von ihnen waren im Norden Marokkos und an der spanischen Mittelmeerküste aktiv, eine von ihnen deckte die atlantische Küste Marokkos und die Kanaren ab. Es gebe Strukturen auf beiden Seiten inklusive Mitarbeitern in Spanien, heißt es weiter.

Geheimbericht zur Spanien- und Kanaren-Migration

Je nach Abfahrtsort kamen unterschiedliche Transportmittel zum Einsatz: schnelle Motorboote aus dem Drogenschmuggel, Schlauch- und Holzboote sowie Fischerboote als Mutterschiffe, die Menschen in internationale Gewässer brachten und sie dort in kleinere Boote umsetzten.

Für die Atlantikroute nennt der Bericht ausdrücklich «prekäre Boote», die also für eine Atlantik-Überquerung untauglich sind. Als Profil beschreiben die Ermittler subsaharische Männer im Alter von 15 bis 25 Jahren aus Sahel-Staaten und der Region am Golf von Guinea. Sie seien nahezu ausschließlich vor Ort, um von dort aus auf die Kanarischen Inseln weiterzureisen.

Die Kanaren verzeichneten im Jahr 2024 einen Rekord bei der irregulären Migration. Damals kamen rund 46.800 Menschen auf dem Archipel an. Erst durch Abkommen mit afrikanischen Staaten wurde erwirkt, dass diese Migranten und Flüchtlinge aktiv daran hindern, in See zu stechen. So sanken die Ankunftszahlen in diesem Jahr um etwa 60 Prozent. Genau darin besteht jetzt die Sorge: Sollten afrikanische Behörden und Grenzbeamte Migranten wieder aktiv gewähren lassen, könnte das auch für die Kanaren eine Rückkehr zu damaligen Verhältnissen bedeuten.

Kritik und Zweifel an Ceuta-Bericht und Fazit auch für die Kanaren

Kritik entzündete sich an dem Papier vor allem wegen der Passagen zum Handeln marokkanischer Grenzbeamter, denen der Bericht ein «aktives Lenken» der Migranten, teils in Uniform, teils in Zivil, sowie eine «totale Permissivität» (Gewährenlassen) während der Krise attestiert. Innenminister Fernando Grande-Marlaska forderte daraufhin von Polizeidirektor Francisco Pardo eine Erklärung.

Über dessen Antwort gehen die Angaben spanischer Medien auseinander: Während «El Debate» berichtet, Pardo habe lediglich bestritten, dass der Bericht eine direkte «geistige Urheberschaft» Marokkos belege, meldeten andere Quellen, Pardo habe die Existenz eines solchen Berichts in dieser Form gegenüber dem Ministerium ganz in Abrede gestellt. Unterm Strich belastet der Streit über das Papier die bis dahin von der Regierung vertretene Darstellung der Ereignisse zu einem politisch heiklen Zeitpunkt: Ministerpräsident Pedro Sánchez soll dazu in Kürze erstmals vor dem Parlament Stellung nehmen.

Wer den Massenzustrom initiiert hat, lässt das Dokument offen: Es spricht von «vorheriger Planung» und «strategischer Lenkung», ohne Verantwortliche zu benennen. Damit reicht das Dokument allein zumindest dafür nicht aus, die Planung eindeutig der marokkanischen Regierung zuzuschreiben.

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