Die Nachricht kam am Mittwoch über seinen Verleger in Tübingen: Bernhard Feil, der dort das Neue Kunstmuseum betreibt und Janoschs künstlerischen Nachlass erworben hat, teilte im Auftrag von Janoschs Frau Ines mit, dass der Künstler am Dienstag auf Teneriffa gestorben ist. 95 Jahre alt ist der Mann geworden, mit dessen kleinem Tiger, kleinem Bären und der gestreiften Tigerente auf Rädern mittlerweile die dritte Generation von Kindern aufwächst.
Auf Teneriffa trifft die Nachricht viele Menschen vielleicht noch ein bisschen mehr als in Deutschland. Janosch hat dort mehr als vierzig Jahre gelebt, länger als viele Deutsche, die irgendwann auf die Insel kamen. Gesehen hat man ihn freilich selten. Er wollte zurückgezogen leben und hat aus seiner Abneigung gegen Presse, Auftritte und Rummel um seine Person auch nie ein Geheimnis gemacht.
Vielleicht hat das etwas mit Panama zu tun. In seinem berühmtesten Buch ziehen Tiger und Bär los, um das Land ihrer Träume zu suchen. Sie kommen am Ende zu Hause an – nur, dass sie es nicht gleich erkennen. Janosch hat es genau umgekehrt gemacht und sein Panama ziemlich weit weg von zu Hause gefunden: auf Teneriffa.
Janosch auf Teneriffa: das Leben in der Hängematte
1980 war er auf die Insel gekommen, um sich von einer Krankheit zu erholen. Janosch ist danach einfach geblieben. Mit Ines wohnte er in einem schlichten Haus in den Bergen. Wenn ihn jemand fragte, womit er seine Tage verbringe, kam meistens die Hängematte ins Spiel. Und so ganz sicher war man sich bei Janosch nie, ob er einen damit auf den Arm nehmen wollte oder ob es doch stimmte. Wir tippen auf Letzteres.
Überhaupt liebte er es, seine Antworten in kleine Geschichten zu verpacken, bei denen Zuhörer hinterher nicht mehr wussten, welcher Teil erfunden war. Auf der Insel kursieren über den oft kauzigen alten Deutschen einige Anekdoten, manche davon sicher geschönt. Einige klangen jedoch plausibel.
Weniger bekannt ist, dass er sich auf der Insel mit seiner Frau auch für die Natur einsetzte. Die beiden haben dafür 2021 die Stiftung Canarina gegründet, die sich für den Naturschutz auf den Kanaren einsetzt. Aufhebens darum gemacht haben sie nie.
Von Zabrze in die Kinderzimmer der Welt
Auf die Welt gekommen ist Janosch am 11. März 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Hindenburg, heute Zabrze, das zu Polen gehört. Über seine Kindheit hat er später oft gesprochen. Schön war sie demnach nicht: wenig Geld, ein Vater, der trank, dazu Prügel daheim. Nach dem Krieg kam die Familie nach Norddeutschland. Er selbst ging später nach München an die Kunstakademie, wo es zunächst auch nicht so recht klappen wollte.
Sein erstes Kinderbuch, «Die Geschichte von Valek dem Pferd», interessierte zunächst kaum jemanden. Der große Erfolg kam erst 1978 mit «Oh, wie schön ist Panama». Danach kam eins zum anderen: die Tigerente, Günter Kastenfrosch, später auch Herr Wondrak, der im «Zeitmagazin» viele Jahre seine eigenwilligen Weisheiten unters Volk brachte. Weit mehr als 150 Bücher sind es geworden, übersetzt in rund 40 Sprachen.

Was von Janosch bleibt
War es seltsam, dass ausgerechnet jemand mit so einer Kindheit die vielleicht freundlichsten Geschichten geschrieben hat, die es in der deutschen Kinderliteratur gibt? Oder gelang es ihm gerade deshalb? Bei Janosch passen Tiger und Bär aufeinander auf, kochen füreinander und pflegen sich gesund, wenn einer krank ist. Dass man dafür kein Geld und keine große Welt braucht, sondern eigentlich nur einen guten Freund, war möglicherweise nicht nur erdacht, sondern auch Janoschs Überzeugung.
Als er im März 95 Jahre alt wurde, hieß es, er wolle den Geburtstag ohne Feier und in aller Ruhe auf Teneriffa verbringen, während in Tübingen das Neue Kunstmuseum eine große Ausstellung zu seinen Ehren zeigte. Jetzt ist Janosch dort gestorben. An dem Ort, zu dem er hin und an dem er bleiben wollte. Warum Janosch sich ausgerechnet Teneriffa als sein Panama ausgesucht hat, ist vielleicht eine seiner Geschichten, die nie ganz ergründet werden können. Oder deren echten Kern nur Ines kennt, die seit 2013 seine Frau war. Janoschs beste Freundin, die er stets an seiner Seite brauchte, war sie schon viele Jahre zuvor.
















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