Eine Studie hat erstmals bestätigt, dass sich Hunde auf den Kanaren vor Ort mit Leishmaniose anstecken können. Verantwortlich für die Studie zeichnete José Alberto Montoya, der den Lehrstuhl für Tiermedizin an der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) leitet und am Universitätsinstitut für
Biomedizin und Gesundheit (Iuibs) forscht.
Bislang untersuchten die Wissenschaftler rund 800 Hunde von allen Kanarischen Inseln, bei denen zuvor ein klinischer Verdacht bestand. Etwa zehn Prozent der Tiere wiesen einen positiven Befund auf. Durchgeführt wurde die Studie zusammen mit den Tierärztekammern von Las Palmas und Santa Cruz de Tenerife. Die offiziellen Ergebnisse sollen im September vorgestellt werden.
Der Nachweis der Fälle belegt, dass die Ansteckung über Sandmücken (Phlebotom) stattfindet. Die Insekten zirkulieren bereits auf den Kanaren. Das Insekt überträgt den Parasiten Leishmania infantum, eine direkte Ansteckung zwischen Tieren ohne den Insektenstich ist nicht möglich. Seit die Leishmaniose-Fälle bekannt wurden, ist die Zahl der Anfragen von Hundehaltern gestiegen, die ihre Tiere impfen lassen wollen. Der Impfstoff wird derzeit auf den Kanaren allerdings nicht vertrieben.
Leishmaniose-Halsbänder wirksamer als Impfstoff
Sara Pérez, Vorstandsmitglied der Tierärztekammer von Las Palmas und ärztliche Direktorin der Clínica Veterinaria Atlántico, hält eine allgemeine Impfempfehlung für verfrüht. „Der Impfstoff senkt das Risiko, zu erkranken, um rund 72 Prozent. Das eigentliche Ziel muss sein, den Stich der Mücke zu vermeiden“, sagte Pérez. Repellent-Halsbänder senken das Ansteckungsrisiko nach ihren Angaben um mehr als 90 Prozent.
Viele Tierärzte bevorzugen die Halsbänder gegenüber der Impfung, da der Impfstoff Nebenwirkungen haben kann. Vorrang haben nach Ansicht von Pérez derzeit die Vorbeugung, die Aufnahme der Leishmaniose in die tierärztlichen Differenzialdiagnosen und der Ausbau des Wissens über die Krankheit.
Leishmaniose: Veterinäre auf den Kanaren beruhigen
„Wir wissen, dass es Übertragungen zwischen Tieren gibt, die die Kanaren nie verlassen haben. Dennoch kennen wir bislang weder die tatsächliche Verbreitung der Krankheit noch wissen wir, wie sie sich auf die einzelnen Inseln und Gemeinden verteilt“, sagte Pérez. Die Kammer mahnt ausdrücklich zur Ruhe.
Leishmaniose ist ursprünglich eine Tropenkrankheit. Inzwischen kommt sie vorwiegend in den Tropen, Subtropen sowie im Mittelmeerraum vor. Die Übertragung erfolgt durch die Sandmücke. Ansteckungen von Tier zu Tier oder von Mensch zu Mensch sind nicht bekannt. Die Sandmücke ist vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv.
Klinische Anzeichen einer Infektion können Monate oder Jahre unbemerkt bleiben. Zu den Symptomen zählen Gewichtsverlust, Hautveränderungen, Haarausfall besonders um Augen und Ohren, entzündete Lymphknoten und Apathie. In schweren Fällen kommt es zu Vergrößerungen von Milz und Leber, auch Nierenversagen ist möglich. Dies gilt in der Folge auch als häufige Todesursache. Kurzhaarige Rassen tragen ein höheres Risiko, da die Mücke leichter an die Haut gelangt. Auch Menschen können durch die Sandmücke erkranken, vor allem immungeschwächte Patienten.
Kommt es zu einer Infektion, so gilt dies heute als unheilbar. Die Symptome lassen sich jedoch gut behandeln. Nach Einschätzung von Pérez bleibt die Filaria, der tropische Herzwurm, auf den Kanaren weiterhin das größere Gesundheitsproblem. „Es gibt viele Hunde, die nicht geschützt sind“, warnte die Tierärztin.
















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