Die Gewerkschaft CCOO zählt auf den Kanaren 29.112 unbezahlte Überstunden. Und das, zumindest durchschnittlich, jede Woche. Grundlage der Auswertung ist die spanische Arbeitskräfteerhebung EPA für das Jahr 2025. Legt man die durchschnittlichen Arbeitskosten von 20,65 Euro je effektiv geleisteter Stunde zugrunde, sparten die Betriebe in einer einzigen Referenzwoche rund 600.000 Euro. Andersherum ist das die Summe, die Arbeitnehmenden für ihre Leistung nicht ausbezahlt wurde.
Am stärksten fällt dabei der Bausektor ins Gewicht: Auf den Bereich entfallen auf den Kanaren knapp 28 von 100 unbezahlten Überstunden. Das ist mehr als bei Handel und Gastgewerbe zusammen. Beide Bereiche stehen gemeinsam für 14,3 Prozent der unbezahlten Mehrarbeit. Die öffentliche Verwaltung, der Bereich Bildung und das Gesundheitswesen folgen mit zusammen 22,1 Prozent.
Zwischen den vier ausgewerteten Wochen liegen große Abstände. Die meisten unbezahlten Überstunden wurden mit mehr als 47.600 im zweiten Quartal gezählt. Im ersten Quartal waren es 29.807 Stunden, im vierten 24.400. Das dritte Quartal erreichte mit 14.589 Stunden den mit Abstand niedrigsten Wert. Die Kanaren liegen dabei deutlich gegen den Trend.
Bausektor treibt die Überstunden auf den Kanaren
In Spanien allgemein bringt es der auf den Kanaren am stärksten ausgeprägte Bausektor bei unbezahlter Mehrarbeit lediglich auf 4,4 Prozent. Landesweit führen öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheitswesen mit 29,3 Prozent das Feld an, gefolgt vom Finanz-, Immobilien- und Versicherungswesen mit 18 Prozent sowie Transport und Logistik mit 16,5 Prozent.
Heruntergebrochen auf den einzelnen Arbeitnehmenden wird auf dem spanischen Festland mit 0,12 Stunden ein höherer Wert für die unbezahlte Mehrarbeit registriert als auf den Kanaren mit 0,033 Stunden. Eine frühere CCOO-Auswertung zum Thema aus den Jahren 2008 bis 2015 wies noch 0,24 Stunden aus. Damit wurde die unbezahlte Mehrarbeit binnen eines Jahrzehnts halbiert. Die Verteilung nach Branchen blieb dabei in etwa stabil.
Kanaren: Überstunden-Erhebung deckt nur Stichprobe ab
CCOO ist zwar Macher der Erhebung, mahnt jedoch zugleich zur Vorsicht bei der Auslegung. Die EPA erhebt ihre Daten jeweils nur für eine konkrete Woche pro Quartal, die Jahreswerte sind eine Annäherung aus vier Referenzwochen. Unbezahlte Überstunden betreffen zudem nur rund zwei Prozent der Lohnabhängigen auf den Kanaren. Damit ist die Stichprobe bei der Aufschlüsselung nach Branche und Quartal nur teilweise aussagekräftig. Die Gewerkschaft stuft die eigenen Ergebnisse entsprechend als Annäherungswert ein.
Für die Betroffenen fällt unentgeltliche Mehrarbeit auf den Inseln stärker ins Gewicht, da die Kanaren zu den spanischen Regionen mit den niedrigsten Löhnen zählen. Laut dem kanarischen Statistikamt ISTAC lag der durchschnittliche Bruttojahreslohn im Jahr 2024 bei 25.120 Euro. Das war ein Plus von 4,5 Prozent gegenüber 2023.
In der Gastronomie beschweren sich Arbeitende seit Jahren über Mehrarbeit und unbezahlte Kurzpausen im geteilten Dienst. Dabei werden zwei Schichten von einer Pause geteilt, die oft zu lang ist, um im Betrieb zu bleiben, gleichzeitig jedoch zu kurz, um wirklich die Freizeit zu genießen. Das schlug sich zuletzt deutlich in Personalmangel in den Restaurants der Kanaren nieder.














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