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Montag, 31. August 2026
Teneriffa

Abwasser-Probleme auf Teneriffa: Millionen-Investitionen und Politiker vor Gericht

Teneriffa will sein Abwassernetz mit mehr als 70 Millionen Euro ausbauen. Jährlich gelangen mehr als 62,5 Millionen Kubikmeter ungeklärtes Abwasser ins Meer und in den Untergrund. Zudem müssen sich vier Kommunalpolitiker vor Gericht verantworten.
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  • Teneriffas Inselverwaltung stellt mehr als 70 Millionen Euro für den Ausbau der Kanalisation bereit - zu wenig, meint ein Experte.
  • Jährlich fließen mehr als 62,5 Millionen Kubikmeter teil- oder ungeklärtes Abwasser ins Meer und in den Untergrund.
  • Ab Februar müssen sich vier Kommunalpolitiker wegen Umweltdelikten vor Gericht verantworten.
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Die Inselverwaltung von Teneriffa stellt mehr als 70 Millionen Euro für den Ausbau der Kanalisation bereit. Grund sind die anhaltenden Abwasser-Probleme an verschiedenen Stränden der größten Kanaren-Insel. Mehr als die Hälfte dieser Mittel stammt aus den kommunalen Kooperationsplänen, die bis ins Jahr 2031 reichen. Jährlich laufen mehr als 62,5 Millionen Kubikmeter teil- oder ungeklärtes Abwasser ins Meer und in den Untergrund Teneriffas.

Besonders deutlich wurden die historischen Versäumnisse rund um das Abwasser auf Teneriffa an der Playa Jardín. Knapp ein Jahr lang war der beliebteste Strand im Norden Teneriffas abgeriegelt. Anhaltend schlechte Wasserwerte führten zu Ermittlungen, die zeigten: Dutzende Wohnhäuser nahe dem Strand waren nie an das öffentliche Abwassernetz angeschlossen.

Dieses Problem gibt es an mehreren Stellen Teneriffas. Daher übernahm die Inselverwaltung die Aufgabe. Sie begründete ihr Eingreifen mit den Versäumnissen der Stadtverwaltungen, die dafür zuständig gewesen seien, jedoch nicht eingriffen. Und so müssen sich nun auch Kommunalpolitiker vor Gericht verantworten:

Teneriffa: 70 Millionen Euro gegen Abwasser im Meer

«Bauarbeiten unter der Erde sieht man nicht, sie bringen keine Stimmen und stören zudem», sagte Juan Rumeu, Präsident der Umweltberater auf Teneriffa. Daher sei das Thema nie konsequent angegangen worden. Zusammen mit hohen Touristenzahlen wurden die Abwasserprobleme dann sukzessive deutlicher: Ein Tourismus-Interessenverband der Kanaren hatte 2024 rund 22 statt offiziell 18 Millionen Besucher auf den Kanaren gezählt und darin eine der Ursachen für die hohen Abwasserwerte im Meer gesehen.



Zwischen 2019 und 2023 zahlte die Regierung der Kanaren 8,2 Millionen Euro an Strafen der Europäischen Union wegen Verstößen bei der Abwasserklärung. Teneriffas Umweltministerin Blanca Pérez rechnet mit weiteren Sanktionen, solange keine grundlegenden Lösungen gefunden werden.

Vier Kommunalpolitiker vor Gericht wegen Einleitungen im Valle de Güímar

All das soll jetzt auch juristisch aufgearbeitet werden. Ab Februar müssen sich die Bürgermeisterinnen María Concepción Brito aus Candelaria und Carmen Luisa Castro aus Güímar sowie die früheren Bürgermeister José Gumersindo García aus Candelaria und José Juan Lemes aus Arafo vor Gericht verantworten. Dann geht es unter anderem um Umweltdelikte: Ungeklärtes Abwasser floss aus dem Industriegebiet Polígono Industrial del Valle de Güímar ins Meer. Das Gericht soll nun klären, ob die Bürgermeister davon wussten und hätten eingreifen müssen.

Zudem ermittelt die Justiz wegen mutmaßlicher Umweltdelikte gegen Ministerin Pérez, den früheren Bürgermeister von Puerto de la Cruz, Marco González, und Javier Davara, den Geschäftsführer der Inselwasserbehörde.

Die Bezirkskläranlage im Valle de Güímar kostete 14 Millionen Euro und ging im vergangenen Jahr nach dem Vorfall im Industriegebiet in Betrieb. Zwei neue Großanlagen in Granadilla de Abona und Guía de Isora verschafften Teneriffa in diesem Jahr die höchste Klärkapazität seiner Geschichte. Waren es 2019 maximal 25 Millionen Kubikmeter und somit 40 Prozent des jährlichen Aufkommens, lag der Wert in diesem Jahr bei mehr als 35 Millionen Kubikmetern und damit bei mehr als der Hälfte. Für 230 Millionen Euro bauen die Verwaltungen derzeit die Anlage Montaña Reverón in Arona und erweitern die Anlage Buenos Aires in Santa Cruz.

Teneriffa: Nur 59 von 180 Einleitungspunkten ins Meer sind genehmigt

Die jüngste Zählung verzeichnete 180 Einleitungspunkte ins Meer. Somit werden zwei von drei Abwasser-Einleitungen ohne die vorgeschriebene Erlaubnis betrieben. Rumeu hält daher auch die vorgesehenen 70 Millionen Euro für zu wenig. Der Experte verwies auf einen Bericht der Inselverwaltung aus der vorigen Legislaturperiode, der den Investitionsbedarf bei den Abwassernetzen auf mehr als 500 Millionen Euro bezifferte. In manchen Gemeinden sind seiner Ansicht nach weiterhin mehr als die Hälfte der Häuser nicht korrekt an die Abwassernetze angeschlossen.

Die Playa Jardín in Puerto de la Cruz war ein knappes Jahr für Badende gesperrt. Der Grund waren hohe Bakterienwerte durch Fäkalien. Der Fall sorgte für internationale Schlagzeilen und brachte schließlich auch ein politisches Bewusstsein für die anhaltenden Abwasser-Herausforderungen auf Teneriffa.

Zuletzt im August griff erneut ein zweitägiges Badeverbot am großen Strand von Puerto de la Cruz. Zudem berichten Anwohnende von anhaltendem Gestank nahe der Playa Jardín. In der direkt angrenzenden Nachbarstadt Los Realejos wird eine seit Jahren veraltete Bezirkskläranlage betrieben. Der Bruch des Abwasserauslaufs sorgt für belastetes Abwasser in Strandnähe, statt wie eigentlich geplant knapp einen Kilometer vor der Küste.

2024, im Jahr der langen Sperrung, hatten 125 der 450 Wohnhäuser in Punta Brava keinen Anschluss an das Kanalnetz von Puerto de la Cruz. Das Abwasser dieser Gebäude floss also zusätzlich ungeklärt ins Meer. Die Stadtverwaltung von Puerto de la Cruz arbeitet nach eigenen Angaben an einer Lösung. Die Arbeiten an dem Rohr stehen unterdessen weiter aus.

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