Es ist das höchste Gebäude weit und breit. Die Aussicht ist atemberaubend – der Gestank ist es auch: Anwohner von Los Realejos gehen gegen die Kläranlage im Norden Teneriffas vor. Sie ist seit der Sperrung der Playa Jardín in aller Munde.
Das Klärwerk am Fuße des Orotavatals ist für Puerto de la Cruz, Los Realejos und La Orotava zuständig. Es ist auch der Grund für die Strand-Schließung der Playa Jardín: Ungeklärtes Abwasser tritt seit Jahren nahe dem Strand aus einer defekten Leitung aus. Die Bakterienwerte wurden so hoch, dass der beliebte Strand knapp ein Jahr gesperrt werden musste.
Anwohner und Geschäftsleute freuten sich über die Ankündigung einer umfassenden Sanierung. Seit damit begonnen wurde, gibt es jedoch ein neues Problem: An immer mehr Tagen berichten Anwohner im benachbarten Los Realejos von kaum auszuhaltendem Gestank. Jetzt gehen sie dagegen vor:
Abwasser-Gestank in Teneriffas Norden
Günter Koch ist Anwohner im Precise-Hochhaus. Bekannt wurde das Gebäude als Maritim Los Realejos. Das Haus ging im Juli 2022 in den Besitz der Berliner Precise-Gruppe über. Das Aparthotel beherbergt seit jeher Privatanleger und Hotelgäste gleichzeitig.
Das einst erste Haus der Maritim-Gruppe außerhalb Deutschlands galt lange Zeit als Problemkind. Sanierungsstaus und ausbleibendes Interesse sorgten erst für finanzielle Probleme, dann für den Verkauf. Inzwischen ist der Mix aus Eigentum und Hotelbetrieb unter neuem Namen eröffnet worden. Und seit die Playa Jardín ebenfalls wiedereröffnet ist, könnte alles perfekt sein. Doch nun gibt es ein neues, unsichtbares Problem.
Koch berichtet von „unerträglichen Geruchsbelästigungen“. Die Anwohner des Hauses wenden sich daher nun an den Wasserrat der Kanarischen Inseln. Sie stellen vier zentrale Forderungen an das Konsortium: Der Rat soll die Ursachen des Gestanks untersuchen, die Einhaltung aller Betriebsbedingungen prüfen, herausfinden, ob die jüngste Sanierung überhaupt Früchte trägt, und „wirksame Abhilfemaßnahmen“ für die Geruchsbelästigung schaffen.
Letztes ist den Anwohnenden das größte Anliegen, denn „die Kläranlage von Puerto de la Cruz verursacht fast ununterbrochen üble Gerüche, die die Lebensqualität der Anwohner in der Umgebung, einschließlich der Einwohner von Los Realejos, erheblich beeinträchtigen“, heißt es in dem Schreiben, das Teneriffa News vorliegt.
Koch berichtet weiter: „Meine Wohnung befindet sich etwa 200 Meter von der Anlage entfernt und die Gerüche sind so intensiv, dass ich die Fenster nicht geöffnet lassen kann und die normale Nutzung der Wohnung eingeschränkt ist.“
Abwasser an der Playa Jardín auf Teneriffa bleibt Streitpunkt
In dem Brief bitten Koch und weitere Anwohner darum, dass „über die durchgeführten Maßnahmen und die diesbezüglichen Ergebnisse“ informiert werde. Denn „obwohl die Kläranlage kürzlich saniert wurde, hat sich die Situation nicht verbessert“, berichten Koch und weitere Anwohnende.
„Die Kläranlage hat schon seit jeher Gerüche verursacht, doch im letzten Monat hat die Häufigkeit derart zugenommen, dass wir nicht mehr als fünf Tage ohne Geruchsbelästigung verbracht haben“. In dem Schreiben heißt es zudem: „Diese Vorfälle treten praktisch täglich auf.“
Der Streit um die Abwasserprobleme an der Playa Jardín geht damit in die nächste Runde. Auch wenn der Strand inzwischen wiedereröffnet wurde, stehen dringende Arbeiten weiterhin aus. Eine Reaktion des Wasserrats steht aus. Experten rechnen unterdessen damit, dass erst in mehreren Jahren alle Sanierungsstaus behoben sind und alle Bedingungen für einen EU-zertifizierten Betrieb erfüllt werden. Den Anwohnern des ehemaligen Maritim-Hochhauses dürfte in der Zwischenzeit weiterhin regelmäßig der Atem stocken.
















Noch keine Kommentare zu diesem Artikel.