Kehrtwende: Kanaren wollen Corona-Zweitimpfung deutlich aufschieben


Die Administration der Kanarischen Inseln erwägt eine radikale Änderung der Impfstrategie. Die zweite Dosis soll zugunsten eines schnelleren Fortschritts bei der Erstimpfung um mehrere Wochen aufgeschoben werden.

Lesedauer: 2 Min.

Das kanarische Gesundheitsministerium erwägt eine radikale Kehrtwende in der aktuellen Impfstrategie. Um die Rate der gegen das Coronavirus erstgeimpften Personen zu erhöhen, sollen Zweitimpfungen vorerst ausgesetzt werden. Die Idee sorgt für Wirbel.

Personen unter 80 Jahren sollen ihre Zweitimpfung vorerst nicht erhalten. Das schlägt die zuständige Abteilung des kanarischen Gesundheitssystems vor. Der von Carolina Darias geleitete Bereich legte der Kommission für öffentliche Gesundheit nun ein entsprechendes Dokument vor.

Laut Vorschlag würde die Zweit-Impfung dann erst 56 Tage nach der Erstimpfung erfolgen. Damit liegen nicht mehr – wie derzeit – je nach Impfstoff drei oder vier, sondern künftig acht Wochen zwischen beiden Impfungen.

So funktionieren mRNA-Impfstoffe:

Die Kehrtwende überrascht insbesondere, da Darias selbst noch vor einer Woche einen entsprechenden Antrag aus anderen spanischen Gemeinden abgelehnt hatte. Hintergrund war die Ankündigung, dass im zweiten Quartal ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe.

Beispielrechnung: Spätere Zweitimpfung kann vierte Corona-Welle abschwächen

Nun ist jedoch Annahme gereift, dass eine Covid-19-Infektion nach der Erstimpfung weniger wahrscheinlich wird. Daher könnte eine flächendeckende Erstimpfung das Virus schneller abschwächen, als wenn durch eine frühere Zweitimpfungen weiterhin viele Personen auf dem Archipel längere Zeit komplett ungeimpft bleiben müssen.

Das zeigt zuletzt die Beispielrechnung anhand einer fiktiven spanischen Stadt mit 500.000 Einwohnern. „Im Vergleich beider Strategien und in einer Situation der möglichen vierten Epidemiewelle, kann durch die Trennung der Impfungen eine Reduktion zwischen 22 und 26 Prozent der Infektionen, zwischen 26 und 31 Prozent der Krankenhauseinweisungen und zwischen 30 und 32 Prozent der Todesfälle erreicht werden.“ Dies sei abhängig von der Größe der Epidemiewelle, hieß es aus dem Expertenrat.

Die Änderung der Impfstrategie soll auf die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna angewendet werden. Das „m“ steht dabei für messenger (Bote). „RNA“ steht für Ribonukleinsäure. Dabei ist die mRNA wie eine Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers zu sehen. Diese gelangt durch winzige Fett-Tröpfchen in die Körperzellen. In den Zellen wird dann das vermeintliche Virusprotein produziert, gegen das der Körper seine Immunantwort entwickelt.

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Über den Autor

Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Er ist auf den Kanaren zuhause und schreibt bereits seit vielen Jahren unter anderem über die Inseln.

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