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Dienstag, 15. September 2026
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Leser schreiben für Leser

Mein Teneriffa verliert seine schlauen Einwohner

Unsere Leserreporterin fragt: Warum werden Millionen Touristen auf die Inseln geholt, wenn die Infrastruktur das gar nicht hergibt? Sie meint: Kein Wunder, dass schlaue Leute ihre Heimat verlassen!

Von Marlis Zoschke

Als ich den jüngsten Newsletter von Teneriffa-News las, war ich nicht erstaunt über das schwache Abschneiden der Kanaren bei der PISA-Studie. Deutschland kann sich jedoch auch nicht rühmen, denn dort ist ebenfalls Talfahrt angesagt. Teneriffa hätte allerdings nach Francos Tod alle Möglichkeiten gehabt, sich um die Bildung zu kümmern.

Es muss doch für die Insel beschämend sein, dass sie eines der Schlusslichter Spaniens in Sachen Bildung ist. Doch die teilweise hässlichen Betonklötze waren wichtiger. Wenn dann ein Bauunternehmen Pleite ging, stand jahrelang ein monströses Etwas in der Landschaft.

Teneriffa verdoppelt die Einwohnerzahl, doch gute Leute gehen

Das bedeutet nicht, dass es nur «Dumme» gab. Doch viele Intelligente haben die Insel verlassen. Es gab wohl für viele zu wenig Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Angeblich sollen 125.000 Insulaner ausgewandert sein.



Es ist schwer nachvollziehbar, dass sich die Einwohnerzahl Teneriffas in rund 50 Jahren von etwa 500.000 auf etwa 966.500 nahezu verdoppelt hat. Etwa die Hälfte der Insel gilt als unfruchtbar oder vulkanisch geprägt und ist daher für die Landwirtschaft kaum nutzbar. Wurde irgendwo gebaut, eröffneten viele Gastwirte begeistert eine zweite Kneipe und bezeichneten das als Investition. Ich weiß nicht einmal, ob ihnen die Bedeutung dieses Begriffs wirklich bewusst war.

Die Banken waren offenbar stets bereit, solche Vorhaben zu unterstützen. Oft sah man Gastwirte, die im Vorjahr noch investiert hatten, plötzlich mühsam die Eier ihrer eigenen Hühner verkauften. Ich vermute, dass vor allem die großen Investoren gut verdienten.

Wurden Strom- oder Wasserrechnungen nicht bezahlt, entstand schnell eine Hypothek auf die Immobilie. Mahnungen gab es nicht. Wasser oder Strom wurden innerhalb kurzer Zeit abgestellt. Ein Freund machte uns darauf aufmerksam. Daraufhin erteilten wir der Bank, die auch unsere Postanschrift war, sofort den Auftrag, eingehende Rechnungen unverzüglich zu bezahlen.

Mehr Kanaren-Touristen, zu wenig Investitionen in Infrastruktur

Bestimmt hat sich in den vergangenen Jahren viel zum Guten geändert. Doch die Menschen sind meiner Ansicht nach nicht schlauer geworden. Oder wie kann man 7,5 Millionen Touristen jährlich auf die Inseln holen und die sanitären Anlagen so verkommen lassen, dass Abwasser einfach ins Meer leiten, wo dann auch wieder die Touristen baden? Macht sich da niemand Gedanken, dass bei dieser Wasserqualität auch die eigenen Leute krank werden können? Es gibt doch sowieso zu wenig Ärzte und Krankenhäuser. Solch eine «Schweinerei» habe ich selbst in den Favelas in Rio nicht gesehen.

Auf der anderen Seite freue ich mich immer, wenn ich Kanarios im Hotel treffe. In der spanischen Hotelkette werden sie weiter ausgebildet, denn ihre Kenntnisse reichen meist nicht für europäische Standards. Ich habe den Eindruck, dass sie sich dessen bewusst und dafür sehr dankbar sind.

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