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Sonntag, 1. November 2026
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Leser schreiben für Leser

Zu viele Menschen, Mietwagen, Müll: Teneriffas Politik in der Kritik

Teneriffas Süden hat sich grundlegend verändert. Wo sich Einwohner einst über jeden Touristen freuten, beklagt unsere Leserreporterin heute Bebauung, Naturverlust und Müllhalden.

Von Marlis Zoschke

Wöchentlich gibt es viele negative Nachrichten über Teneriffa. Machen sich die Insulaner auch mal Gedanken, ob das immer so weiter gehen kann? Da leben 470 Menschen auf einem Quadratkilometer auf einer Insel, die nicht mal aufgrund der topographischen Verhältnisse nur teilweise bewohnbar ist.

Dort leben doppelt so viele Menschen pro Quadratkilometer wie in Deutschland – und das ist das am dichtesten besiedelte Flächenland Europas. Macht sich denn niemand in der Politik Gedanken, dass der Übertourismus gestoppt werden und auch der Zuzug der vielen Sonnenhungrigen besser kontrolliert werden muss?

Früher waren Kanaren-Touristen reiche Leute

Die Politiker bilden sich immer ein, viele Touristen brächten auch viel Geld. Doch dabei wird vergessen, dass viele Menschen auch viel zerstören, kriminelle Handlungen begehen und die Umwelt übermäßig belasten. Es gibt öffentliche Verkehrsmittel, muss es da die vielen Mietwagen geben? Wer maximal zwei Wochen Urlaub macht, sollte doch froh sein, wenn er sich in keine Blechkiste zwängen muss.



Als der Süden noch ein Niemandsland war und die Insulaner sich über jeden Touristen freuten, haben sie sich natürlich danach gesehnt, wenn man mit der Taxe vom Flughafen kam, auch mal ein Auto zu besitzen, was verständlich ist. Die Frau unseres Freundes übte immer auf der «Straße» vor ihrem Haus, damit der Führerschein nicht so teuer wurde, wenn es mal so weit war.

Für die Einwohner im Süden waren Touristen reiche Leute. Die Kneipen freuten sich, wenn sie reichlich Alkohol verkaufen konnten. Etwas Hochprozentiges war immer ein halbes Weinglas voll und kostete wenige Pesetas. Viele Männerklubs verbrachten eine Woche auf Teneriffa. Nüchtern hat man damals nur wenig Erholungsuchende gesehen.

Inzwischen kamen auch immer mehr Touristen in den Süden, und es wurde viel gebaut. Oft befürchteten wir, dass es hier eines Tages von Touristen wimmeln würde. Unser Traum vom Überwintern schien in weite Ferne gerückt. Unsere Freunde waren jedoch überzeugt davon, dass es nie so weit kommen würde.

Naturverlust und Müllhalden belasten Teneriffa zunehmend

Die Entwicklung ist inzwischen noch weit über meine Befürchtungen hinausgegangen. Das bedauere ich sehr, denn dabei wurde auch viel Natur zerstört. Viele Maßnahmen waren wichtig. Bei weniger Tourismus wären jedoch weniger künstlich angelegte Strände nötig gewesen. Und die Küste hätte vielerorts ihren ursprünglichen Charakter bewahren können. Vermutlich wurde hier in großem Umfang gesprengt, denn sonst wären die vielen Strände nicht möglich gewesen. Es ist immer noch zu sehen, wo die Natur geschont wurde. Hier findet man den dunklen Sand, der so gesund für Rheumakranke sein soll.

Jetzt gibt es aber wieder etwas Neues: Müllhalden. Die hat es allerdings auch früher gegeben, nur nicht in dieser Menge. Mit diesen Missständen ist man wieder am Ende der Schlange zu sehen. Auf Teneriffa dauert eben alles ein wenig länger.

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