260.000 Übernachtungen fehlten den Apartments der Kanaren allein im April. In Summe kamen zuletzt 20 Prozent weniger Deutsche auf die Inseln. Auf den Kanaren versucht man, sich das mit Halbwahrheiten über die deutsche Rente schönzureden. Doch die Wahrheit ist eine andere.
Das Tourismusnetzwerk Baden-Württemberg zeigt in seiner Auswertung des Urlaubsverhaltens, dass im vergangenen Jahr vier von fünf Deutschsprachigen eine Urlaubsreise gemacht haben. 57,1 Millionen Urlaubsreisende seien ein historischer Rekord, heißt es dort.
Mit durchschnittlich 166 Euro pro Zimmer und Nacht waren Kanaren-Hotels im vergangenen Jahr so teuer wie nie. Rund 186 Euro pro Kopf und Tag mussten zuletzt auf den Kanaren für einen Urlaub ausgegeben werden. Wenn sich so viele Menschen wie nie zuvor Urlaub leisten konnten, die Kanaren jedoch einen Rückgang verzeichnen, liegt es ganz offensichtlich nicht an fehlendem Geld. Im Gegenteil ist es eine bewusste Entscheidung gegen die Kanarischen Inseln. Und die hat Gründe:
Deutsche Rente Grund für weniger Kanaren-Urlauber? Eher nein!
Im Vergleich zur Vorpandemiezeit sind die Preise für einen Kanaren-Urlaub zwischen 25 und 50 Prozent gestiegen. Früher lebten die Inseln von zweierlei: ganzjährig mildem Klima bei vergleichsweise kurzer Anreise und dem Preisvorteil gegenüber anderen Destinationen. Bleibt der Preisvorteil weg, nehmen mehr Menschen einen weiteren Flug in Kauf. Denn wenn es schon teuer wird, warum dann auf Inseln fliegen die zuletzt aus allen Nähten platzen und nicht direkt eine Fernreise unternehmen?
Ein Kommentar bei „El Dia“ kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland die Renten gekürzt und Menschen daher nicht mehr auf die Kanaren fliegen würden. Was stimmt: Viele Deutsche auf den Inseln sind – insbesondere im Winter – im Rentenalter. Was übersehen wird: Zum einen handelt es sich bei der Behauptung, die Renten würden aktiv gekürzt, nicht um einen bestätigten Fakt. Zum anderen wird mit einem Blick in die Zukunft versucht, die Rückgänge der jüngeren Vergangenheit zu erklären.
Dass die Preise deutlich gestiegen sind, wird hingegen nur an einer Stelle kurz erwähnt und bei der Aufarbeitung ansonsten übergangen. Sollte also künftig die konkrete Zahl deutscher Rentner auf den Inseln zurückgehen, dann nicht wegen sinkender Renten in der Heimat, sondern steigender Preise auf den Kanaren.
Weniger Kanaren-Urlauber müssen nichts schlechtes sein
Auch wenn die Schlagzeilen schnell Probleme suggerieren, müssen sinkende Urlauberzahlen nichts schlechtes sein. Seit Monaten wird über volle Straßen geächzt, über Staus berichtet und von Verdrängung der Einheimischen aus den Städten geschrieben. Viele dieser Punkte adressieren reale Probleme. Gehen die Urlauberzahlen nun zurück, erreichen sie vor allem aber zunächst einmal wieder einen vertretbaren Bereich.
Die Kanaren haben also kein Urlauber-Problem, sondern befinden sich auf dem Weg zum einstigen Normal. Wenn überhaupt. Denn aufs Jahr gerechnet sind die Zahlen kaum alarmierend, sondern homöopathisch ruckläufig.
Soll also unbedingt ein Problem aus der aktuellen Situation herausfiletiert werden, dann ist es nicht die deutsche Rente. Wenn überhaupt, ist es die Preisentwicklung. Und sollte diese die Inseln aus dem hochroten Bereich für Infrastruktur und Umwelt führen, ist sie doch eigentlich sogar ganz gesund, oder?
















In meinem Freundes- und Bekanntenkreis existieren verschiedene Ansichten, die auch den Rückgang der deutschen Touristen erklären könnten.
Da ist beispielsweise von ständigem Verkehrschaos die Rede, das vielen Urlaubern, die einen Mietwagen haben, die Freude am Urlaub verdirbt. Dann ist die Rede von immer schlechterer Qualität in Restaurants und eine weitere Meinung, die besonders aufhorchen lässt: ‘Man kann ja nirgendwo mehr hin auf Teneriffa, ständig wird mit Strafen gedroht’ – Original Aussage!
Das alles ist sicher viel zu kurzsichtig und undifferenziert, aber es gibt eine gewisse Stimmung wieder, die hier von etlichen Urlaubsrückkehrern vermittelt wird. Und eine Grundstimmung ist immer gefährlich, wenn man nicht entgegenwirkt.
Ich beispielsweise habe meine Schwierigkeiten mit den Wanderregelungen und der Handhabung der Tenerife ON App, obwohl ich seit 40 Jahren regelmäßig auf Teneriffa bin und glaube, mich gut auszukennen und mich für Vieles interessiere. Die App muss m.E. überarbeitet und auch in deutscher Sprache verständlich gestaltet werden. Viele im Freundes- und Bekanntenkreis haben von dieser App noch nie gehört. Und wenn sie hineinschauen, so sagen sie, fällt es ihnen schwer, anhand von Zahlen und Namen die Wege zu identifizieren.
Bei all diesen Diskussionen weise ich immer auf das Phänomen hin, dass man zur Zeit in kaum eine europäische Großstadt mit dem Auto fahren kann, ohne sich detailliert mit Ein- und Durchfahrtsregelungen auseinanderzusetzen. Und das ist teilweise richtig kompliziert!
Aber das ist nun mal der Preis für den Massentourismus. Und wer es sich erlauben kann, geht ihm aus dem Weg. Und ich bin fest überzeugt, dass genau das Teneriffa passieren wird. Wenn man weiterhin Billigflieger mit Billigtouristen, die sich mit All-inclusive am Pool in der Sonne braten lassen und sich abends Billigbier hineinschütten, hofiert, wird Teneriffa einen hohen Preis zahlen.
Vor einigen Tagen fragte mich meine Frau: ‘Sei mal ehrlich, wenn das Haus und Deine Verwandten nicht auf Teneriffa wären, würden wir dann noch hierher kommen’? Für mich das letzte Zeichen, dass sich auf Teneriffa etwas Grundsätzliches verändert hat, denn diese Frage hatte sich uns all die Jahre nie gestellt. Und jetzt? Ich konnte sie nicht eindeutig beantworten!