Vor Anker, aber nicht am Kai: Die „MV Hondius“ soll nicht an Teneriffas Küste festmachen, sondern vor der Insel liegen bleiben. An dieser Festlegung hängt einer der heikelsten Gesundheitseinsätze, den die Kanarischen Inseln seit Jahren stemmen müssen. Die Behörden wollen verhindern, dass die Bevölkerung in direkten Kontakt mit den möglicherweise vom Hantavirus infizierten Passagieren kommt. Zugleich wächst, und das längst über Spaniens Grenzen hinaus, die Sorge vor den wirtschaftlichen und psychologischen Folgen des Falls.
Den Stein ins Rollen brachte der Hantavirus-Ausbruch an Bord des Polarkreuzfahrtschiffs, das aus Kap Verde kommt und Reisende aus 23 Nationen an Bord hat. Zentralregierung und Regionalregierung der Kanaren berieten sich und kamen zu dem Schluss, dass das Schiff keinen Hafen anlaufen darf. Die Reisenden sollen stattdessen per Boot oder Spezialschiff an Land kommen und von dort sofort zu bereitstehenden Flugzeugen gebracht werden.
Gegen ein Anlegen hatte sich die Regierung der Kanaren schon zuvor gestellt, die reine Ankerlösung dagegen hielt sie für deutlich sicherer. Möglichst wenig Raum für Infektionswege und ein möglichst kurzer Aufenthalt des Schiffes vor den Inseln, so lautet das Ziel. Trotzdem nimmt die Unruhe vor Ort spürbar zu:
Kanaren fürchten wegen Hantavirus-Dampfer um ihren Ruf
Bei der Evakuierung gelten strenge Sicherheitsregeln. Sonderflüge aus den Vereinigten Staaten, aus Großbritannien und aus Spanien stehen den Behörden zufolge bereit, weitere Länder erwägen ähnliche Schritte. Im Gespräch ist außerdem, abgeschirmte Transportfahrzeuge einzusetzen, damit sich die Passagiere ohne jeden Kontakt zur Außenwelt zwischen Schiff, Flughafen und Flugzeugen bewegen können.
Den Zustand sämtlicher Menschen an Bord behalten die Gesundheitsbehörden im Blick. Zuletzt hieß es, dass seit dem 28. April keine neuen Symptome mehr gemeldet worden seien.
„Freiwillige Quarantäne ist keine Option“
Auch wenn die Bilder von Menschen in Schutzanzügen alarmieren, warnen Fachleute davor, die Situation mit der Corona-Pandemie gleichzusetzen. Der Epidemiologe Amós García hebt hervor, dass das Hantavirus nur äußerst selten von Mensch zu Mensch springe und in aller Regel sehr engen körperlichen Kontakt voraussetze.
Seit Jahrzehnten kenne die Wissenschaft das Virus, und seine Übertragungswege seien gut untersucht. Eben deshalb dringt García zugleich auf ein konsequentes Vorgehen. Von freiwilligen Quarantänen hält er nichts; sie seien aus seiner Sicht keine Option. Wer womöglich mit Infizierten in Berührung gekommen sei, der müsse bis zum Ende der Inkubationszeit überwacht werden, sagte García Atlántico Hoy. Besonders harsch kritisierte der Epidemiologe, dass einzelne Passagiere zuvor in Südafrika von Bord gehen und reguläre Linienflüge nehmen konnten.
Kanaren fürchten wegen Hantavirus um ihr Image
Neben der medizinischen Auseinandersetzung schiebt sich eine zweite Befürchtung in den Vordergrund: der mögliche Imageschaden für die Kanarischen Inseln. Vor erheblichen wirtschaftlichen und reputationsbezogenen Folgen warnt ein Bericht des spanischen Coordenadas Institute for Governance and Applied Economics.
Schon die Verkettung der Begriffe „Kanarische Inseln“, „Virus“ und „Kreuzfahrtschiff“ in internationalen Schlagzeilen und sozialen Netzwerken könne langfristig nachwirken, so die Argumentation der Denkfabrik. Heikel sei dabei vor allem die Dynamik digitaler Plattformen und künstlicher Intelligenz, die bestimmte Narrative über Wochen hinweg verstärken könnten.
Im Zentrum der Kritik steht dabei nicht so sehr das tatsächliche Gesundheitsrisiko, sondern die weltweite Wahrnehmung. International stehen die Kanaren als Symbol für Sicherheit, Urlaub und Stabilität. Genau aus diesem Grund könnten Bilder von Evakuierungen, Isolationen und medizinischen Sicherheitsmaßnahmen das Vertrauen von Touristen empfindlich treffen.
Der Bericht verlangt deshalb eine deutlich breitere Abstimmung zwischen Gesundheitsministerium, Außenpolitik, Tourismusbehörden und europäischen Institutionen. Moderne Gesundheitskrisen seien eben längst nicht mehr nur medizinische Ereignisse, sondern zugleich wirtschaftliche, politische und kommunikative Belastungsproben.
Genau dieses Szenario wollen die Behörden auf Teneriffa nun verhindern. Möglichst geräuschlos, kontrolliert und abgeschottet soll die Evakuierung über die Bühne gehen. Immer wieder betont die offizielle Seite, dass für die Bevölkerung keine Gefahr bestehe.
















Die Argumentation ist natürlich: „Wo soll das Schiff mit den armen Menschen denn bleiben, wenn es niemand vor der Küste haben will?“ Aber dazu gibt es zwei Aspekte: Madrid, fernab von dieser Problematik, lässt das Schiff vor Teneriffa ankern. Hätte Madrid genauso entschieden, wenn das Schiff Cádiz oder Malaga hätte anlaufen wollen?
Und der zweite Aspekt: Das Schiff fährt unter niederländischer Flagge. Wieso hat man es nicht vor Ort festgehalten und es Richtung Kanaren geschickt? Und wieso schickt man es nicht sofort weiter Richtung Niederlande? Wieso hat sich NL nicht in Form einer Luftbrücke sofort um alle an Bord befindlichen Personen gekümmert? Ich verstehe die kanarische Bevölkerung und ihre Ängste!