An gleich mehreren Flughäfen der Kanarischen Inseln geraten die Fluglotsen zunehmend unter Druck. Vor allem trifft es die Standorte Lanzarote, Fuerteventura, La Palma und El Hierro. Dort arbeiten die Beschäftigten laut ihrer Gewerkschaft seit geraumer Zeit an der Belastungsgrenze. Wie weit das gehen kann, zeigte sich Ende 2025 auf El Hierro: Weil im Kontrollturm schlicht zu wenige Leute zur Verfügung standen, musste der Flughafen seine Betriebszeiten zeitweise zusammenstreichen.
Dass es auch an den drei anderen Flughäfen so kommen könnte, schließt niemand aus. Betrieben werden alle vier Tower vom privaten Anbieter Saerco. Die spanische Fluglotsengewerkschaft USCA rechnet mit ähnlichen Einschränkungen, sollte sich an der Personallage nichts bewegen.
Zur gleichen Zeit will der staatliche Flughafenbetreiber Aena die Flughafengebühren nach und nach anheben. Vorgesehen ist, dass die Entgelte zwischen 2027 und 2031 jährlich um 3,8 Prozent klettern. Auf jeden Passagier und jeden Flug kommt damit nach den aktuellen Berechnungen ein Aufschlag von 0,43 Euro zu. Die Gewerkschaft verlangt, einen Teil dieser zusätzlichen Einnahmen gezielt für mehr Fluglotsen auf den Inseln zu verwenden.
Kanaren-Aitports: Höhere Kosten, weniger Personal
Der Ursprung des Konflikts liegt darin, wie die Flugsicherung organisiert ist. Nahezu alle Tower auf den Kanaren sind inzwischen privatisiert. Öffentlich betrieben werden nur noch die beiden Flughäfen auf Teneriffa und der Flughafen von Gran Canaria. Für Kritiker steckt darin ein strukturelles Problem, denn bei der Vergabe der Dienstleistungen sei aus ihrer Sicht zu sehr auf den Preis geschielt worden.
Von einem riskanten Geschäftsmodell spricht Susana Romero, die für die Kommunikation der Gewerkschaft verantwortlich ist. Um den Zuschlag zu bekommen, habe Saerco damals ein außergewöhnlich niedriges Angebot vorgelegt. Genau das räche sich jetzt, weil dem Unternehmen die finanziellen Spielräume fehlten, um höhere Gehälter zu zahlen und genug Personal an Bord zu holen. Vertreter der Gewerkschaft warnen deshalb, wie Atlántico Hoy berichtet, vor einer Entwicklung, in der am Ende die Sicherheit unter dem wirtschaftlichen Druck leidet.
Im Alltag schlägt sich das längst nieder. Auf El Hierro konnte der Flughafen mehrfach nicht zur vorgesehenen Zeit öffnen, schlicht weil zu wenige Lotsen Dienst hatten. Damit der Betrieb überhaupt weiterläuft, springen die Beschäftigten oft freiwillig ein, verzichten auf Urlaubstage oder schieben freie Tage nach hinten. Bemerkenswert findet die Gewerkschaft diesen Einsatz durchaus, auf Dauer aber sei das keine tragfähige Lösung.
Aena wiederum kündigte umfangreiche Investitionen in das gesamte Flughafennetz an. Allein für die Kanarischen Inseln sind rund 1,8 Milliarden Euro eingeplant, mit denen offiziell Infrastruktur und Kapazitäten modernisiert werden sollen. Die Gewerkschafter halten dagegen, dass Sicherheit und Personal genauso ins Gewicht fallen wie neue Gebäude oder neue Technik. Wie die Wirtschaftszeitung Expansión berichtete, dient das Investitionsprogramm zugleich als Argument, um die geplante Gebührensteigerung zu rechtfertigen.
Kanaren-Fluglotsen und die Sicherheit
Für die Beschäftigten ist die nächste Ausschreibung für die Towerdienste der entscheidende Punkt. Dort werde sich zeigen, ob künftig wieder stärker auf stabile Personalstrukturen Wert gelegt wird. Manche Vertreter der Fluglotsen gehen noch einen Schritt weiter und halten es für sinnvoll, die privatisierten Tower – und das nicht nur auf den Kanarischen Inseln – wieder in öffentliche Hand zu nehmen.
Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Luftverkehr auf den Kanaren weiter zulegen dürfte. Jahr für Jahr kommen Millionen Urlauber auf die Inseln, und mit ihnen wächst die Verantwortung für einen sicheren und verlässlichen Flugbetrieb.
















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