Der Reiseboom verändert nicht nur Städte und Landschaften, sondern auch den Umgang mit einer der wichtigsten Ressourcen überhaupt: Wasser. Besonders stark zeigt sich dieser Effekt auf den Kanaren. Dort wächst der Bedarf an Wasser deutlich schneller als ursprünglich erwartet. Gleichzeitig deuten Klimamodelle darauf hin, dass die natürlichen Wasserreserven vieler typischer Reiseziele in Zukunft weiter unter Druck geraten könnten.
Spanien gilt als eines der Länder, in denen sich diese Entwicklung besonders deutlich abzeichnet. Beliebte Urlaubsregionen wie die Kanarischen Inseln, aber auch die Balearen, verzeichnen seit Jahren steigende Besucherzahlen.
Mit jedem zusätzlichen Gast wächst auch der Bedarf an Wasser für Hotels, Restaurants und Freizeitangebote. Pools, Wellnessanlagen, Wasserparks oder Golfplätze gehören vielerorts zum touristischen Standard und benötigen große Mengen Wasser für ihren Betrieb und ihre Pflege. Denn so viel Wasser verbrauchen Urlauber inzwischen durchschnittlich pro Tag:
Touristen benötigen bis zu 800 Liter Wasser pro Tag
Der Effekt ist messbar. Während ein durchschnittlicher Einwohner weltweit rund 127 Liter Wasser pro Tag verbraucht, liegt der tägliche Bedarf eines Touristen deutlich höher. Je nach Region und Saison schwankt er zwischen etwa 450 und 800 Litern. In diesen Zahlen sind nicht nur der direkte Verbrauch im Hotelzimmer enthalten, sondern auch der Wasserbedarf für Gastronomie, kommunale Dienstleistungen sowie Freizeitangebote.
Der steigende Verbrauch trifft vor allem Regionen, in denen die natürliche Wasserversorgung ohnehin begrenzt ist. Inseln wie die Kanaren sind dafür ein besonders anschauliches Beispiel. Viele von ihnen verfügen über begrenzte natürliche Süßwasserquellen und müssen daher alternative Lösungen einsetzen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Entsalzung von Meerwasser. Auf den Kanaren wie den Balearen decken Entsalzungsanlagen inzwischen einen beachtlichen Teil der verfügbaren Wasserressourcen ab. Diese Technik wurde dort bereits vor Jahrzehnten etabliert und gehört heute zur grundlegenden Infrastruktur der Versorgung.
Tourismus regional für Wasser-Engpässe verantwortlich
Die Entwicklung des Tourismus verstärkt diese Herausforderung zusätzlich. Der internationale Reiseverkehr wächst kontinuierlich und immer mehr Regionen entwickeln sich zu beliebten Zielen für Kultur, Freizeit und Unterhaltung. Mit der Expansion der lokalen Wirtschaft und der zunehmenden Mobilität der Menschen steigen auch die Anforderungen an die Versorgungssysteme. Besonders in Hochsaisons kann der Wasserbedarf kurzfristig stark ansteigen.
Nach Angaben der spanischen Bau- und Infrastrukturvereinigung Seopan zeigt sich dieses Muster in vielen touristischen Zentren des Landes. Dort entstehen saisonale Verbrauchsspitzen, die zwar im Jahresdurchschnitt nicht den größten Anteil am gesamten Wasserverbrauch ausmachen, jedoch zeitweise kritische Belastungen für die Versorgung verursachen können. Landwirtschaft bleibt zwar der größte Wasserverbraucher, doch der Tourismus kann in bestimmten Monaten zusätzliche Engpässe auslösen.
Die saisonalen Unterschiede sind dabei deutlich: Auf den Balearen erreicht die Nachfrage im Sommer ihren Höhepunkt, wenn die Hauptreisezeit beginnt und Millionen Urlauber auf die Inseln strömen. In anderen Regionen fällt der Druck im Winter deutlich geringer aus. Die Kanarischen Inseln bilden jedoch eine Besonderheit, da sie dank ihres milden Klimas insbesondere in den Wintermonaten ein stark frequentiertes Reiseziel sind. Galt der Sommer früher als Nebensaison, gibt es auf den Kanaren inzwischen ganzjährig eine hohe Nachfrage und entsprechenden Ressourcenverbrauch.
Parallel zu dieser Entwicklung verändert sich das Klima. Klimamodelle gehen davon aus, dass sich Niederschlagsmuster langfristig verschieben. Prognosen zeigen eine insgesamt abnehmende Regenmenge in vielen Teilen Spaniens. Besonders deutlich könnte dieser Trend in den kommenden Jahrzehnten werden. Laut Analysen des spanischen Zentrums für Studien und Experimente im Bereich öffentlicher Bauwerke wird für mehrere Einzugsgebiete ein Rückgang der Niederschläge um etwa zwei Prozent erwartet.
Weniger Regen und mehr Wasserverbrauch auf den Kanaren
Die Kanaren könnten stärker betroffen sein. Dort rechnen Wissenschaftler mit einem Rückgang der Niederschläge um etwa vier Prozent. Gleichzeitig prognostizieren die Modelle, dass die verfügbaren Wasserzuflüsse bis zum Jahr 2039 um sieben bis elf Prozent sinken könnten.
Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander, die sich gegenseitig verstärken: eine steigende Nachfrage durch wachsenden Tourismus und eine mögliche Abnahme natürlicher Wasserressourcen. Für viele Regionen bedeutet dies, dass langfristige Strategien für ein nachhaltiges Wassermanagement immer wichtiger werden. Technologien wie Meerwasserentsalzung, effizientere Infrastruktur und ein bewussterer Umgang mit Wasser könnten dabei eine entscheidende Rolle spielen.
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Tourismus-Boom: So viel Wasser verbraucht ein Kanaren-Urlauber pro Tag
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