Sturm, Starkregen, Unwetter: Der sich allmählich dem Ende neigende Winter hat den Kanaren immerhin volle Wasserspeicher beschert. Von durchwachsenem Wetter zu sprechen, wäre hingegen ein Euphemismus. Doch das gilt nur regional.
„Ich habe selten so wenig Sonne gesehen wie in diesem Jahr. Und wir kommen schon seit 26 Jahren her“, berichtet Petra Schneider unserer Redaktion. Für sie sei das ein Beweis für den Klimawandel.
Anwohner im Norden Teneriffas dürften als erste Reaktion darauf nicken. Doch die Wahrheit ist eine andere. Denn während es in der besonders grünen Region der größten Kanaren-Insel tatsächlich viele Wolken und mehr Niederschlag gab als sonst, ist das Wetter auf den Kanaren allgemein ganz anders ausgefallen als es ins kollektive Gedächtnis eingebrannt wurde:
Zwölftschlechtester Kanaren-Winter seit 42 Jahren
Das MBG forscht seit 1921. Die Gebiete erweiterten sich mit der Zeit und dem technologischen Fortschritt. Auch wenn Meteorologie nicht zu den Kernkompetenzen des Instituts in Pontevedra gehört, werden auch in diesem Bereich inzwischen regelmäßig Auswertungen vorgenommen.
Das Institut hat jüngst eine Infografik veröffentlicht, die sich mit dem Winterwetter auf den Kanaren befasst. Dabei wurde der Zeitraum der vergangenen 42 Jahre bewertet. Und demnach bringt es der aktuelle Winter nicht einmal in die Top-10 der wolken- und regenreichsten der vergangenen Jahrzehnte.
Der Forscher Dominic Royé fragt bei Veröffentlichung des Beitrags: „Hast du auch auf den Kanarischen Inseln bemerkt, dass es im Januar weniger Sonnenstunden gibt?“ Dann wertet er aus.
Die Erkenntnis: „Bei der Version für die Kanarischen Inseln habe ich etwas länger gebraucht.“ Das liege daran, dass „die Auflösung von 5 Kilometern auf einen Kilometer erhöht werden“ musste. Ist das getan, steht zu den Sonnenstunden über den Kanaren zu Buche: „3,2 Prozent weniger als üblich auf allen Inseln.“
Damit ist der aktuelle Winter im oberen Mittelfeld anzusiedeln. Der Januar galt darin als schlechtester Monat. Und dazu resümiert Royé: „Der schlechteste Januar war 2006“, damals mit etwa einem Viertel weniger Sonnenstunden. Laut Spaniens Wetteramt Aemet war das auch einer der kältesten Winter seit Beginn der strukturierten Aufzeichnung.
Kanaren-Inseln blicken unterschiedlich auf den Winter zurück
Besonders bemerkenswert sind die Unterschiede nach Inseln. Denn La Palma und El Hierro brachten es gerade mal auf 186 Sonnenstunden. Unterdessen liegt Fuerteventura nicht nur geografisch auf der gegenüberliegenden Seite. Auch in Sachen Sonne befindet sich die östliche Kanaren-Insel mit 219 Stunden genau vis-a-vis.
Und auch dabei ist noch ein genauerer Blick wichtig. Denn für La Palma bedeutete das einen Durchschnittswert. El Hierro hingegen blieb mit 30 Stunden gut anderthalb Tage unter seinem eigentlichen Januar-Mittelwert.
Obwohl insbesondere im Norden Teneriffas viel über schlechtes Wetter debattiert wurde, liegt die Insel insgesamt sogar vor Gran Canaria: Lanzarote und Teneriffa melden 208 Sonnenstunden, Gran Canaria folgt mit 199. Auf La Gomera schien noch einmal zehn Stunden weniger die Sonne.
In der historischen Referenz liegt Lanzarote bei 215 Stunden vor Gran Canaria mit 212. Es folgen Teneriffa mit 207 Sonnenstunden vor La Gomera mit 208.
Und trotzdem behält Petra Schneider Recht. Denn im Norden Teneriffas gab es lediglich 158 Sonnenstunden. Normal gewesen wären 193. Dass Teneriffa im Kanaren-Vergleich dennoch weit vorn liegt, ist auf den Süden und den Teide zurückzuführen. Auf dem „Dach“ Teneriffas wurden 299 Sonnenstunden gemessen. Der Mittelwert liegt dort bei 265.















Leserkommentare zu:
Von wegen Regen: So viel Sonne gab’s diesen Winter auf den Kanaren
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