Ein gigantisches Modernisierungsprogramm stellt Spaniens Flughäfen vor einen tiefgreifenden Wandel. Der Aufsichtsrat des Flughafenbetreibers Aena hat das sogenannte „DORA III“ für die Jahre 2027 bis 2031 verabschiedet. Das Programm sieht Investitionen in Höhe von fast 13 Milliarden Euro vor. Diese sollen durch Preiserhöhungen wieder eingenommen werden.
Mit einem einhergehenden Fünfjahresprogramm will Aena gewährleisten, dass die landesweiten Flughäfen eine prognostizierte Passagierzahl von 1,69 Milliarden Reisenden bewältigen können. Zugleich sollen Sicherheitsstandards, Abfertigungsprozesse, Intermodalität und Ziele der Nachhaltig verbessert werden.
Ein zentraler Aspekt des Pakets ist jedoch umstritten: Aena rechnet mit einer jährlichen Anhebung der Flughafengebühren um durchschnittlich 3,8 Prozent. Umgerechnet bedeutet das Mehrkosten von 43 Cent pro Passagier und Flug. Aufgrund dieser Erhöhung hat sich Ryanair bereits von vielen spanischen Flughäfen zurückgezogen.
Streit um neue Flughafengebühren auch auf den Kanaren
Die Anpassung variiert je nach Flughafen und fällt an kleineren Standorten geringer aus. Besonders für die Kanaren sieht Aena zwar weiterhin Prämien und Rabatte vor, etwa für nationale und interinsulare Flüge, doch konkrete Werte stehen noch aus.
Für die Kanarischen Inseln sind im Gegenzug Investitionen von mehr als 800 Millionen Euro vorgesehen, unter anderem für die Modernisierung des Flughafens Teneriffa-Süd. Auf den großen der beiden Flughäfen sollen 550 Millionen Euro entfallen. Geplant ist zudem der Ausbau des Terminals am Nord-Flughafen in La Laguna mit weiteren 250 Millionen Euro. Auch der Flughafen César Manrique auf Lanzarote soll umfassend erweitert und architektonisch neugestaltet werden.
Kanaren-Tourismus fürchtet neue Flughafen-Gebühren
Während Aena die Erhöhung als moderat einstuft und betont, sie ermögliche wettbewerbsfähige Gebühren trotz gewaltiger Investitionen, sieht die Tourismusbranche der Kanaren die Lage völlig anders: Die regionalen Verbände FEHT und Ashotel argumentieren, dass jede Kostensteigerung unmittelbar auf den Flugpreis durchschlage und damit direkt den Tourismus-Markt der Kanaren gefährde.
Da Urlauber die Kanaren ausschließlich per Flugzeug erreichen, sei die Sensibilität deutlich höher als auf dem Festland. FEHT-Präsident José María Mañaricua weist darauf hin, dass Aena im vergangenen Jahr Rekordgewinne erzielt und ein Großteil davon auf den Kanarischen Inseln erwirtschaftet habe. Für ihn ist es unverständlich, warum die Inseln nicht vollständig von der Erhöhung ausgenommen werden, zumal das Regionale Wirtschafts- und Steuersystem diese Möglichkeit vorsieht.
Deutliche Kritik kommt auch von internationalen Fluggesellschaften. Sie bemängeln, Aena unterschätze seit Jahren systematisch die tatsächliche Verkehrsentwicklung, wodurch die Gebühren höher ausfielen als nötig. Besonders scharf äußerte sich der Vorstandsvorsitzende von Ryanair, Eddie Wilson, der von einer Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit des gesamten spanischen Tourismussektors sprach.
Aenas Präsident Maurici Lucena wiederum wies die Kritik an seinem Unternehmen zurück und betonte, der Aufpreis von 43 Cent sei im Verhältnis zu den geplanten Verbesserungen minimal.
Der Plan steht nun zur Prüfung bei der Dirección General de Aviación Civil und der Comisión Nacional de los Mercados y la Competencia. Spätestens im September muss der Ministerrat entscheiden, ob DORA III endgültig in Kraft tritt.
Die umfassenden Maßnahmen, die sich von Terminal-Erweiterungen über modernisierte Sicherheitskontrollen bis hin zu nachhaltigen Energieprojekten wie neuen Photovoltaikanlagen erstrecken, sollen sicherstellen, dass die Flughäfen ihre Funktion als Knotenpunkte für Mobilität und wirtschaftliche Entwicklung auch langfristig erfüllen.
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