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Die Kanaren brauchen dringend Migration – das sind die Gründe

Die Kanarischen Inseln stehen vor einem tiefgreifenden Wandel. Migration erweist sich nicht als Belastung, sondern als tragende Säule für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und soziale Stabilität in einer alternden Gesellschaft.

Von Johannes Bornewasser – letzte Änderung: – Lesedauer: 3 Minuten – 0 Leserkommentare bei Teneriffa News

Die Zukunft der Kanarischen Inseln entscheidet sich nicht an ihren Stränden, sondern auf ihrem Arbeitsmarkt. Eine aktuelle Analyse macht deutlich: Zuwanderung ist eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

In einer Region, die rapide altert, wächst die Bedeutung derjenigen, die von außen kommen und das System mittragen. Die Zahlen sind eindeutig. Im Jahr 2025 kamen auf 100 Menschen unter 16 Jahren nahezu 150 Über-64-Jährige. Diese Entwicklung verschiebt die Balance im Arbeitsmarkt und erhöht den Druck auf die öffentlichen Haushalte. Ohne zusätzliche Erwerbstätige drohen Finanzierungslücken und ein spürbarer Mangel an Arbeitskräften.

Wie die Studie der Cátedra Juan Miguel Sanjuán hervorhebt, sind internationale Wanderungsbewegungen keine vorübergehende Erscheinung, sondern eine „strukturelle Variable“ der Bevölkerungsentwicklung. Migration ist damit kein Ausnahmezustand, sondern ein fester Bestandteil der Realität auf den Inseln.

Kanaren-Migration als Retter der Wirtschaft?

Zuwanderung wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Stabilisator. Menschen im erwerbsfähigen Alter übernehmen Aufgaben, für die es vor Ort zunehmend an Personal fehlt. Sie sorgen dafür, dass zentrale Branchen laufen, vom Tourismus über das Baugewerbe bis zur Landwirtschaft, und leisten gleichzeitig einen Beitrag zu Steuern und Sozialabgaben.

Ein Blick in die Praxis zeigt, wie stark diese Abhängigkeit bereits ist. In der Gastronomie arbeiten mehr als 53.000 Menschen aus dem Ausland. Auch im Bauwesen bleibt die Nachfrage hoch, während qualifizierte lokale Arbeitskräfte fehlen. In der Landwirtschaft wiederum bleiben viele Stellen unbesetzt, da die Arbeit als körperlich belastend und saisonal gilt. Hier entsteht ein Vakuum, das ohne Migration kaum zu füllen ist.

Gleichzeitig widerlegen die Daten ein weit verbreitetes Vorurteil: Zuwanderung verdrängt keine einheimischen Beschäftigten. Vielmehr entstehen parallele Rollen im Arbeitsmarkt. Zugewanderte übernehmen häufig Tätigkeiten, die andere nicht mehr ausüben wollen, und ergänzen so bestehende Strukturen.

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Ohne Migration klaffen Lücken in der Versorgung

Auch langfristig zeigt sich die Tragweite dieser Entwicklung. Innerhalb eines Jahrzehnts ist die Zahl ausländischer Beschäftigter um mehr als 70 Prozent gestiegen. Besonders deutlich wächst der Anteil von Menschen aus Nicht-EU-Staaten, die heute den Kern vieler arbeitsintensiver Branchen bilden. Gleichzeitig sind EU-Bürger häufiger in qualifizierten Berufen tätig oder kommen aus Gründen der Lebensqualität auf die Inseln.

Politische Maßnahmen könnten diesen Trend weiter verstärken. Eine Regularisierung würde vielen Menschen den Zugang zum formellen Arbeitsmarkt eröffnen. Kurzfristig könnten statistische Effekte entstehen, langfristig jedoch würde ein größerer Teil der Wirtschaft sichtbar, steuerpflichtig und sozial abgesichert.

Besonders deutlich wird die Bedeutung von Migration im Bereich der Pflege. Mit der alternden Bevölkerung steigt der Bedarf an Betreuung stetig. Viele dieser Aufgaben werden bereits heute von migrantischen Arbeitskräften übernommen. Ohne sie würde sich die Versorgungslücke weiter verschärfen.

Migration und die Grenzen der Bürokratie

Trotz dieser zentralen Rolle bleibt das Potenzial oft ungenutzt. Komplexe Verfahren, lange Wartezeiten und Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Abschlüssen verhindern, dass viele ihre Qualifikationen einbringen können. Das führt dazu, dass gut ausgebildete Menschen unterhalb ihres Niveaus arbeiten und wirtschaftliche Chancen verloren gehen.

Auch strukturelle Fragen verschärfen die Situation. Der Bevölkerungszuwachs erhöht den Druck auf Wohnraum und öffentliche Dienstleistungen. Doch viele dieser Engpässe sind weniger eine direkte Folge der Migration als vielmehr das Ergebnis unzureichender Planung in einem wachsenden System.

Am Ende ergibt sich ein klares Bild: Die Entwicklung der Kanarischen Inseln ist ohne Migration kaum denkbar. Wie die Studie festhält, fungiert sie als „zentraler Motor des demografischen Wachstums“. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob Zuwanderung notwendig ist, sondern wie sie gestaltet wird. Denn die eigentliche Herausforderung liegt nicht im Zuzug selbst, sondern im Umgang damit.


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Über den Autor

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Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Gründer und Herausgeber der Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zum Autorenprofil von .

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