Dunkle Schaufenster, und an etlichen Türen kleben Zettel mit dem spanischen Wort für „zu vermieten“. Wo früher reges Treiben herrschte, ist es an manchen Ecken inzwischen erstaunlich ruhig geworden.
In gleich mehreren Städten der Kanarischen Inseln stehen immer mehr Ladenlokale leer. Vor allem in den zentralen Einkaufszonen sticht das ins Auge. Die Unternehmerverbände sehen darin keine vorübergehende Erscheinung, sondern eine Entwicklung, die sich schon seit Jahren ankündigt.
Reihenweise machen alteingesessene Geschäfte dicht. Mal fehlt der Nachwuchs in der Familie, mal trägt das Geschäftsmodell in einer veränderten Konsumwelt schlicht nicht mehr. Die Pandemie hat diesen Prozess noch zusätzlich angeschoben und schon bestehende Schwierigkeiten verschärft. Und jetzt gesellt sich ein neues Phänomen dazu:
Steigende Kosten setzen Wirtschaft der Kanaren unter Druck
Ein wichtiger Punkt sind die wachsenden Kosten. Vor allem die Mieten für Gewerbeflächen sind nach der Pandemie kräftig gestiegen, und damit kommt für viele Geschäfte das wirtschaftliche Fundament ins Wanken. Klassischerweise rechnet ein Einzelhandelsbetrieb so, dass etwa ein Drittel der Einnahmen auf Fixkosten wie Miete, Energie und sonstige laufende Ausgaben entfällt. Ein zweites Drittel geht in Marketing und Betrieb, der Rest soll als Gewinn übrigbleiben. Doch genau diese Balance gerät immer stärker aus dem Lot.
Mittlerweile fressen vielerorts schon die Mietkosten allein mehr als 30 Prozent der gesamten Ausgaben auf. Branchenvertreter nennen rund 32,5 Prozent, und damit liegt der Anteil klar über dem alten Richtwert. Kommen dann noch höhere Energiekosten, steigende Abgaben und weitere Fixkosten obendrauf, bleibt vielen Betrieben kaum noch Luft. Manches Geschäftsmodell stößt so an die Grenze der Wirtschaftlichkeit.
Gleichzeitig wandelt sich das Verhalten der Kundinnen und Kunden deutlich. Was früher als nettes Extra galt, setzen Verbraucher heute immer öfter voraus. In den Restaurants sind das etwa Lieferdienste, die früher eher die Ausnahme waren.
China-Ware kommt inzwischen täglich auf den Kanaren an
Solche Veränderungen zwingen die Unternehmen dazu, ihr Geschäftsmodell umzubauen. Viele Händler probieren mittlerweile, ihren Laden vor Ort mit digitalen Angeboten zu verzahnen. Beim sogenannten Omnichannel-Ansatz greifen klassische Verkaufsfläche, Onlinegeschäft und andere Vertriebswege ineinander. Allerdings braucht dieser Wandel Geld, technisches Wissen und Zeit. Nicht jeder Betrieb stemmt diesen Schritt ohne Weiteres.
Dazu kommt der wachsende Druck aus dem internationalen Onlinehandel. Gerade kleine Sendungen aus dem Ausland landen oft direkt aus asiatischen Produktionsländern auf den Inseln. Häufig kommen diese Waren zu Niedrigpreisen auf den Markt, was den heimischen Händlern zusätzlich zu schaffen macht. Wie Atlántico Hoy berichtet, verweisen Branchenvertreter darauf, dass sich Sendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro vielfach abgabenfrei einführen lassen.
Tägliche Fracht aus China landet auf den Kanaren
Für den stationären Handel ist das ein spürbarer Nachteil im Wettbewerb. Die örtlichen Händler zahlen Steuern, schultern Lagerkosten und tragen das Risiko für ihren Warenbestand, während Onlineplattformen die Produkte oft direkt vom Hersteller zum Kunden schicken. Die Transportkosten stecken dabei häufig schon im Endpreis. Darin sehen die Geschäftsleute vor Ort einen strukturellen Unterschied, der den Wettbewerb erheblich verzerrt.
Nach Angaben des Unternehmerverbandes Fedeco landet zudem nahezu täglich mindestens ein Frachtflugzeug mit Waren aus asiatischen Ländern auf den Flughäfen von Gran Canaria und Teneriffa. Unter diesen Vorzeichen falle es den hiesigen Geschäften ausgesprochen schwer, bei den Preisen der internationalen Onlineanbieter überhaupt mitzuhalten.
Deshalb verlangen die Branchenvertreter, dass an den Rahmenbedingungen gedreht wird. Sie wünschen sich eine Angleichung der steuerlichen Regeln für Onlinebestellungen mit geringem Warenwert, Maßnahmen gegen die stark kletternden Gewerbemieten sowie Hilfe bei der digitalen Transformation kleiner und mittlerer Unternehmen.
Bleiben diese strukturellen Probleme ungelöst, dürfte sich das Gesicht vieler Innenstädte weiter wandeln. Immer mehr geschlossene Ladenlokale würden dann das Stadtbild der Gemeinden auf den Kanarischen Inseln prägen. Für viele Händler steht damit die Zukunft des stationären Handels der Kanaren auf dem Spiel.
















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