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Hier leiten die Kanaren ihr illegales Abwasser ins Meer

Gestank, braunes Wasser und regelmäßige Stand-Sperrungen gehören auf den Kanaren inzwischen zum Alltag. Wir zeigen, wo die Inseln ungeklärtes Abwasser ins Meer leiten.

Von Johannes Bornewasser – letzte Änderung: – Lesedauer: 3 Minuten – 0 Leserkommentare bei Teneriffa News

An 403 Punkten leiten die Kanarischen Inseln ihr Abwasser ins Meer. Davon ist mehr als jeder zweite illegal. Es handelt sich also um verbotene Abwasser-Entsorgung, weil die Wasserqualität direkt beeinträchtigt wird. Wir zeigen die genauen Orte auf den Kanaren.

Das wohl bekannteste Beispiel ist die Playa Jardín. Der Strand in Puerto de la Cruz auf Teneriffa war ein knappes Jahr lang gesperrt. Als beliebteste Playa einer ganzen Region sorgte das für einen messbaren Imageschaden. Das Thema Abwasser auf den Kanaren wurde plötzlich sicht- und sogar riechbar. Bis Juni 2025, als die Playa Jardín wieder eröffnet wurde.

Ein halbes Jahr nach der Wiedereröffnung droht die Abwasser-Thematik im kanarischen Alltag zu verschwinden. Teneriffa News blickt daher erneut auf den Fortschritt und die illegalen Einleitungspunkte. Die folgenden Zahlen samt genauer Karte zeigen das Ausmaß:

Hier pumpen die Kanaren ihr Abwasser illegal ins Meer

In den vergangenen fünf Jahren wurden 21 illegale Abwasser-Einleitungen in den Atlantik direkt vor den Kanaren zurückgebaut. Dennoch bleiben vor den Kanarischen Inseln 55 Prozent aller Abwasser-Einleitungspunkte illegal. Damit wird jeden Tag an 216 dieser großen Rohre Abwasser direkt ins Meer geleitet.

Die Abwasserkarte oben zeigt alle Einleitungspunkte. Nachfolgend sehen Sie den genauen Standort der 216 illegalen Punkte. Per Klick kann die Karte vergrößert werden:

Abwasser-Einleitungen Kanaren illegal

An diesen Orten leiten die Kanaren ungeklärtes Abwasser illegal ins Meer.

Lediglich 112 der 403 Abwasser-Einleitungspunkte der Kanarischen Inseln ins Meer sind damit vollständig genehmigt. 75 weitere befinden sich im Umbau oder einer Genehmigungsphase. Auch für diese Stellen gibt es aktuell also keine Lizenz:

Abwasser-Einleitungen Kanaren illegal in Bearbeitung

An diesen Abwasser-Einleitungspunkten der Kanaren werden derzeit Umbauten vorgenommen oder Genehmigungen geprüft.

Kanaren-Abwasser: Politik sieht „komplexes Umweltproblem“

Zuständig in der Regierung der Kanarischen Inseln ist Mariano Hernández Zapata. Der Politiker sprach im Sommer von einem „Fortschritt“ in einem der „komplexesten Umweltprobleme des Archipels“. Denn die Leitungen führen Abwasser aus der Umwelt, wie sie bei Regenfällen entstehen, der Industrie und aus Privathaushalten.

Auf den Kanaren fehlen teilweise nötige Kläranlagen. An anderen Stellen sind sie zwar vorhanden, jedoch unterdimensioniert. Oder es gibt gar keine Kanalisation, die Abwasser sammeln und zu den Anlagen führen kann. Und so fehlen praktikable Wege, um die Abwasserproblematik der Kanarischen Inseln kurzfristig in den Griff zu bekommen.

Die Europäische Union sieht Kläranlagen, Kanalisationen und Sammelkanäle vor. Es bestehen Standards, ab wann Abwasser als geklärt gilt und ins Meer geleitet werden darf. So lange dies nicht geschieht, werden jedes Jahr hohe Strafen verhängt. Allein für die Kanarischen Inseln musste Spanien in den vergangenen Jahren hohe Millionenbeträge an die EU in Brüssel überweisen.

270-Millionen-Euro-Umbau für Abwasser allein auf Teneriffa

Die größte Insel Teneriffa hat sich nach dem Zwischenfall an der Playa Jardín selbst auferlegt, bis 2027 kein ungeklärtes Abwasser mehr in den Atlantik leiten zu wollen. Insel-Präsidentin Rosa Dávila kündigte an, binnen 18 Monaten „außergewöhnliche Fortschritte“ zu machen. Gemeinsam mit der Kanaren-Regierung sollen 270 Millionen Euro investiert werden, davon 17 Millionen Euro in kommunale Abwassernetze, aus denen jeden Tag viele Liter Abwasser versickern.

Der Plan gilt mindestens als ambitioniert. Allein die Genehmigung bereits fertig umgebauter Einleitungspunkte dauert bis zu acht Monate. Ein Jahr vor der selbstgesetzten Frist ist Teneriffa noch weit von diesem Ziel entfernt:


Quellen:
  • Grafcan: Datenzentrale der Kanarischen Inseln
  • Consejo Insular: Wasserrat von Teneriffa
  • Kanaren-Regierung: Pressekonferenzen und -mitteilungen
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Über den Autor

Hier leiten die Kanaren ihr illegales Abwasser ins Meer

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Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Gründer und Herausgeber der Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zum Autorenprofil von .

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