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Teneriffa: Bei Regen fließt Abwasser mit Toilettenpapier durch die Straßen

Kaum eine Kanaren-Insel ist infrastrukturell so stark am Limit wie Teneriffa. Bei Regen fließt inzwischen Abwasser samt Toilettenpapier durch die Straßen. Ein Video zeigt die Infrastruktur am Limit.

Von Johannes Bornewasser – letzte Änderung: – Lesedauer: 3 Minuten – 0 Leserkommentare bei Teneriffa News

Das Abwasser-Problem auf Teneriffa wird derzeit in einem eigentlich beschaulichen Fischereidorf sichtbar. Die Bilder (Video unten) sprechen für sich. Und sie sind kein Einzelfall.

In Alcalá, dem kleinen Ort an der Westküste Teneriffas, drückt Abwasser aus einem Gully direkt auf die Straße. Graubraune Brühe, Toilettenpapier, beißender Geruch einer überlasteten Kanalisation. Thomas Cassier ist Anwohner. Er berichtet Teneriffa News: „Fäkalien und Gestank überall. Keiner findet eine kompetente Lösung.“

Die jüngsten Unwetter haben das schon lange bestehende Problem der überlasteten Kanalisation nur sichtbar gemacht. Starkregen und Sturm führten erneut dazu, dass die Entwässerung im Ortskern der Stadt in der Gemeinde Guía de Isora überlief. Die Reaktion der Stadt gleicht einer Kapitulation:

Kanalisation in Teneriffas Süden läuft wiederholt über

Abwasser Teneriffa Alcalá Kanal Calle Carero, Ecke Calle Barranquillo

In Alcalá läuft Abwasser samt Toilettenpapier aus einem Gully an der Calle Carero, Ecke Calle Barranquillo Foto: Thomas Cassier

Cassier berichtet, dass mehrere Saugwagen am nächsten Tag im Einsatz gewesen seien. Doch es blieb erneut bei kurzfristigem „Spülen und Saugen“. Das Grundproblem werde nicht angegangen: Abwasser- und Regenwasser fließen in denselben Leitungen, ein Strukturproblem, das insbesondere bei Starkregen viele Gemeinden auf den Kanaren vor Herausforderungen stellt.

Tatsächlich arbeitet das Cabildo auf Insel-Ebene an Verbesserungen. Wie aus aktuellen Haushaltsunterlagen hervorgeht, sollen 322.000 Euro in die Sanierung und Erneuerung von Sanitärnetzen mehrerer Gemeinden fließen. Darunter werden auch Maßnahmen in Guía de Isora, zu der Alcalá gehört, aufgeführt.

Ein separates, jüngst beschlossenes Budgetpaket sieht zudem 5,6 Millionen Euro vor, um Gemeinden beim Anschluss an moderne Klär- und Reinigungssysteme zu unterstützen. Weitere zwei Millionen Euro sollen kleineren Orten helfen, Wasserverluste und Lecks in alten Netzen zu reduzieren.

Kanaren investieren in Frisch- und Abwassernetze

Diese Mittel sind jedoch für ganz Teneriffa vorgesehen. Lokale Probleme werden bei der Größe des Sanierungsstaus und der Menge an betroffenen Kanalisationsnetzen nicht ausreichen, um kurzfristig Abhilfe zu schaffen.

Während auf politischer Ebene geplant wird, erleben Anwohner in Alcalá weiterhin Situationen wie diese:

Doch es gehe nicht nur um die Situation nach Starkregen. Auch im kanarischen Alltag gebe es laut Cassier permanent starken Fäkaliengeruch, der immer wieder aus der Kläranlage eines nahegelegenen Hotels in die Wohngebiete ziehe. Je nach Windrichtung könne kaum gelüftet werden.

Teneriffa jagt Abwasser-Lecks

Die Inselregierung arbeitet parallel an großen Infrastrukturprojekten. Dazu gehört die Sanierung veralteter Leitungen in mehreren Regionen. Durch Leckagen gelangt ungeklärtes Abwasser in den Untergrund. Dazu kommen gezielte Abwasser-Einleitungen in die Umwelt.

Auf den Kanaren gibt es mehrere solcher Abwassereinleitungen ins Meer. Allein auf Teneriffa gibt es zwölf solcher Einleitungspunkte. Die EU verurteilte Spanien bereits mehrfach zu sechs- und siebenstelligen Strafzahlungen.

Das prominenteste Beispiel ist der Norden der größten Kanaren-Insel, wo derzeit Wasserverluste im Nordkanal reduziert und Hausanschlüsse an das Sanitärnetz subventioniert werden. Bekannt wurde die Region durch die einjährige Sperrung der Playa Jardín aufgrund so schlechter Wasserwerte in Strandnähe, dass ein Badeverbot ausgesprochen wurde.

Die strukturellen Herausforderungen bleiben hoch: In einigen Regionen Teneriffas sind bis heute nicht alle Häuser ans kommunale Netz angeschlossen, was die Probleme zusätzlich verschärft.

Teneriffa: Anwohner fordern Ende von Abwasser auf ihren Straßen

Für Alcalá allerdings bleibt die Lage akut. Die Bilder der überlaufenden Schächte verdeutlichen, dass die Infrastruktur vieler Regionen der Kanarischen Inseln am Limit agiert. Während der Alltag zunehmend unangenehmer wird, liegt in Akutsituationen, wie Starkregen, sogar eine potenzielle Gesundheitsgefährdung vor.

Die Gemeinde verweist auf die langfristigen Pläne, vorangetrieben von der Inselregierung. Die Anwohner vor Ort hoffen unterdessen auf etwas Fassbares: eine Lösung, die verhindert, dass Abwasser durch ihre Straßen fließt.


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Über den Autor

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Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Gründer und Herausgeber der Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zum Autorenprofil von .

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