Teneriffas Justiz hat im Streit um das Tourismusprojekt Cuna del Alma eine überraschende Kehrtwende vollzogen. Das Gericht in Arona hob die vorläufige Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen auf und ordnete neue Untersuchungen an.
Damit ist das Verfahren gegen das umstrittene Bauvorhaben an der Südküste von Teneriffa wieder offen. Und das nur wenige Wochen nach dem vermeintlichen Schlussstrich.
Auslöser für die Wiederaufnahme waren Rechtsmittel der Staatsanwaltschaft und einer Umweltinitiative. Die Richterin kam zu dem Schluss, dass zentrale Fragen bislang nicht ausreichend geklärt sind. Nun sollen die vollständigen Verwaltungsakten zu den Bauarbeiten im Küstenschutz-Streifen ausgewertet und ein unabhängiges Gutachten erstellt werden. Darum geht es konkret:
Cuna del Alma: Teneriffas Prestige-Streit wird neu aufgerollt
Das Gutachten soll prüfen, ob die geplanten Eingriffe mit den strengen Vorgaben des Küsten- und Umweltrechts vereinbar sind. Im Zentrum steht ein besonders sensibler Abschnitt des „Cuna del Alma“-Projekts: Bauarbeiten innerhalb der gesetzlich geschützten Küstenzone.
Dort sind unter anderem ein offener Pool, ein Restaurant und weitere Infrastruktur vorgesehen. Insbesondere in diesem Bereich erlaubt das Gesetz nur Anlagen, die zwingend an den Küstenraum gebunden sind. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist bislang offen, nicht zuletzt, da wesentliche Unterlagen fehlten.
Hinzu kommt ein Bericht des spanischen Umweltministeriums, der auf erhebliche Lücken bei der Bewertung der Umweltauswirkungen hinweist. Direkt vor dem Baugebiet liegt ein europäisch geschütztes Meeresareal. Insbesondere das löste bereits früh im Projekt Protest von Anwohnern und Umweltaktivisten aus.
Ob und in welchem Umfang das Projekt Cuna del Alma dieses Gebiet beeinträchtigen könnte, lässt sich nach Aktenlage derzeit nicht beurteilen. Bereits im Dezember waren zusätzliche Untersuchungen angefordert worden, ohne dass eine Reaktion dokumentiert ist.
Im Schutzgebiet: Arbeiten für Cuna del Alma gehen weiter
Trotz der neuen Ermittlungen dürfen die Bauarbeiten vorerst weitergehen. Das Gericht sieht derzeit keine rechtliche Grundlage für einen sofortigen Baustopp, ließ jedoch ausdrücklich offen, diese Entscheidung nach Abschluss der Untersuchungen zu überprüfen.
Für das Projekt, das mehr als 3600 touristische Betten in einem der letzten weitgehend unbebauten Küstenabschnitte vorsieht, beginnt damit eine entscheidende Phase. Erstmals steht nicht mehr nur die Planung, sondern die strafrechtliche Bewertung des gesamten Vorhabens im Raum.
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Wende im Prestige-Streit: An diesem Projekt entscheidet sich Teneriffas Zukunft
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