Die Regionalregierung der Kanarischen Inseln hat eine offizielle Untersuchung der jüngsten Kraftstoffpreiserhöhungen eingeleitet. Der Vizepräsident der Kanarischen Inseln Manuel Domínguez gab bekannt, dass ein detaillierter Bericht erstellt wird, der mögliche Preisabsprachen zwischen Tankstellenbetreibern und Kraftstofflieferanten prüfen soll. Der Zeitpunkt der Preiserhöhung fiel mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs zusammen.
Wer in den vergangenen Tagen auf Teneriffa oder Gran Canaria an der Zapfsäule stand, bemerkte den Preisanstieg unmittelbar. Benzin und Diesel sind spürbar teurer geworden, obwohl die Rohölpreise auf den internationalen Märkten in den ersten Stunden nach Bekanntwerden der Eskalation nur moderat gestiegen waren. Genau dieser Umstand weckte bei den kanarischen Behörden den Verdacht, dass die Preiserhöhung nicht allein auf Marktdynamiken zurückzuführen sein könnte, sondern möglicherweise koordiniert erfolgte.
Domínguez sagte, die Regierung nehme die Situation ernst. Der Bericht soll die Preisentwicklung der vergangenen Wochen analysieren und mit den tatsächlichen Einkaufspreisen der Kraftstoffhändler vergleichen. Sollten sich Hinweise auf kartellrechtlich relevantes Verhalten ergeben, leitet die Regionalregierung entsprechende Schritte ein.
Spritpreise auf den Kanaren seit Iran-Eskalation
Der Nahe Osten ist eine der wichtigsten Förderregionen für Rohöl der Welt. Jede Eskalation dort treibt die Märkte in Bewegung, Händler reagieren oft schon vor tatsächlichen Lieferengpässen mit Preisanpassungen. Auf dem Archipel ist diese Reaktion besonders deutlich spürbar, da die Kanaren ihren Kraftstoff zu großen Teilen importieren. Zwar betreibt Cepsa auf Teneriffa eine Raffinerie (Refinería de Tenerife), dennoch bleibt der Archipel strukturell anfällig für externe Preisschocks.
Dennoch zeigen Marktbeobachter auf einen wichtigen Unterschied: Die internationalen Rohölpreise stiegen in den ersten Stunden nach Bekanntwerden der Eskalation moderat. Eine sofortige Weitergabe an Endverbraucher, noch bevor günstigere Lieferungen aufgebraucht waren, entspräche nicht dem Prinzip der tatsächlichen Kostenentwicklung. Genau dieses Argument trägt die kanarische Regierung vor, wenn sie von einem verdächtigen Timing spricht.
Preiserhöhungen beim Benzin und Diesel kommen schnell, Senkungen dagegen langsam. Dieses asymmetrische Muster beschäftigt Verbraucherschützer und Wettbewerbsbehörden in vielen Ländern. Auf den Kanaren ist die Marktstruktur besonders eng: Wenige große Anbieter dominieren das Tankstellennetz der Inseln.
Benzinpreise auf den Kanaren: Marktstruktur begünstigt Absprachen
Auf dem kanarischen Kraftstoffmarkt agieren nur wenige relevante Akteure. Die Insellage schränkt den Wettbewerb ein, da Transportkosten und Logistik hohe Markteintrittsbarrieren bilden. Unabhängige Tankstellen sind zwar vorhanden, beziehen ihren Kraftstoff jedoch oft von denselben Großhändlern. Eine flächendeckende Preiskoordination wäre unter diesen Bedingungen leichter möglich als auf dem spanischen Festland.
Die zuständige spanische Wettbewerbsbehörde CNMC hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Untersuchungen im Energiesektor durchgeführt. Ob die kanarische Regionalregierung nun eine eigene Untersuchung führt oder die CNMC einschaltet, ist bisher nicht bekannt. Domínguez betonte allerdings, man wolle zügig handeln und nicht auf eine langwierige Prüfung durch staatliche Behörden warten.
Für Urlauber, die ein Mietauto fahren, macht der Preisunterschied bei einem vollen Tank bereits mehrere Euro aus. Für Residenten, die täglich pendeln, summieren sich die Mehrkosten über Wochen deutlich.
Tankstellen auf den Kanaren: Aktuelle Preise und was Fahrer jetzt tun können
Wer günstig tanken möchte, sollte den Spritpreis vergleichen. Auf Teneriffa und Gran Canaria gibt es teils deutliche Preisunterschiede zwischen einzelnen Stationen, auch wenn das Gesamtniveau zuletzt anstieg.
Grundsätzlich profitieren Fahrer auf den Kanarischen Inseln trotz der jüngsten Erhöhung noch immer von einem strukturellen Vorteil: Der Kraftstoff unterliegt auf den Kanaren einem reduzierten Steuersatz. Benzin und Diesel sind daher im Vergleich zum spanischen Festland in der Regel günstiger, auch wenn der aktuelle Preisanstieg diesen Vorteil teilweise aufzehrt.
Bei der Untersuchung der Regionalregierung werden für die kommenden Wochen erste Ergebnisse erwartet. Sollten sich Belege für Preisabsprachen finden, stehen empfindliche Bußgelder im Raum. Für die Verbraucher auf dem Archipel bleibt die Hoffnung, dass mehr Transparenz mittelfristig auch zu faireren Preisen an der Zapfsäule führt.
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