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Von wegen Preis-Paradies: Kanaren-Sprit vor Steuern teurer als in der EU

Benzin und Diesel kosten auf den Kanaren mehr als im Rest der EU. Das zeigt der Blick auf den Vor-Steuer-Preis. Wir erklären das Tank-Paradoxon und zeigen die echten Preise.

Von Johannes Bornewasser – letzte Änderung: – Lesedauer: 3 Minuten – 0 Leserkommentare bei Teneriffa News

An kanarischen Tankstellen wirken die Kraftstoffpreise günstig. Doch wer den Steueranteil herausrechnet, stellt fest: Der reine Produktpreis für Benzin und Diesel liegt auf den Kanaren sogar höher als im EU-Durchschnitt, in der Eurozone und auf dem spanischen Festland.

Das ist das Preisparadoxon der Inseln: Niedrige Endpreise entstehen fast ausschließlich durch eine deutlich geringere Steuerlast. Madrid hat wegen gestiegener Energiepreise Steuersenkungen auf Kraftstoffe angekündigt.

Auf den Kanaren machen Energiesteuern nur rund 25 Prozent des Endpreises aus, im spanischen Durchschnitt sind es 49 Prozent. Die Entlastungswirkung fällt dort entsprechend geringer aus. Und so entsteht ein umgedrehtes Bild.

Kanaren-Sprit ist vor Steuern teurer als in der EU

Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied bei Super 95. Kostet der Liter Benzin vor Steuern auf den Kanaren 1,02 Euro, sind es auf der Halbinsel und den Balearen gerade einmal 0,99 Euro. Das geht aus einem Beispiel der vergangenen Woche hervor.

Noch klarer wird das Bild mit den September-Daten der kanarischen Regierung. Der Vorsteuerpreis für Benzin lag damals auf den Kanaren bei 84,3 Cent pro Liter, auf dem Festland bei 75,1 Cent, in der Eurozone bei 69,7 Cent und in der EU allgemein durchschnittlich bei 69,8 Cent.

Beim Diesel ist es ähnlich: Auf den Kanaren wurden 87,5 Cent je Liter vor Steuern berechnet, auf der Halbinsel 78,5 Cent, in der Eurozone 74,1 Cent und in der EU 74,2 Cent. Auch nach Angaben des Ministeriums für den ökologischen Wandel auf den Kanaren zeige sich entsprechend, dass Kraftstoff als Rohprodukt auf den Inseln nicht günstiger sei.

Niedrige Sprit-Steuern auf den Kanaren

Erst die Abgaben machen den Unterschied: Dann zählen die Kanaren zu den Regionen mit den niedrigsten Tankstellenpreisen in der EU. Für 2025 wurde die Steuerlast bei Benzin auf den Inseln mit 25,74 Prozent angegeben, in der Eurozone lag sie bei 58,34 Prozent.

Auf den Kanarischen Inseln fallen auf Kraftstoffe IGIC, das kanarische Pendant zur Mehrwertsteuer, von rund einem Prozent sowie Abgaben an die einzelnen Inseln an. Auf Teneriffa und auf Gran Canaria kommt zusätzlich der sogenannte céntimo forestal, der „Forst-Cent“ für die Umwelt hinzu. Auch dieser erhöht den Literpreis nochmals.

Als Erklärung für die höheren Basispreise wird häufig die Insellage angeführt. Die spanischen Wettbewerbshüter (CNMC) verwiesen zuletzt jedoch auch auf den Markt. In ihrem jüngsten Bericht nannten sie den Energieversorger Disa als Unternehmen mit den stärksten Preiserhöhungen. Der Marktanteil des Unternehmens liegt auf den Kanaren bei knapp 40 Prozent. Unabhängige Tankstellen bieten laut dem Bericht daher die niedrigsten Preise an.

Iran-Krise sorgt für steigende Sprit-Preise auf den Kanaren

Die jüngsten Preissteigerungen stehen im Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen Osten und ihren Folgen für Öl- und Gaspreise. Die spanische Regierung reagierte mit einem fünf Milliarden Euro schweren, 80-teiligen Maßnahmenpaket. Es beinhaltet niedrigere Energiesteuern, stärkere Kontrolle des Kraftstoffmarkts und Hilfen für besonders betroffene Wirtschaftsbereiche.

Auf den Kanaren fielen die jüngsten Preisaufschläge schwächer aus als im Rest Spaniens. Bei Super 95 stieg der Preis im Schnitt um 13 Cent pro Liter, was 11,2 Prozent entsprach. Diesel verteuerte sich um 18 Cent oder 15 Prozent. Auf der spanischen Halbinsel und den Balearen lagen die Zuwächse bei 27 Cent für Benzin (18,1 Prozent) und 45 Cent für Diesel (30,6 Prozent).

Die Regierung der Kanaren lässt derzeit prüfen, ob es nach dem Angriff der USA und Israels auf Iran an den Tankstellen des Archipels zu illegalen Preisabsprachen kam. Die niedrigere Besteuerung wirkte in dieser Phase als Puffer, verringerte jedoch auch die öffentlichen Einnahmen.


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Über den Autor

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Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Gründer und Herausgeber der Teneriffa News, Ihrem Kanaren-Experten seit 2011. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zum Autorenprofil von .

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