Die „Hondius“ hat am Montagabend den Hafen von Granadilla de Abona auf Teneriffa wieder verlassen. Das wegen des Hantavirus-Ausbruchs an Bord bekanntgewordene Kreuzfahrtschiff nahm Kurs auf Rotterdam. Zuvor waren innerhalb von 48 Stunden alle 125 verbliebenen Passagiere aus 23 Ländern unter strengen Hygienemaßnahmen von Bord gebracht und mit zehn Sonderflügen in ihre Heimatländer ausgeflogen worden.
Der Hantavirus-Ausbruch an Bord, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, hatte zuvor für internationale Schlagzeilen gesorgt. Das Schiff lag zunächst mehrere Tage vor Kap Verde. Verschiedene Länder untersagten die Anlandung, bis Spanien Teneriffa ins Spiel brachte. Unter Protest der dortigen Regierung und Bevölkerung wurde das Schiff im Süden der Kanaren-Insel geräumt.
Die Räumung verlief in mehreren Phasen. Am Sonntag wurden 94 Passagiere mit acht Maschinen ausgeflogen, darunter 14 Spanier, die im Hospital Gómez Ulla in Madrid vorsorglich bis zum 17. Juni unter Quarantäne bleiben sollen. Weitere Zielländer waren Kanada, Frankreich, die Niederlande, Großbritannien, Irland, die Türkei und die USA.
Alle Hondius-Passagiere auf Teneriffa von Bord gegangen
Ein US-Passagier wurde nach der Rückkehr positiv auf das Hantavirus getestet und isoliert betreut. In St. Helena hatten bereits knapp 30 Passagiere das Schiff verlassen. Am Montag folgte die letzte Evakuierungswelle: Starker Wind hatte ein Ausbooten zunächst unmöglich gemacht, so dass die Hafenbehörde kurzfristig ein Anlegen am Pier anordnete. Die verbliebenen 28 Personen, darunter 21 Crewmitglieder sowie sechs Passagiere aus Australien, Großbritannien und Neuseeland, kamen so sicher an Land.
Die Reise der „Hondius“ hatte am 20. März im argentinischen Ushuaia begonnen: 149 Gäste aus verschiedenen Nationen brachen zu einer 46-tägigen Polarexpedition Richtung Kanarische Inseln auf. Bereits auf See starben am 11. April ein 70-jähriger Niederländer und am 26. April seine Ehefrau auf dem Weg nach Johannesburg, beide an der seltenen Andes-Variante des Hantavirus.
Am 2. Mai starb eine britische Passagierin an Bord. Nach Zwischenstopps auf St. Helena und einer erfolglosen Bitte um Einfahrterlaubnis in Kap Verde bat die WHO Spanien um Unterstützung. Am 10. Mai lief das Schiff schließlich Teneriffa an.
Hantavirus-Schiff auf Teneriffa: Strikte Protokolle, politische Differenzen
Das Gesundheitsprotokoll sah einen Meter Abstand, Maskenpflicht und den Transport des Gepäcks in Plastikbeuteln vor. Nach dem abschließenden Gesundheitscheck brachte die Guardia Civil die betroffenen direkt zu Sonder-Bussen, die sie zum zehn Minuten entfernten Flughafen Teneriffa-Süd fuhren.
Zwei Flüge, einer nach Eindhoven und einer nach Luxemburg mit Anschluss nach Australien, beendeten den Einsatz. Von den Crewmitgliedern verblieben 26 an Bord, ebenso der Leichnam der verstorbenen Britin, der in Rotterdam den Behörden übergeben wird. Die Fahrt dorthin dauert fünf Tage. Im Anschluss sind die Desinfektion des Schiffs und des Gepäcks geplant.
Mehrere spanische Ministerinnen und Minister verfolgten die Räumung vor Ort. Gesundheitsministerin Mónica García sprach von einer „erfolgreich abgeschlossenen Mission“ und lobte die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus würdigte die „Solidarität und das Engagement“ Spaniens und der Bevölkerung auf Teneriffa. Positiv hervorgehoben wurde auch die Koordination mit EU und UN.
Konflikt zwischen Madrid und der Regionalregierung
Die gesamte Aktion war politisch umstritten. Die kanarische Regionalregierung unter Fernando Clavijo hatte darauf gedrängt, das Schiff von den kanarischen Häfen fernzuhalten, und verwies auf das Infektionsrisiko sowie die Gefahr, dass infizierte Nagetiere von Bord an Land gelangen könnten. Die spanische Zentralregierung setzte sich letztlich durch.
Während der Räumung ereignete sich am Sonntag ein Zwischenfall: Ein Beamter der Guardia Civil erlitt beim Einsatz einen Herzanfall (mehr dazu hier). Der von der Räumung betroffene Hafenbereich soll nach der Abreise des Schiffs gründlich gereinigt und anschließend wieder freigegeben werden. Die WHO wertet den gesamten Vorfall als Beispiel für erfolgreiche internationale Krisenkooperation im Seuchenschutz.
Eine Übertragung des Hantavirus durch auf Teneriffa von Bord gehende Ratten wurde seitens der Behörden ausgeschlossen. Das kanarische Gesundheitsministerium veröffentlichte einen Bericht auf Grundlage von WHO-Untersuchungen. Demnach wurden an Bord der „Hondius“ keine Nagetiere entdeckt. Verschiedene Fachleute auf den Kanaren bezeichneten die Theorie als wissenschaftlich widerlegt.













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„Hondius“ verlässt Teneriffa: Die Bilanz zum Hantavirus-Fall
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