Das Hantavirus-Schiff hat in der Nacht zu Sonntag Teneriffa erreicht. Es ankert vor dem Industriehafen von Granadilla de Abona im Süden der Kanaren-Insel. Derweil bereiten sich die Behörden der Kanarischen Inseln auf eine der ungewöhnlichsten Ausschiffungen der vergangenen Jahre vor.
Rund 150 Menschen befinden sich noch an Bord der „Hondius“, auf der es während einer Atlantik-Kreuzfahrt zu mehreren Infektionen und drei Todesfällen gekommen war. Die Passagiere sollen nun unter strengen Sicherheitsauflagen direkt ausgeflogen werden, ohne Kontakt zur Bevölkerung Teneriffas zu haben.
Die Ankunft markiert das Ende einer dramatischen Reise, die am 1. April im argentinischen Ushuaia begann und sich unterwegs zu einem internationalen Gesundheitsfall entwickelte. Auf Teneriffa löste die Nachricht über das Schiff erhebliche Unruhe aus. Viele Bewohner fühlten sich an die Corona-Pandemie erinnert. Die Regionalregierung der Kanaren versuchte gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation zu beruhigen. WHO Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus reiste sogar persönlich nach Spanien, um die Sicherheitsmassnahmen zu begleiten und Ängste in der Bevölkerung zu dämpfen. Er betonte mehrfach, dass es sich „nicht um ein neues Covid“ handle.
Hantavirus-Schiff bringt Unruhe nach Teneriffa
Die Behörden haben für die Räumung des Schiffes einen minutiösen Ablaufplan erstellt. Erst nach Tagesanbruch dürfen die ersten Menschen das Schiff verlassen, voraussichtlich ab 8 Uhr. Zuvor werden alle Passagiere an Bord medizinisch untersucht und auf mögliche Symptome kontrolliert. Anschliessend sollen sie gestaffelt mit kleineren Booten an Land gebracht werden. Dort warten versiegelte Fahrzeuge, die über einen abgesperrten Sicherheitskorridor direkt zum Flughafen Teneriffa-Süd fahren.
Die Reisenden werden ohne Zwischenstopp zu bereitstehenden Maschinen gebracht und in ihre Herkunftsländer ausgeflogen. Nach Angaben der spanischen Regierung sind Rückführungsflüge nach Deutschland, Frankreich, Belgien, Irland und in die Niederlande vorbereitet worden. Dort greifen dann nationale Sicherheitsvorkerhungen.
Teneriffa in Sorge wegen „Andes“-Typ des Hantavirus
Besonders groß ist die Sorge wegen des sogenannten „Andes-Typs“ des Hantavirus. Dieser Erregertyp wird normalerweise über infizierte Nagetiere übertragen. In einzelnen Fällen wurde jedoch bereits eine Übertragung von Mensch zu Mensch dokumentiert. Genau deshalb gelten die Schutzmassnahmen als aussergewöhnlich streng. Die Passagiere müssen FFP2-Masken tragen, das Personal arbeitet in Schutzausrüstung und selbst das Gepäck bleibt zunächst an Bord.
Nach Angaben der WHO wurden bislang sechs Infektionen bestätigt, hinzu kommen zwei Verdachtsfälle. Drei Menschen starben infolge der Erkrankung, darunter ein älteres niederländisches Ehepaar sowie eine deutsche Passagierin.
Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass sich das Ehepaar noch vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben könnte. Danach entwickelte sich die Lage an Bord innerhalb weniger Tage dramatisch. Ein amerikanischer Arzt, der selbst als Passagier auf dem Schiff war, schilderte später, wie sich der Zustand der Erkrankten innerhalb weniger Stunden massiv verschlechterte.
Video: Die „Hondius“ erreicht Teneriffa
Llegada del MV #Hondius a las aguas territoriales españolas. Un buque de la #GuardiaCivil lo ha escoltado hasta el puerto de Granadilla, donde hay un preparado un dispositivo especial para recibir a los ocupantes del barco. pic.twitter.com/uW5QD3a28g
— Guardia Civil (@guardiacivil) May 10, 2026
Zusätzliche Unsicherheit entstand, da bereits vor der vollständigen Isolation mehrere Passagiere das Schiff verlassen hatten. Einige reisten über St. Helena weiter, andere wurden nach Europa oder Südafrika ausgeflogen. Behörden in verschiedenen Ländern verfolgen seitdem mögliche Kontaktketten. Auch in Deutschland und der Schweiz werden Kontaktpersonen medizinisch überwacht.
Die verbliebenen Menschen an Bord gelten laut Reederei inzwischen als symptomfrei. Trotzdem empfehlen Gesundheitsbehörden für enge Kontaktpersonen weiterhin Quarantäne und Beobachtung über mehrere Wochen, da das Hantavirus eine ungewöhnlich lange Inkubationszeit haben kann.
Die „Hondius“ selbst soll nach Abschluss der Ausschiffung mit einer Notbesatzung weiter in die Niederlande fahren, unter deren Flagge sie fährt. Dort ist eine vollständige Desinfektion des Schiffes geplant.
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Leserkommentare zu:
Hantavirus-Schiff „Hondius“ erreicht Teneriffa: Hier ankert es
Vielen Dank für Ihre unaufgeregte Information der aktuellen Situation. Es ist beruhigend zu wissen, dass Sie wie immer einen seriösen Journalismus durchführen. Danke
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