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Samstag, 27. Juni 2026
Teneriffa

Hantavirus-Schiff „Hondius“ erreicht Teneriffa: Hier ankert es

Die "Hondius" hat nach 40 Tagen auf See Teneriffa erreicht. Nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch beginnt nun die streng überwachte Ausschiffung der rund 150 Menschen an Bord.

In der Nacht zum Sonntag ist das Hantavirus-Schiff vor Teneriffa eingetroffen. Vor dem Industriehafen von Granadilla de Abona, im Süden der Insel, liegt es nun vor Anker. Die Behörden der Kanarischen Inseln stellen sich derweil auf eine Ausschiffung ein, wie es sie in den vergangenen Jahren kaum gegeben hat.

An Bord der „Hondius“ halten sich noch rund 150 Menschen auf. Während einer Atlantik-Kreuzfahrt war es auf dem Schiff zu mehreren Infektionen und drei Todesfällen gekommen. Ausgeflogen werden sollen die Passagiere nun direkt und unter strengen Sicherheitsauflagen, ohne dass es zu einem Kontakt mit der Bevölkerung Teneriffas kommt.

Mit der Ankunft endet eine dramatische Reise, die am 1. April im argentinischen Ushuaia ihren Anfang nahm und sich unterwegs zu einem internationalen Gesundheitsfall auswuchs. Die Nachricht über das Schiff sorgte auf Teneriffa für erhebliche Unruhe, viele Bewohner fühlten sich an die Corona-Pandemie erinnert. Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation bemühte sich die Regionalregierung der Kanaren um Beruhigung. WHO Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus reiste sogar persönlich nach Spanien, um die Sicherheitsmassnahmen zu begleiten und die Ängste in der Bevölkerung zu dämpfen. Mehrfach betonte er, dass es sich „nicht um ein neues Covid“ handle.

Hantavirus-Schiff bringt Unruhe nach Teneriffa

Für die Räumung des Schiffes haben die Behörden einen minutiösen Ablaufplan ausgearbeitet. Die ersten Menschen dürfen das Schiff erst nach Tagesanbruch verlassen, voraussichtlich ab 8 Uhr. Davor werden sämtliche Passagiere an Bord medizinisch untersucht und auf mögliche Symptome hin kontrolliert. Mit kleineren Booten sollen sie anschliessend gestaffelt an Land kommen, wo versiegelte Fahrzeuge bereitstehen, die über einen abgesperrten Sicherheitskorridor direkt zum Flughafen Teneriffa-Süd fahren.



Ohne Zwischenstopp gelangen die Reisenden zu bereitstehenden Maschinen und werden von dort in ihre Herkunftsländer ausgeflogen. Die spanische Regierung hat dafür nach eigenen Angaben Rückführungsflüge nach Deutschland, Frankreich, Belgien, Irland und in die Niederlande vorbereitet. In diesen Ländern greifen anschliessend die jeweiligen nationalen Sicherheitsvorkerhungen.

Teneriffa in Sorge wegen „Andes“-Typ des Hantavirus

Am grössten ist die Sorge wegen des sogenannten „Andes-Typs“ des Hantavirus. Übertragen wird dieser Erregertyp normalerweise über infizierte Nagetiere. Doch in einzelnen Fällen ist bereits eine Übertragung von Mensch zu Mensch dokumentiert worden, und gerade deshalb fallen die Schutzmassnahmen aussergewöhnlich streng aus. Die Passagiere müssen FFP2-Masken tragen, das Personal arbeitet in Schutzausrüstung, und selbst das Gepäck bleibt vorerst an Bord.

Sechs Infektionen sind nach Angaben der WHO bislang bestätigt, dazu kommen zwei Verdachtsfälle. An den Folgen der Erkrankung starben drei Menschen, darunter ein älteres niederländisches Ehepaar sowie eine deutsche Passagierin.

Die Ermittler vermuten zurzeit, dass sich das Ehepaar bereits vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben könnte. Danach spitzte sich die Lage an Bord innerhalb weniger Tage zu. Ein amerikanischer Arzt, der selbst als Passagier mit an Bord war, beschrieb später, wie sich der Zustand der Erkrankten binnen weniger Stunden massiv verschlechterte.

Video: Die „Hondius“ erreicht Teneriffa

Für zusätzliche Unsicherheit sorgte, dass schon vor der vollständigen Isolation mehrere Passagiere das Schiff verlassen hatten. Manche reisten über St. Helena weiter, andere wurden nach Europa oder Südafrika ausgeflogen. Seitdem verfolgen Behörden in verschiedenen Ländern mögliche Kontaktketten. Auch in Deutschland und der Schweiz stehen Kontaktpersonen unter medizinischer Überwachung.

Die übrigen Menschen an Bord gelten laut Reederei inzwischen als symptomfrei. Dennoch raten die Gesundheitsbehörden engen Kontaktpersonen weiterhin zu Quarantäne und Beobachtung über mehrere Wochen, denn das Hantavirus kann eine ungewöhnlich lange Inkubationszeit haben.

Ist die Ausschiffung abgeschlossen, soll die „Hondius“ selbst mit einer Notbesatzung weiter in die Niederlande fahren, unter deren Flagge sie unterwegs ist. Dort ist eine vollständige Desinfektion des Schiffes vorgesehen.

Kommentare (1)
  • DR Dagmar Reinemann 11.05.2026

    Vielen Dank für Ihre unaufgeregte Information der aktuellen Situation. Es ist beruhigend zu wissen, dass Sie wie immer einen seriösen Journalismus durchführen. Danke!

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