Das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ mit einem Hantavirus-Ausbruch an Bord wird Ende der Woche im Hafen von Granadilla de Abona im Süden Teneriffas anlegen. Das bestätigte das spanische Gesundheitsministerium am Mittwoch. Die 14 spanischen Passagiere sollen zunächst auf Teneriffa medizinisch untersucht und anschließend per Militärflugzeug nach Torrejón de Ardoz gebracht werden, wo sie im Militärkrankenhaus Gómez Ulloa unter Quarantäne gestellt werden.
Der Ausbruch begann nach Behördenangaben während der Fahrt vor der Küste von Kap Verde. Das Virus hat eine Inkubationszeit zwischen sieben und 45 Tagen. Zum Zeitpunkt der Abfahrt galten die übrigen Passagiere als symptomfrei, doch wie viele letztlich infiziert sein könnten, ist unklar.
Schwer erkrankte Personen wurden bereits per Flugzeug aus Kap Verde ausgeflogen, unter anderem nach Düsseldorf. Der kanarische Regierungssprecher Alfonso Cabello kritisierte, dass eine umfassendere Evakuierung am Flughafen Praia unterblieben sei, obwohl dort eine Luftbrücke zur Verfügung gestanden habe.
Hantavirus-Schiff: Führungslücke in der Kanaren-Behörde
In Granadilla de Abona forderte Bürgermeister José Domingo Regalado medizinische Garantien und vollständige Transparenz. Das Rathaus besteht darauf, dass alle Notfallmaßnahmen auf klar überprüfbaren Informationen und enger Abstimmung zwischen den Behörden beruhen müssen. Die Gemeinde stehe in ständigem Kontakt mit der Inselverwaltung Teneriffas und der Regionalregierung.
Die Lage wird durch eine Führungslücke im kanarischen Gesundheitsressort zusätzlich erschwert: Gesundheitsrätin Esther Monzón fällt seit Wochen krankheitsbedingt aus. Die technische Generalsekretärin der Behörde, Esther Gloria García Cabrera, übernimmt seither die formalen Aufgaben. Die Leitung der Krisenbewältigung liegt damit direkt bei Kanaren-Präsident Fernando Clavijo.
Dieser wiederum sprach sich klar gegen die Entscheidung des spanischen Staates aus, das Schiff auf die Kanaren umzuleiten. Eine Rückführung der Passagiere von Kap Verde aus sei sinnvoller, sagte Clavijo, der zudem darauf hinwies, dass das Universitätskrankenhaus auf Teneriffa zwar über Hochisolationsplätze verfüge, deren Nutzung jedoch besondere Anträge und strenge Protokolle erfordere, die das gesamte Krankenhaus beträfen.
Kanarische und spanische Regierung hielten am Mittwoch mehrere Koordinierungstreffen ab. Regierungssprecher Cabello warf dem Gesundheitsministerium in Madrid vor, die Entscheidung über die Verlegung des Schiffes „einseitig“ getroffen zu haben. Schriftliche technische oder medizinische Gutachten zu dieser Maßnahme gebe es nicht.
Trotz mehrfacher Nachfragen habe die Regionalregierung keinen vollständigen Einblick in die medizinischen Details erhalten. Der Notfallmedizinische Dienst wurde kurzfristig aktiviert, um ein Triagezentrum auf Teneriffa einzurichten. Davon erfuhr die Kanaren-Regierung nach eigenen Angaben jedoch erst nach den offiziellen Abstimmungen.
Kanaren kritisieren Spaniens Hantavirus-Krisenmanagement
Das größte Problem sei die Ungewissheit darüber, wie viele weitere Infizierte unerkannt an Bord sein könnten, sagte Cabello. Man rechne zwar mit einer niedrigen Zahl, schließe eine größere Verbreitung jedoch nicht aus. Die Kanarische Regierung besteht auf belastbaren Protokollen und schriftlichen Garantien vom spanischen Staat, die bisher fehlen. Der Schutz der Bevölkerung und des medizinischen Personals habe oberste Priorität.
Unterdessen musste am Mittwoch ein medizinischer Spezialflug auf Gran Canaria notlanden. Das Flugzeug transportierte Patienten in andere europäische Staaten. Marokko hatte zuvor einen Zwischenstopp verweigert. Die Passagiere blieben an Bord, nach Reparaturarbeiten setzte der Flug seinen Weg nach Amsterdam fort.
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