Die Kanaren wollten ein Anlaufen des Kreuzfahrtschiffs verhindern. Doch jetzt soll die mit einem Hantavirus-Ausbruch an Bord in die Schlagzeilen geratene „Hondius“ auf Teneriffa festmachen.
Zwischen Spanien und den Kanaren sorgt der Fall zunehmend für politische Spannungen. Nachdem an Bord mehrere Fälle des gefährlichen Hantavirus festgestellt wurden und bereits drei Menschen starben, stellt sich die Regierung der Kanarischen Inseln offen gegen die Entscheidung Madrids, das Schiff den Archipel anlaufen zu lassen.
Das unter niederländischer Flagge fahrende Expeditionsschiff befindet sich derzeit vor Kap Verde im Atlantik. Ursprünglich war die „Hondius“ von Argentinien aus gestartet. An Bord befinden sich rund 150 Menschen, darunter Passagiere und Crewmitglieder aus mehreren Ländern. Unter den Todesopfern befinden sich ein niederländisches Ehepaar sowie eine Frau aus Deutschland.
Hantavirus-Schiff soll auf Teneriffa festmachen
Die spanische Zentralregierung hatte angekündigt, das Schiff dürfe Teneriffa anlaufen. Dort befindet sich mit dem Universitätskrankenhaus eine auf Epidemien spezialisierte Klinik. Spaniens Gesundheitsministerium erklärte, die Entscheidung sei gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Europäischen Union getroffen worden. Man handle im Einklang mit internationalen Vorschriften und aus humanitären Gründen.
Doch auf den Kanaren stößt dieses Vorgehen auf heftigen Widerstand. Präsident Fernando Clavijo kritisierte die fehlende Kommunikation durch Madrid scharf. Nach seinen Angaben habe die Regionalregierung bislang weder offizielle Informationen noch einen formellen Antrag zum geplanten Anlaufen erhalten. Er forderte deshalb ein dringendes Gespräch mit Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez. Clavijo erklärte zudem, die Bevölkerung könne ohne transparente Informationen nicht beruhigt werden.
Hantavirus: Teneriffa solle beruhigt sein, doch Madrid bereitet Quarantäne vor
Die spanische Gesundheitsministerin Mónica García versuchte dagegen, die Sorgen zu zerstreuen. Sie betonte, alle noch an Bord befindlichen Personen seien derzeit symptomfrei. Die ausländischen Passagiere sollten nach der Ankunft auf Teneriffa in ihre jeweiligen Heimatländer ausgeflogen werden. Die spanischen Staatsbürger wiederum sollen in ein Militärkrankenhaus nach Madrid gebracht werden, wo gegebenenfalls Quarantänemaßnahmen vorbereitet würden.
Inzwischen wurden bereits drei Menschen von Bord gebracht. Dabei handelt es sich um zwei Crewmitglieder sowie eine Kontaktperson der verstorbenen Deutschen. Sie wurden zunächst in die Niederlande ausgeflogen. Die deutsche Kontaktperson soll anschließend zur weiteren medizinischen Abklärung nach Düsseldorf gebracht werden. Nach Angaben des dortigen Universitätsklinikums gebe es bislang keinen bestätigten Nachweis einer Infektion. Die Aufnahme erfolge rein vorsorglich.
Wie unter anderem die WHO berichtet, wurde bei zwei Patienten der sogenannte Andes-Typ des Hantavirus nachgewiesen. Diese Virusvariante gilt als besonders selten, da sie nicht nur über Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen werden kann, sondern in bestimmten Fällen auch von Mensch zu Mensch. Voraussetzung dafür ist nach Angaben von Experten meist ein enger und längerer Kontakt.
Nach Erkenntnissen südafrikanischer Gesundheitsbehörden wurde der Erreger bei einem britischen Patienten festgestellt, der derzeit auf einer Intensivstation in Johannesburg behandelt wird. Auch die inzwischen verstorbene Niederländerin soll mit dieser Virusvariante infiziert gewesen sein. Die WHO geht derzeit von insgesamt acht Erkrankungsfällen im Zusammenhang mit der Reise aus.
Hantavirus: Ansteckungsrisiko auf den Kanaren eher gering
Argentinische Behörden vermuten, dass sich das niederländische Ehepaar bereits vor dem Einschiffen infiziert haben könnte. Demnach sollen die beiden während eines Ausflugs nahe Ushuaia mit infizierten Nagetieren in Kontakt gekommen sein. Dort hatten sie an einer Vogelbeobachtungstour teilgenommen.
Trotz der angespannten Lage halten zahlreiche Fachleute das Risiko für die Bevölkerung auf den Kanaren weiterhin für sehr gering. Der spanische Epidemiologe Amos García erklärte im staatlichen Fernsehen RTVE sogar, das Risiko sei praktisch nicht vorhanden. Auch die WHO stuft die allgemeine Gesundheitsgefahr derzeit als niedrig ein.














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Hantavirus-Streit: Kanaren wehren sich gegen Kreuzfahrtschiff-Ankunft
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