Nachts sitze ich oft stundenlang auf meiner Terrasse. Als Hintergrund das Rauschen der Wellen. Je nach Seegang mal lauter oder leiser, doch es ist stets präsent. In einiger Entfernung liegt das Lichtermeer von Puerto del la Cruz. Diese Momente der Stille liebe ich sehr. Man kann über allerlei Themen nachdenken oder einfach mal die Gedanken schweifen lassen.
Doch immer wieder unterbricht die Stille der Nacht ein recht merkwürdiges Geräusch. Es klingt kehlig und heisern, manchmal variiert es. Diese ominösen und durchaus lauten Geräusche klingen so, als hätte sich das Haustier einen hinter die Binde gegossen.
Ich habe nach meiner Auswanderung eine ganze Weile gebraucht, bis ich die Quelle dieses merkwürdigen Geräusches ausfindig machen konnte. Bis vor wenigen Tagen:
Der ungewöhnliche Sepiasturmtaucher auf den Kanaen
Es ist der auf den Kanaren heimische Sepiasturmtaucher. Tagsüber ist er Meister des Segelflugs weit draußen auf See. Doch nachts und zur Paarungs- oder Brutzeit kommen die Vögel zurück an Land.
Da die Sturmvögel in ihren Kolonien in Erdhöhlen oder Felsspalten brüten, ist es nachvollziehbar, dass sie recht laut rufen müssen, um gehört zu werden. Vom Flugbild ähneln sie einer Möwe, sind jedoch nicht mit Möwen, sondern weit näher mit Albatrossen verwandt. Ihre Flügelspannweite erreicht mehr als einen Meter.
Das diese Vögel erst im Schutze der Dunkelheit an Land kommen, hat einen einfachen Grund: Auf See können sie knapp über der Wasseroberfläche den Aufwind der Luvseite von Wellen nutzen und so ohne Flügelschlag stundenlang über den Atlantik segeln. An Land hingegen watscheln sie eher tollpatschig umher. Das macht sie im Sonnenlicht zur einfachen Beute.

Ihre Ungeschicklichkeit an Land liegt darin begründet, dass ihre Füße ein ganzes Stück hinter dem Körperschwerpunkt liegen. An Land ist das unpraktisch, doch bei der Jagd, also beim Tauchen, sind die weit hinten liegenden Füße wie ein Außenbord-Motor an perfekter Stelle „angebracht“.
Lichtverschmutzung der Kanaren macht Pechvögel
Das Brutverhalten der Sepiasturmtaucher hat es in sich: Beide Elternteile wechseln sich ab, doch ein Ausflug eines Partners kann bis zu zehn Tage dauern, während der brütende Teil hungrig zurück bleibt. Wenn dann das Küken geschlüpft ist, und es ist immer nur ein Ei im Gelege, wird es annähernd täglich gefüttert.
Die Eltern verdauen den Fischbrei vor und so bekommt das Küken hochkalorische Nahrung. Es kommt dadurch sogar vor, dass der Wonneproppen mehr Gewicht hat als seine Eltern. Die verlassen irgendwann das Nest und das Küken muss alleine klarkommen. Es kann sein, dass der Jungvogel erst mal abnehmen muss, bis sein „Abfluggewicht“ erreicht ist.
Diese Phase, meist im Herbst, gilt als kritisch. Auch die Jungvögel orientieren sich am Mond, um den offenen Atlantik zu erreichen. Doch das Streulicht und die Lichtverschmutzung irritieren die Vögel. So kommt es vor, dass ein junger Sturmtaucher mitten in einer Stadt landet. Vom flachen Boden aus kann er dann nicht mehr starten. Das Tier verhungert, verdurstet oder fällt Katzen oder anderen Tieren zum Opfer.
Viele Gemeinden dimmen deshalb in dieser Phase das Licht. Sollten Sie dennoch mal so einen gestrandeten Pechvogel finden: Bitte nicht wegsehen, sondern das Tier in einen belüfteten Karton setzen und die 112 anrufen. Dort gibt es auch deutschsprachige Hilfe, die alle weiteren Schritte einleitet.















Leserkommentare zu:
Warum sich der „Albatros der Kanaren“ nur nachts blicken lässt
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