Die diplomatische Bewegung im Westsahara-Konflikt hat sich schnell und deutlich beschleunigt. Erstmals seit Jahren haben alle Hauptakteure neue Positionen bezogen. Die Debatten zwischen Marokko, Algerien und der Polisario-Bewegung, die von den Kanarischen Inseln nur Kilometer entfernt stattfinden, entscheiden über Sicherheit, Migration und wirtschaftliche Beziehungen bis auf die Kanaren.
Die Polisario-Front wurde im Jahr 1973 gegründet. Die sahrauische Befreiungsbewegung kämpft für die Unabhängigkeit der Westsahara von Marokko. Daraus entstand eine seit Jahrzehnten andauernde Patt-Situation um die Zukunft der Westsahara. Marokko hat in den vergangenen Jahren seinen Autonomieplan vorangetrieben und dabei international an Unterstützung gewonnen. Der Plan sieht keine Unabhängigkeit des Gebiets vor, sondern eine autonome Verwaltung unter marokkanischer Souveränität.
Polisario hält weiterhin an seinem Ziel der Selbstbestimmung fest, zeigt jedoch erstmals Gesprächsbereitschaft für alternative Szenarien. Neue Impulse kommen jetzt von den USA, die eine rasche Konfliktlösung zugunsten des marokkanischen Autonomievorschlags forcieren. Zugleich ist Washington derzeit mit zahlreichen anderen Konflikten, wie dem Iran, beschäftigt. Das wiederum bereitet den Kanaren Sorge. Zumal die Migration zuletzt eingedämmt wurde und diese Entwicklung nun wieder gefährdet ist.
Kanaren beobachten Ringen um Westsahara besorgt
Die USA drängen darauf, das festgefahrene Ringen um die Westsahara in absehbarer Zeit beizulegen. Gleichzeitig prüft Algerien, ob die Flüchtlingscamps von Tinduf, in denen seit knapp 50 Jahren zehntausende Sahrauis leben, geschlossen und deren Bewohner in Gebiete unter Polisario-Kontrolle umgesiedelt werden könnten. Eine offizielle Entscheidung steht noch aus, doch der Ansatz signalisiert eine klare Abkehr vom bisherigen Status quo.
Die Tinduf-Camps in Algerien sind für den Polisario nicht nur humanitäres Rückzugsgebiet, sondern ein zentrales Symbol politischer Identität. Ein Abzug würde das seit den 1970er-Jahren bestehende Gleichgewicht verschieben und die Bewegung mit erheblichen logistischen und infrastrukturellen Herausforderungen in wenig entwickeltem Gebiet konfrontieren. Dies käme einem strategischen Wandel gleich, zumal Algerien bisher ausschließlich den Status quo stützte.
Marokko nutzt seine gestärkte Position und lehnt einen Volksentscheid kategorisch ab. Das Autonomie-Modell wird weiter ausgestaltet, USA und weitere Staaten halten es für zunehmend realistisch. Die Diskrepanz zu den Forderungen des Polisario bleibt jedoch groß. Laut Delegat Abdulah Arabi werden zwar inzwischen verschiedene Optionen diskutiert, öffentlich hält die Bewegung jedoch an der Selbstbestimmungsforderung fest.
Migration und Sicherheit auf den Kanaren
Der weitere Verlauf des Konflikts ist für die Kanarischen Inseln von besonderer Bedeutung. Die politische Stabilität in der Westsahara wirkt sich unmittelbar auf die Atlantik-Migrationsroute aus, über die regelmäßig Boote die Inseln erreichen, wenn zuletzt auch weniger. Dieser Abschwung ist jedoch direkt von der Stabilität der Region gefährdet. Auch für die regionale Sicherheit und die Zusammenarbeit mit Nordwestafrika hätten Veränderungen spürbare Auswirkungen.
Die historisch gewachsenen Bindungen zwischen den Kanaren und der Bevölkerung der Westsahara spiegeln sich in institutionellen Programmen und zivilgesellschaftlichen Kontakten wider. In den kommenden Wochen wird mit weiteren diplomatischen Schritten gerechnet. Eine verstärkte Autonomie der Westsahara innerhalb Marokkos gilt als realistischste Lösung, doch der genaue Zuschnitt politischer Garantien und die Akzeptanz aller Seiten bleiben offen.














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Sahara-Konflikt: Warum die USA und Marokko die Kanaren nervös machen
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