Die Ankunft des Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ im Hafen von Granadilla de Abona auf Teneriffa hat eine Debatte über das Hantavirus-Risiko ausgelöst. Die kanarische Regionalregierung unter Präsident Fernando Clavijo wollte dem Schiff am Samstag die Einfahrt verweigern, nachdem an Bord mehrere Infektionsfälle bekannt geworden waren. Nach Intervention der staatlichen Behörden durfte das Schiff am frühen Sonntagmorgen dennoch anlegen (mehr dazu unten).
Hintergrund der Debatte ist die anhaltende Sorge, infizierte Nagetiere könnten vom Schiff an Land gelangen und das Virus auf die lokale Bevölkerung übertragen. Konkret geht es um die Patagonische Langschwanzwühlmaus (Oligoryzomys longicaudatus).
Clavijo verwendete in der Debatte sogar KI-generierte Argumente, wonach Ratten stunden- bis tagelang schwimmen könnten, und schilderte damit eine angebliche Gefahr für Teneriffa gegenüber Gesundheitsministerin Mónica García. Experten haben dazu eine klare Meinung:
Hondius: Ohne Nagetierbefall, kein Hantavirus-Übertragungsweg
Das spanische Gesundheitsministerium wies die Bedenken mit einem ausführlichen Bericht zurück. Darin heißt es, die Patagonische Langschwanzwühlmaus lebe ausschließlich in Wäldern und Steppen des südlichen Argentiniens und Chiles und komme weder in Häfen noch an europäischen Küsten vor.
Die Nagetierart sei nicht in der Lage, längere Strecken im Wasser zurückzulegen oder von Bord an Land zu gelangen. Zudem fanden sich auf dem Schiff keinerlei Hinweise auf Nagetierbefall. Im Gegenteil wurden die allgemeine Hygiene und der technische Zustand als vorbildlich eingestuft.
Bei der „Hondius“ handelt es sich laut Ministerium um ein modernes Schiff, das strenge Umwelt- und Hygieneauflagen erfülle. Regelmäßige internationale Inspektionen ergaben keine Anzeichen eines Nagerbefalls. Sogar davon abgesehen stufen Experten das Risiko einer Einschleppung des Virus durch Tiere als „entfernt“ ein.
Experten: Ratten mit Hantavirus an Bord der Hondius eher unwahrscheinlich
Die Analyse des Infektionsgeschehens legt nah, dass die betroffenen Passagiere bereits vor der Reise in Argentinien mit dem Andes-Virus in Kontakt gekommen waren, wo das Virus endemisch ist. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch oder durch Tiere an Bord wurde nach Einführung verschärfter Hygienemaßnahmen nicht mehr festgestellt: Seitdem wurden keine neuen Fälle dokumentiert. Die Gesundheitsexperten betonen: Hätte es infizierte Tiere an Bord gegeben, wären weitere Infektionen aufgekommen.
Die Patagonische Langschwanzwühlmaus gilt als nachtaktiv, bevorzugt dichte Vegetation und meidet Häfen sowie Städte. Eine Ansiedlung auf Teneriffa sei aus biologischer Sicht nahezu ausgeschlossen. Die Behörden wollen dennoch die Kontrollen von Kreuzfahrtschiffen fortsetzen, sehen jedoch keinen Anlass für weitergehende Maßnahmen.
Hondius löst auf Teneriffa politische Debatte aus
Kanaren-Präsident Clavijo begründete den zunächst geplanten Einlaufstopp auch damit, dass nicht alle Heimatländer der Passagiere Flüge für Sonntag bereitstellen konnten. Öffentlich bestand er auf „Risiko null“ und maß der Frage nach einem möglichen Rattenbefall hohe Bedeutung bei.
Spaniens Gesundheitsministerium hielt dagegen: Jährlich laufen mehr als 500 Kreuzfahrtschiffe aus Regionen mit Hantavirus-Vorkommen europäische Häfen an, ohne dass bislang ein einziger Übertragungsfall dokumentiert wurde, hieß es aus Madrid.
Beobachter werteten schon allein die Debatte als potenziellen Image-Schaden für Teneriffa und die Kanarischen Inseln. Einzelne Stimmen sprachen von einem politischen Fehltritt, da der Eindruck überzogener Alarmstimmung entstanden sei.
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Hantavirus-Schiff „Hondius“ erreicht Teneriffa: Hier ankert es![]()











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Hantavirus auf Teneriffa: So schätzen Experten das Risiko ein
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