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Woran Sie einen deutschen Handwerker auf den Kanaren erkennen

Der Zollstock und das Maßband haben die gleiche Aufgabe. Dennoch stehen sie für kulturelle Unterschiede. Unser Autor, selbst Handwerker, kennt sie.

Von Thomas Koch – Lesedauer: 2 Minuten – 0 Leserkommentare bei Teneriffa News

Wer aus Mitteleuropa auf die Kanaren kommt, merkt schnell: Hier läuft vieles ein wenig anders. Nicht schlechter, nicht besser, einfach anders. Und kaum etwas zeigt diesen Unterschied so anschaulich wie das Aufmaß: In Deutschland dominiert der Zollstock, auf den Kanaren das flexible Maßband. Zwei Werkzeuge, zwei Mentalitäten.

In Deutschland ist der Zollstock wie ein Symbol für Präzision. Er klappt aus, rastet ein, bleibt gerade, und man kann ihn sauber anlegen. Das Aufmaß folgt einer klaren Logik: Ende anlegen, ausklappen, ablesen. Nur wenn die Strecke länger ist als der Zollstock selbst, setzt man einen Punkt und misst von dort weiter. Stabil, verlässlich, millimetergenau.

Auf den Kanaren dagegen regiert das Maßband. Ein Werkzeug, das sich biegt, einrollt, durchhängt und gelegentlich seinen eigenen Willen hat. Es wird für alles verwendet: Raumhöhen, Wandlängen, Fensteröffnungen, Balkone. Und es wird mit einer Selbstverständlichkeit eingesetzt, die jeden deutschen Handwerker die Stirn runzeln lässt.

Kanaren: Maßband über Kopf ist unzuverlässig wie eine Schnur

Sobald das Band über Kopfhöhe hinaus muss, beginnt ein kleines Schauspiel: Es knickt ein, hängt durch, rollt sich halb ein und trotzdem wird weitergemessen. Wenn etwas länger als zwei Meter ist, kommt niemand auf die Idee, eine Markierung zu setzen und von dort aus weiter zu messen. Nein, es braucht einfach ein längeres Maßband. Dass dieses dann bei Überkopfmessungen zuverlässig durchhängt, ist eben so. Am Ende steht ein Wert da, der ungefähr stimmen dürfte. Und das reicht.

Auch bei Bauwerken zeigt sich diese entspannte Haltung. Zwei Mauern, die auf dem Plan parallel liegen, laufen in der Realität gern ein wenig konisch zu. Nicht dramatisch, aber gerade so, dass der Fliesenleger es erst bei der letzten Reihe bemerkt und dann leise vor sich hinflucht, während er versucht, die Sache irgendwie auszugleichen.

Es ist eine Art geometrische Großzügigkeit, die hier niemanden wirklich stört. Man arrangiert sich, schiebt ein wenig, dreht ein bisschen und am Ende passt es dann doch.

Aufmaß auf kanarisch: Anders ist nicht gleich schlechter

Trotz aller Improvisation entstehen auf den Kanaren Arbeiten, die zuverlässig, solide und überraschend langlebig sind. Türen, Fenster, Balkone: Vieles davon ist handwerklich sauber gemacht, häufig sogar beeindruckend gut. Nur eben auf eine andere Art.

Vielleicht ist das die eigentliche Lektion: Man muss nicht alles millimetergenau messen, damit es am Ende funktioniert. Hier ticken die Uhren anders, aber sie gehen erstaunlich zuverlässig.

Unser Autor ist vom Fach: Er hat vor seiner Auswanderung nach Teneriffa selbst viele Jahre als Handwerker gearbeitet.


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Über den Autor

Woran Sie einen deutschen Handwerker auf den Kanaren erkennen

wurde geschrieben von:

Thomas Koch

Thomas Koch ist seit mehr als 50 Jahren Fotograf. Für Teneriffa News ist er mit der Kamera, aber auch mit Block und Stift unterwegs. Zum Autorenprofil von Thomas Koch.

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