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Stille Gefahr: So erkennen Sie Strömungen vor den Kanaren

Der Atlantik vor den Kanaren wirkt oft ruhig und einladend. Doch hinter dieser Ruhe steckt ein unberechenbares Meer. So können Sie es entschlüsseln.

Von Thomas Koch – Lesedauer: 4 Minuten – 0 Leserkommentare bei Teneriffa News

Das Wichtigste in Kürze:
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  • Rippströmungen vor den Kanaren erkennt man an ruhigen Bereichen zwischen brechenden Wellen, dunklerem Wasser und nach außen ziehendem Schaum. Wer hineingerät, sollte seitlich rausschwimmen statt gegen die Strömung anzukämpfen.
  • Der Atlantik ist unberechenbarer als das Mittelmeer: Wellen ändern sich ohne Vorwarnung, Wetter-Apps und das Verhalten von Fischern geben Hinweise auf die aktuelle Gefährdungslage.
  • An abgelegenen Buchten und Charcos fehlen Rettungsschwimmer. Niemals sollten dort alle Strandbesucher gleichzeitig ins Wasser gehen, mindestens eine Person sollte zur Sicherung am Ufer bleiben.
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Die Küsten der Kanaren gehören zu den eindrucksvollsten des Atlantiks: wild, rau und voller Energie. Wer hier badet, spürt sofort, dass der Nordatlantik ein anderes Wesen hat als das Mittelmeer.

Beide Meere können gefährlich sein, auch im Mittelmeer kommt es jedes Jahr zu tödlichen Badeunfällen. Doch der Atlantik ist insgesamt wilder, unberechenbarer und kraftvoller. Seine Brandung ist stärker, seine Strömungen komplexer und Wetterwechsel wirken sich schneller und deutlicher auf die Bedingungen aus. Wer das unterschätzt, bringt sich unnötig in Gefahr.

Eine Rippströmung (Foto oben), die das Wasser unsichtbar für viele Badegäste zurück ins offene Meer zieht, gehört zu den gefährlichsten Phänomenen an den Küsten der Kanaren. Sie führt immer wieder zu Notfällen. Rippströmungen entstehen, wenn Wasser, das zuvor als Welle breit an den Strand schwappte, in einem schmalen Kanal wieder hinausströmt. Für Ungeübte Augen wirkt das harmlos, doch wer genau hinsieht, erkennt die Zeichen:

Wellen und Strömungen auf den Kanaren richtig deuten

Wellen, die links und rechts brechen, während die Mitte seltsam ruhig bleibt, sind charakteristisch. Dunklere Wasserflächen, die tiefer wirken. Sand oder Schaum, der sichtbar nach außen gezogen wird. Eine Oberfläche, die unruhig wirkt, obwohl rundherum alles gleichmäßig erscheint. Schwimmer, die in eine solche Strömung geraten, werden in Sekunden hinausgezogen und verlieren schnell Kraft.

Dabei gibt es eine einfache, lebensrettende Reaktion: nicht kämpfen, sondern seitlich aus der Strömung hinausschwimmen. Und wenn das nicht gelingt, treiben lassen bis die Strömung endet. Der Instinkt sagt „zurück zum Strand“, doch genau das ist der Fehler, der Menschen in Panik bringt.

Auch die Brandung selbst wird oft unterschätzt. Schon vergleichsweise kleine Wellen können eine enorme Kraft entwickeln, besonders dann, wenn sie auf Felsen treffen oder sich mit Strömungen kombinieren. Wer am Ufer steht und das Meer eine Weile beobachtet, erkennt schnell, wie wechselhaft die Bedingungen sein können.

Die Höhe und die Kraft der Wellen verändern sich ständig – oft ohne Vorwarnung. Deshalb lässt sich nicht eindeutig sagen, wann das Baden sicher ist. Entscheidend ist, die Dynamik des Atlantiks ernst zu nehmen und im Zweifel draußen zu bleiben.

Fischer als Indiz für Kanaren-Wellen

Hilfreich kann auch ein Blick auf den Wetterbericht sein. Apps wie Meteoblue zeigen Wellenhöhe und Dünung an: Werte, die einen Eindruck davon geben, wie aktiv der Atlantik gerade ist. Ein weiteres Indiz sind Fischer und kleine Sportboote: Wenn niemand ausläuft, ist das ein deutliches Warnsignal.

Umgekehrt gilt jedoch: Auch wenn der Wetterbericht gut aussieht und Boote draußen sind, ersetzt das nicht die eigene Vorsicht. Der Atlantik bleibt ein dynamisches Meer, das sich jederzeit verändern kann.

Buchten und Charcos der Kanarischen Inseln

Neben den bekannten Stränden gibt es auf den Kanarischen Inseln zahlreiche kleine Buchten und abgelegene Küstenabschnitte, an denen keine Flaggen wehen und keine Rettungsschwimmer im Einsatz sind. Es sind Orte, die wunderschön und oft menschenleer sind. Doch gerade deshalb ist besondere Vorsicht geboten. Wer dort badet, muss sich selbst vergewissern, wie aktiv das Meer ist, denn Warnhinweise oder Hilfe gibt es nicht. Die Abgeschiedenheit macht diese Plätze reizvoll, doch sie bedeutet auch, dass im Ernstfall niemand eingreifen kann.

Besonders tückisch sind die Charcos, die natürlichen Meerwasserbecken in den Felsen an den Küsten. Sie wirken harmlos, wie kleine Naturpools. Doch auch hier können plötzlich Wellen über die Felsen schwappen, Strömungen unter der Oberfläche entstehen oder rutschige Steine zum Verhängnis werden. Wer dort allein badet, hat im Ernstfall niemanden, der helfen kann.

Kanaren: Allein am Strand? Dann absichern!

Vielleicht hilft ein Vergleich aus einer ganz anderen Welt: dem Klettern im Fels. Auch dort geht nie die ganze Gruppe gleichzeitig ins Risiko. Einer steigt vor, ein anderer sichert. Das geschieht nicht aus Angst, sondern weil es zum sicheren Klettern dazugehört. Genauso sollte es am Atlantik sein. Mindestens eine Person bleibt am Ufer, aufmerksam und bereit, Hilfe zu holen. Wenn beide gleichzeitig im Wasser sind, kann niemand reagieren, wenn etwas passiert. Und im Atlantik passieren Dinge oft schnell und lautlos.

Hartnäckig hält sich zudem das Gerücht, jede neunte Welle sei größer als die anderen. Das klingt einprägsam, ist jedoch unkorrekt. Der Atlantik zählt nicht mit. Wellen entstehen durch Wind, Strömung, Unterwasserform und Zufall – nicht durch Mathematik.

Die Kanaren und der Respekt vor dem Atlantik

Große Brecher, die sogenannten Kawenzmänner, tauchen immer wieder und dabei fast immer überraschend auf. Entscheidend ist nicht das Zählen, sondern das Beobachten: Wie verhält sich das Meer heute, wie stark ist die Brandung. Der Atlantik folgt seinen eigenen Regeln, und er hält sich garantiert nicht an Volksweisheiten.

Am Ende geht es nicht darum, Angst zu verbreiten. Es geht um Respekt. Der Atlantik ist ein faszinierender, lebendiger Ozean. Kraft und Schönheit ziehen an. Strandbesucher, die seine Zeichen lesen können, sind sicher. Wer sie ignoriert, bringt sich unnötig in Gefahr. Die Küsten der Kanaren sind ein Geschenk. Zumindest, wenn man weiß, wie ihnen zu begegnen ist.


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Über den Autor

Stille Gefahr: So erkennen Sie Strömungen vor den Kanaren

wurde geschrieben von:

Thomas Koch

Thomas Koch ist seit mehr als 50 Jahren Fotograf. Für Teneriffa News ist er mit der Kamera, aber auch mit Block und Stift unterwegs. Zum Autorenprofil von Thomas Koch.

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