Mehr als jedes dritte Auto, das auf den Kanarischen Inseln unterwegs ist, gehört einem Mietwagen-Unternehmen. Das zeigen die Daten der Zulassungsstellen in Spanien. Auf den Kanaren wird jetzt eine Obergrenze diskutiert. Dafür gibt es ein prominentes Beispiel.
Mietwagen gelten auf dem Archipel als touristisches Fortbewegungsmittel Nummer eins, gefolgt vom ÖPNV und Taxis. Geht es nach der EMSICAN, soll sich das bald ändern. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die etwas sperrig bezeichnete «Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität der Kanarischen Inseln».
In einem Dokument wird nun der Vergleich zu anderen touristisch geprägten Regionen gezogen. Dort, so heißt es, wurde erfolgreich eine Obergrenze für Mietwagen beschlossen. Eine solche Quote gibt es beispielsweise seit dem vergangenen Jahr auf Ibiza. Auf den Kanaren hingegen werde ein «bemerkenswert unkontrollierter» Anstieg an Leihwagen registriert.
Kanaren wollen weniger Mietwagen
Laut EMSICAN habe nicht die größte Kanaren-Insel die meisten Mietwagen, sondern die am stärksten frequentierte. Teneriffa zählt demnach 3131 Leihautos, Gran Canaria mit 10.434 mehr als das Dreifache. Es folgt Lanzarote mit 2643. Mit Blick auf die Zulassungen waren im laufenden Jahr vier von zehn Autos Mietwagen. 60 Prozent aller Fahrten zu Wahrzeichen würden von Touristen im gemieteten Individualverkehr bestritten.
Das jüngste Dokument hält fest, dass es eine «Notwendigkeit» gebe, Mietwagen «zu regulieren». Denn es gebe zwar zahlreiche Bedingungen zu Fahrtüchtigkeit, Wartungsintervallen und allgemeinem Zustand, jedoch keine Obergrenze für Zulassungen. In diesem Zuge könne auch eine Quote für Elektrofahrzeuge eingezogen werden, heißt es weiter.
Aus Kreisen der Kanaren-Regierung wird ausdrücklich von einer Entwurfsphase gesprochen. Doch die Bereitschaft, dem Vorbild der Balearen zu folgen, sei gegeben. Eine konkrete Verordnung müsste jedoch zunächst durch alle Gremien. Eine zügige Umsetzung gilt als unwahrscheinlich.















«Kanaren wollen Mietwagen beschränken»
Grundsätzlich ist die Idee begrüßenswert, verursacht hat das Problem aber die Politik selber.
Die Busverbindungen zu Wanderungen im Anaga-Gebirge oder zum Teide oder zur Masca-Schlucht sind oft viel zu selten oder gar nicht verfügbar oder sie werden mit Kleinbussen bedient, bei denen eine Mitfahrt nicht garantiert ist.
Hinzu kommt, dass ein Auto für zwei Personen viel flexibler und inklusive erspartem Transfer vom Flughafen auch günstiger ist.
Will man also den ÖPNV stärken, müssen die Busse mehr Ziele ansteuern, deutlich öfter fahren und preiswerter sein. Ein Wochenticket für Teneriffa ist ja schon fast so teuer, wie das Deutschlandticket im Monat.
Sofern die o.g. Voraussetzungen nicht erfüllt werden, wird man eher Wandertouristen, als Sauftouristen auf der Insel verlieren.