Die Regionalregierung der Kanaren fordert von der spanischen Zentralregierung dringend Informationen über die Anwendung des Europäischen Migrations- und Asylpakts. Das Inkrafttreten der Regelung ist für den 12. Juni geplant, doch wesentliche Details zur Umsetzung sind den Inseln nach eigener Darstellung weiterhin unbekannt.
Der Consejo de Gobierno genehmigte am Montag einen Bericht, den Sozialministerin Candelaria Delgado vorlegte. In dem Dokument wird die unzureichende Informationspolitik der Zentralverwaltung kritisiert. Zudem listet es Stellungnahmen des Einwanderungsforums der Kanarischen Inseln, Foro Canario de la Inmigración, auf.
Die Regionalregierung verlangt vom Innenministerium und weiteren zuständigen Stellen konkrete Angaben zur vorgesehenen Ressourcenausstattung, damit öffentliche Dienste wie Gesundheitsversorgung, Bildung, Sozialdienste, Wohnungswesen und Sicherheit nicht beeinträchtigt werden.
Kanaren kritisieren neuen EU-Migrationspakt und Spaniens Haltung dazu
Kanaren-Präsident Fernando Clavijo hatte bereits am 26. Mai einen Brief an Ministerpräsident Pedro Sánchez in Madrid geschickt. Darin teilte Clavijo die gemeinsame Sorge mit der baskischen Regierung über die Auswirkungen des neuen europäischen Reglements auf Gebiete mit besonderem Migrationsdruck mit und forderte ein dringendes Treffen mit allen autonomen Gemeinschaften, um die Details der Anwendung des Pakts zu erfahren.
Delgado kritisierte zudem, dass die Kanaren von der Ausarbeitung des Plan Nacional zur Umsetzung des Pakts ausgeschlossen wurden. Die Regionalregierung fordert die direkte Beteiligung an den Mechanismen zur Überwachung, Kontrolle und Entscheidungsfindung im Bereich Aufnahme und Migrationsmanagement. Sowohl der Bericht als auch der Brief Clavijos betonen, dass diese Beteiligung nicht auf eine beratende Rolle beschränkt werden dürfe.
Nach Darstellung Clavijos könnte die neue Regelung die Aufenthaltsdauer von Migranten auf den Inseln verlängern, da die europäische Gesetzgebung neue Kontrollen einführt. Dies könne einen deutlichen „Migranten-Stau“ auf den Kanaren erzeugen, hieß es.
Kanaren-Migration: 165.562 Ankünfte seit 2020
Aktuell befinden sich 2989 unbegleitete minderjährige Migranten unter der Vormundschaft der Regionalregierung auf den Inseln. In der Vergangenheit waren es mehr als 6000.
Zwischen den Jahren 2020 und 2025 erreichten 165.562 Personen an Bord von 3216 Booten die Kanaren. Die atlantische Migrationsroute gilt als eine der gefährlichsten der Welt. Im Jahr 2025 starben laut Daten der NGO Caminando Fronteras, die Delgado zitierte, 1906 Personen beim Versuch, die Küsten der Inseln zu erreichen. Die Dunkelziffer gilt als deutlich höher. Zuletzt war die Zahl ankommender Migrantenboote deutlich gesunken.
















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