Noch sieht es stellenweise stark nach Baustelle aus. Trotzdem ist sich Teneriffas Politik sicher: Der Zeitplan für den Inselring kann gehalten werden. Durch das ambitionierte Projekt verliert die größte Kanaren-Insel bald ihr Nadelöhr im Norden, da es endlich nicht mehr alternativlos bleibt, über La Laguna auf die andere Seite Teneriffas zu fahren.
Der Tunnel von Erjos wird dabei zum längsten Bauwerk seiner Art auf den Kanarischen Inseln. Mit ihm rückt die Fertigstellung einer der wichtigsten Straßenverbindungen Teneriffas in greifbare Nähe. Diese unterirdische Passage bildet das Herzstück des sogenannten Anillo Insular, dem Inselring.
Die kanarische Regierung plant den Abschluss des Abschnitts zwischen Santiago del Teide und El Tanque weiterhin für das erste Quartal 2027. Das Vorhaben zählt zu den bedeutendsten Verkehrsprojekten der Kanarischen Inseln und wird die Autobahnen TF-1 im Süden und TF-5 im Norden erstmals direkt miteinander verknüpfen.
Inselring: Teneriffa-Umrundung bald deutlich schneller
Die neue Trasse ersetzt die bisherige TF-82 und soll die Fahrzeit zwischen Norden und Süden bei günstigem Verkehr nahezu halbieren. Ausgeführt wird das Vorhaben von einer Arbeitsgemeinschaft aus den Unternehmen FCC Construcción, Syocsa-Inarsa und El Silbo, deren Auftrag sich nach einer turbulenten Vergabegeschichte auf ein Budget von 288,7 Millionen Euro beläuft. Der Bau des Abschnitts begann bereits am 25. November 2019 und dauert damit inzwischen mehr als sechs Jahre an.
Von der Gesamtsumme sind bereits 202,2 Millionen Euro verbaut, mehr als 70 Prozent des Projekts also. Auf der Baustelle arbeiten aktuell 50 Menschen direkt, hinzu kommen 110 indirekt beschäftigte Kräfte in Zulieferbetrieben und bei Hilfsarbeiten.
Der Abschnitt zwischen El Tanque und Santiago del Teide misst 11,3 Kilometer, wobei nur im Tunnel selbst vier Fahrspuren zur Verfügung stehen. Auf dem restlichen, offenen Streckenverlauf verläuft bislang lediglich eine einspurige Fahrbahn von 3,5 Metern Breite je Richtung, ein Punkt, an dem gegenüber dem ursprünglichen Entwurf noch nachgebessert werden soll. Denn strenggenommen wird so das Versprechen einer kompletten Insel-Umrundung via Autobahn noch nicht eingehalten.
Riesiges Tunnelprojekt auf Teneriffa
Herzstück der Trasse bleibt der Tunnel unter dem Erjos-Massiv, dessen Aushub am 7. Oktober 2020 begann. Zwei parallele Röhren von je knapp 5,1 Kilometern Länge durchqueren das Gestein, wovon knapp 4,9 Kilometer im Bergbauverfahren ausgehauen wurden, ergänzt durch zwei sogenannte falsche Tunnel von 140 Metern Länge im Süden und 100 Metern Länge im Norden.
Vier Zugangspunkte ermöglichten gleichzeitiges Arbeiten rund um die Uhr in drei Schichten, hauptsächlich mittels kontrollierter Sprengungen. Die Durchschläge gelangen am 26. Juni 2023 in Richtung Santiago del Teide und am 14. August desselben Jahres in Richtung El Tanque, ehe am 10. Oktober 2024 die komplette Aushubphase beider Röhren endete.
Der 5,1 Kilometer lange Tunnel wird nach Fertigstellung nicht nur der längste der Kanaren sein, sondern auch der drittlängste Spaniens. Übertroffen wird er lediglich vom Manzanares-Tunnel in Madrid (5973 Meter) und dem Tunnel von Viella in Lleida (5260 Meter). Die Durchfahrt soll künftig zwischen sieben und zehn Minuten dauern, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde. 19 Verbindungspunkte alle 500 Meter sichern beide Röhren gegenseitig ab. Zwischen dem Eingang in Santiago del Teide und dem Ausgang in El Tanque liegt ein Höhenunterschied von 150 Metern.
Die Verkehrsprognosen fallen deutlich höher aus als ursprünglich angenommen. Während Studien aus den späten 1980er-Jahren von rund 5000 Fahrzeugen täglich ausgingen, rechnen aktuelle Analysen im ersten Betriebsjahr mit etwa 17.000 Fahrzeugen pro Tag, langfristig könnten es sogar 30.000 werden. Die neue Straße soll zudem den Verkehr entlasten, der bislang über den Osten der Insel läuft. Sie soll die Staus rund um Santa Cruz de Tenerife und La Laguna verringern. Für die Gemeinden im Nordwesten der Insel gilt das Projekt als wichtiger Wirtschaftsmotor, der den Warentransport erleichtert.
Letzte Etappe für Teneriffas Jahrzehnte-Projekt
Im Januar 2026 genehmigte die Generaldirektion für Straßeninfrastruktur eine Projektänderung im Wert von 21,49 Millionen Euro, umgerechnet 8,9 Prozent des laufenden Budgets. Sie zielt auf weniger Treibhausgase, geringere Abhängigkeit von fossilen Energien und modernere Sicherheitstechnik im Tunnel ab. Vorgesehen ist unter anderem eine Photovoltaikanlage über dem Tunneleingang bei Santiago del Teide, ergänzt durch vier Wechselrichter mit je 125 Kilowatt Nennleistung. Die Anlage soll künftig etwa 55 Prozent des Strombedarfs des Tunnels decken. Eine veränderte Tunnelverkleidung aus Spritzbeton soll zudem den Betonverbrauch senken und den Ausstoß von rund 32.000 Tonnen Kohlendioxid vermeiden.
Mit mehr als zwei Dritteln der Gesamt-Strecke fertiggestellt sowie den technisch komplexesten Abschnitten bereits fertig gebaut, geht das Jahrzehnte alte Vorhaben nun in die Schlussphase. Der zuständige Minister Pablo Rodríguez sieht darin einen Meilenstein, der den Norden und Süden deutlich schneller und angenehmer miteinander verbindet sowie die Verkehrssicherheit erhöht. Zudem sei der wirtschaftliche Faktor für die bislang schlecht angebundene Region nicht zu unterschätzen.
















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