Zum Inhalt springen
Freitag, 21. August 2026
Kanaren

Viele Touristen, kleinere Familien: Das ist die wahre Herausforderung der Kanaren

Das Familienmodell auf den Kanaren ändert sich. Minimale Emanzipation stellt den Archipel vor maximale Herausforderungen.
Das Wichtigste in Kürze:
Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung ausblenden
  • Das Statistikinstitut INE erwartet auf den Kanaren binnen 15 Jahren einen Bedarf von rund 100.000 zusätzlichen Haushalten.
  • Sechs Gemeinden halten mehr Unterkünfte für Touristen als für Einwohner vor, während der Wohnraum für Anwohner knapp wird.
  • Sinkende Haushaltsgrößen und eingebrochene Neubauzahlen verschärfen den Bedarf an dauerhaftem Wohnraum um etwa 11,5 Prozent.
Unsere Mitglieder sehen hier eine praktische Zusammenfassung

Die Kanarischen Inseln werden einer Hochrechnung zufolge rund 100.000 zusätzliche Haushalte bekommen. Das führt zu einer signifikanten Veränderung des Archipels. Daher lohnt ein Blick auf die Einwohnerstruktur. Und der fördert Spannendes zutage.

Sechs Gemeinden der Kanarischen Inseln halten mehr Platz für Touristen vor als für Einwohner. Das zeigen Daten der Tourismusbeobachtungsstelle der Kanarischen Inseln. Demnach sind nicht durchgehend mehr Urlauber vor Ort, die Belegungszahlen machen das jedoch rechnerisch über die meisten Monate des Jahres wahrscheinlich.

Zugleich rechnet das nationale Statistikinstitut INE damit, dass die Zahl der Haushalte auf den Kanaren von heute 871.000 auf 971.000 in 15 Jahren anwachsen wird. Damit benötigen die Kanaren dringend mehr dauerhaften Wohnraum. Beide Entwicklungen beißen sich also.

Hier ist die Touristendichte auf den Kanaren am größten

Die bezogen auf die Unterkünfte am stärksten touristisch ausgelegten Gemeinden sind Pájara auf Fuerteventura, Yaiza und Tías auf Lanzarote, Mogán und San Bartolomé de Tirajana auf Gran Canaria und Adeje auf Teneriffa. In Pájara gibt es Orte wie Morro Jable und Costa Calma. Yaiza ist wesentlich von Playa Blanca geprägt. In Tías liegt Puerto del Carmen und in Mogán werben Reiseziele wie Puerto Rico und Puerto de Mogán um mehr Urlauber als Anwohner. San Bartolomé de Tirajana ist durch Playa del Inglés und Maspalomas wesentlich touristisch geprägt und in Adeje liegen die Tourismus-Hochburgen Playa de Las Americas und Costa Adeje.



In stark touristisch geprägten Orten auf den Kanaren sind bis zu 71 Prozent der Personen Urlauber. Das zeigt ein Bericht aus der Boomphase des Kanaren-Tourismus in der Hochsaison 2024. Diese Gemeinden sind klar darauf ausgelegt, meist mehr Touristen als Einwohner zu zählen. Die Infrastruktur und die lokale Wirtschaft wurden über Jahrzehnte auf große Urlaubervorkommen abgestimmt.

Kanaren brauchen mehr Wohnraum

Doch ein Blick über die Gegenwart hinaus zeigt, dass die Inseln in eine Wohnkrise hineinschlittern. Aktuell steht etwa eins von zwei Touristenbetten in Hotels. Der Rest verteilt sich auf Apartments, Wohnungen, Fincas und ganze Häuser zur touristischen Vermietung. Genau diese Wohnräume fehlen dem Mietmarkt. Werden bis 2041 gut 100.000 weitere Haushalte benötigt, bedeutet das eine Herkulesaufgabe für die Politik.

Nicht alle dieser Haushalte müssen neu gebaut werden, mindestens jedoch saniert. Denn Wohnraum kann zum Teil durch aktuell verlassene Wohnungen sowie brach liegende Häuser und Grundstücke erzeugt werden. Allerdings werden auch neue Wohngebiete entstehen müssen (mehr dazu hier). Allerdings ist die Zahl der Neubauten zuletzt deutlich eingebrochen.

Die Kanaren reagierten kürzlich immerhin durch die Ankündigung, Baugenehmigungen künftig deutlich schneller zu vergeben. Ob das jedoch einen Bedarf von rund 11,5 Prozent mehr Wohnraum stillen kann, ist zweifelhaft. Immerhin stehen die Kanaren mit diesem Problem nicht allein da. In Murcia würde der Anstieg laut Bericht knapp 21 Prozent bedeuten, in der Region Valencia 16 Prozent und auf den Balearen knapp 15 Prozent.

Kanaren: Bald weniger Generationen unter einem Dach?

Ein Grund für diese Entwicklung ist auch das Wohnmodell. Aktuell leben oft mehrere Generationen zusammen. Erwartet wird eine Abnabelung und unter anderem dadurch eine sinkende Anzahl von Personen pro Haushalt. Leben aktuell durchschnittlich 2,6 Menschen darin zusammen, sind es in 15 Jahren laut Prognose 2,56.

Was nach einer minimalen Veränderung klingt, hat bei zugleich steigenden Einwohnerzahlen enorme Auswirkungen. In La Laguna auf Teneriffa leben aktuell mehr als 161.000 Menschen. Dort würde allein diese kleine Veränderung einen zusätzlichen Bedarf von etwa 965 zusätzlichen Wohnungen oder Häusern bedeuten. Single-Haushalte sollen dann eine Rate von 29 Prozent erreichen.

Die Kanaren stehen damit nicht nur vor der Aufgabe, mehr Grundstücke zu bebauen, sondern vor allem, vorhandenen Wohnraum klüger zu nutzen. Und sich mit der Rück-Umwidmung zu beschäftigen. Erste Vorstöße dafür gibt es bereits (siehe nachfolgend). Vor allem aber würde das eine noch stärkere Aufteilung zwischen den touristischen Gemeinden und eher anwohnergeprägten Orten bedeuten.

Kommentare

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Kommentieren ist Teneriffa-News-Mitgliedern vorbehalten. Jetzt anmelden oder Mitglied werden.