Mit Ende der Gesundheitskrise kam der Boom der Mietwagen auf den Kanaren. Gab es früher eine Handvoll Anbieter an den Flughäfen des Archipels, werden inzwischen hektarweise Freiflächen rund um die Airports mit Autos zugestellt. Shuttles bringen Kunden zu ihren weit entfernten Ferienautos. Doch dieser Boom scheint vorbei.
Die Mietwagen-Unternehmen der Kanaren müssen „den Gürtel enger schnallen“. Das jedenfalls sagt der Vorsitzende der Branchenvertretung, César Martín. Grund dafür seien vor allem steigende Reisekosten. Denn während Pauschalreisen auf die Kanaren immer teurer werden (mehr dazu hier), bleibe weniger Geld für einen Mietwagen.
Doch laut Vereinigung sei das nicht alles. Auch die Art des Tourismus mache es der Branche schwer. Und so steht der Markt vor schwierigen Entscheidungen. Entweder wird der Mietwagen zum Luxusgut und weniger Bestellungen müssen durch höhere Preise kompensiert werden oder es entsteht ein neuer Preiskampf zugunsten der Kunden. Der Branchenvertreter hat dazu eine klare Meinung:
Mietwagen auf den Kanaren werden zum Luxusgut
Galten Mietwagen auf den Kanarischen Inseln noch bis 2019 als enorm erschwinglich und hielten viele Besucher vom ÖPNV fern, sind die Preise inzwischen deutlich geklettert. Martín erklärt das mit teils enormen Preissteigerungen. Fahrzeuge und Personal seien die wesentlichen Treiber. Selbst Kleinwagen seien inzwischen deutlich teurer geworden, dazu seien die Löhne in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.
Trotz des starken Konkurrenzdrucks der vergangenen Jahre sind die Preise für Mietwagen seit Ende der Krise um „bis zu 40 Prozent“ gestiegen. Laut Martín sei es „unmöglich“, an vorherigen Preisstrukturen festzuhalten. Dies jedoch gilt für den gesamten Urlaub und so muss eine Familie inzwischen mehrere Tausend Euro für eine Woche Kanaren-Urlaub bezahlen. Kommt ein mittelgroßer Mietwagen hinzu, schlägt das inzwischen merklich zu Buche. Das halte mehr Kunden davon ab, ein eigenes Auto zu buchen.
Kanaren-Urlaub benötigt nicht mehr zwingend einen Mietwagen
Doch Martín sieht auch einen weiteren Aspekt: Die Art des Urlaubs verändere sich zuungunsten seiner Branche. Man sehe einen Trend hin zu Entspannungsurlaub. Mehr Kanaren-Touristen würden die Inseln gar nicht mehr erkunden wollen, sondern lieber am Strand oder dem Swimmingpool liegen. Das führe dazu, dass viele der angeschafften Autos zeitweise nicht benötigt würden.

Und doch schaffen die Unternehmen weitere Wagen an, um die Nachfrage in der Hochsaison bedienen zu können. Fast 93.000 Mietwagen sind inzwischen auf den Inseln zugelassen. Das schlägt sich in der Preispolitik nieder: In Phasen hoher Nachfrage steigen die Preise nach den Gesetzen der Marktwirtschaft. Sinkt der Bedarf, müssen die aktiven Mietautos die stehenden Fuhrparks querfinanzieren. Der Branchenexperte bestätigt das indirekt: „Auch wenn Sie viele Mietwagen auf den Straßen sehen, gibt es weiterhin freie Fahrzeuge. Die Leute könnten problemlos reservieren.“
In Zukunft wird damit die Logistik relevanter. Um nicht auf allen Inseln zu allen Zeiten Autos vorzuhalten, müssen die freien Wagen intelligent verteilt werden. Ein Extrembeispiel ist der Vulkanausbruch auf La Palma, in dessen Folge nahezu keine Pkw angemietet wurden.
Unternehmen, die ihre Flotten zu Phasen steigender Nachfrage intelligent zwischen den Inseln bewegen, haben dauerhafte Überlebenschancen – und können ihren Kunden bessere Preise anbieten. Wobei selbst dann die Transportkosten kalkuliert werden müssen. Der Weg der Mietwagenpreise auf den Kanaren bleibt damit vorerst auf seinem eingeschlagenen Kurs: weiter nach oben.
















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