Die Reblaus hat im vergangenen Jahr viele Weinberge Teneriffas fest im Griff gehalten. In diesem Sommer wurde weiteres Ungeziefer entdeckt: Die Landwirtschaft auf den Kanaren kämpft mit massiven neuen Schädlingsproblemen.
Der Verband der Landwirte und Viehzüchter der Kanarischen Inseln (ASAGA) warnt vor gravierenden Ernteausfällen beim Anbau von Bananen, Avocados und Ananas auf El Hierro. Zwei Jahre lang haben Landwirte vergeblich auf eine Ausnahmegenehmigung für bestimmte Pflanzenschutzmittel gewartet, die den Einsatz gegen weiße Fliegen und Schildläuse erlauben würde.
Das subtropische Klima begünstigt eine ganzjährige Ausbreitung dieser Schädlinge. Anders als in Kontinentaleuropa gibt es auf Teneriffa oder El Hierro keine winterlichen Frostphasen, die Insektenpopulationen natürlich eindämmen. Die Plagen schwächen Pflanzen, übertragen Viren und drücken die Erträge so weit, dass eine Vermarktung oft nicht mehr möglich ist. Und das hat auch Folgen für Verbraucher:
Kanaren kämpfen gegen Schädlinge
Auf El Hierro haben viele Pflanzen in der Folge von Schädlingsbefall ihre Wurzeln verloren und gelten als komplett oder nahezu zerstört. Die Erzeuger weichen wegen der Verbote von Giftstoffen auf aufwendige Alternativmethoden aus. Bananenplantagen werden regelmäßig mit Hochdruckwasser und pflanzlichen Ölen behandelt, teils alle zwei bis drei Wochen. Der finanzielle Aufwand sei erheblich, berichtet der Verband.
Insbesondere beim Bananenverkauf auf das spanische Festland lässt die Preissituation wenig Spielraum für steigende Produktionskosten. Bei Avocados erlaubt der Marktpreis immerhin ein etwas höheres Kostenniveau.
Pflanzenschutzmittel: EU erlaubt Kanaren keine Ausnahmen
ASAGA-Generalsekretär Theo Hernando macht restriktive EU-Vorgaben für die Lage verantwortlich: Einst zugelassene Pflanzenschutzmittel sind inzwischen verboten. Der einzige legale Ausweg bestehe in befristeten Ausnahmegenehmigungen. Diese werden den Kanaren seit zwei Jahren jedoch nicht bewilligt.
Andere EU-Länder wie Italien oder Portugal hätten entsprechende Ausnahmen erhalten, sagte Hernando. Die besonderen agrarischen Bedingungen auf den Inseln würden bei den Entscheidungen nicht berücksichtigt, kritisierte er. Regionalregierung und Fachverbände hätten übereinstimmende Anträge gestellt, bislang jedoch ohne Ergebnis.
Ananas und Bananen auf den Kanaren von Schädlingen bedroht
Besonders deutlich zeigt sich das Problem beim Ananas-Anbau auf El Hierro: Der Schildlaus-Befall hat dort bereits zahlreiche Felder ganz oder größtenteils zerstört. Unter den Bauern wächst die Resignation. Sie befürchten, dass ihre Lebensgrundlage komplett wegbricht.
Beim Bananenanbau sind die Ersatzverfahren laut ASAGA nicht nur kostenintensiv, sondern oft nur ein Trostpflaster. Die Ausbreitung der Schädlinge könne nur eingedämmt, nicht jedoch gestoppt werden. Ohne staatliche Hilfen seien zudem die Kosten für viele Produzenten nicht tragbar.
Der Sektor sieht das Hauptproblem weniger in der EU-Regulierung selbst als in der fehlenden Sonderbehandlung der Kanaren bei der Genehmigungsfrage. Einige Pflanzenschutzmittel wurden aufgrund der starken Pestizidbelastung von Nahrungsmitteln zurecht verbannt.
Allerdings gebe es auch Probleme bei der Anwendung zugelassener Mittel. Diese dürfen nur in engen Zeitfenstern, unter Aufsicht ausgebildeter Ingenieure und mit umfassender Dokumentation eingesetzt werden. Dies sei im Alltag der Landwirtschaft kaum praktikabel. Die Landwirtschaftskammer der Kanaren hat sich deshalb mehrfach mit Unterstützung des Inselparlaments an die spanische Zentralregierung und nach Brüssel gewandt, bisher jedoch ohne Erfolg.
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