Die russische „Geisterflotte“ ist zunehmend in den Gewässern rund um die Kanaren unterwegs. Das spanische Departement für Nationale Sicherheit (DNS) stuft sie inzwischen als ernsthafte Bedrohung für die zur kritischen Infrastruktur gehörenden Unterseekabel der Kanarischen Inseln ein.
Die Kanarischen Inseln betreiben einen bedeutenden Netzknoten: Mehr als 20 Unterseekabel verlaufen durch die umliegenden Gewässer. Sie verbinden die Inseln untereinander, mit Spanien und mehreren internationalen Ländern.
Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der russischen „Geisterflotten-Schiffe“ verfünffacht. Ein Angriff auf die Kabeltrassen würde die Telekommunikation und die Energieversorgung der Inseln, aber auch mehrerer Kontinente direkt treffen.
Kanaren sind wichtiger internationaler Internet-Knotenpunkt
Zahlreiche inter-insulare, nationale und internationale Netze kreuzen die Kanarischen Inseln. Die Gesamtkapazität der wichtigsten Leitungen beträgt laut DNS sechs Terabit pro Sekunde. Ein Terabit ist eine Maßeinheit für Datenmengen. Es entspricht einer Billion Bits.
Die Kabel in den Kanaren-Gewässern gehören „Telefónica“ und „CanaLink“, das zur Inselverwaltung Teneriffas gehört. Das Unternehmen hat Investitionen von knapp 70 Millionen Euro eingeplant, um die Infrastruktur auszubauen und zu stärken.
Kanaren in Sorge vor russischem Angriff auf die Infrastruktur
Hybride Bedrohungen durch Russland zählen derzeit zu den größten Sicherheitssorgen. Darunter fallen kombinierte Aktionen, die klassische militärische Mittel mit unkonventionellen Methoden wie Cyber-Angriffen, Sabotage oder wirtschaftlichem Druck verbinden.
Das DNS berichtet, dass zuletzt wöchentlich rund 50 sanktionierte russische Tanker vor den Kanaren erfasst worden seien. Sie fallen vor allem durch den Umschlag von Rohöl und raffinierten Produkten auf, fahren häufig unter wechselnden Flaggen und schleusen russisches Öl über Zwischenstationen wie Marokko auf andere Märkte.
Russische Flotte vor den Kanaren aktiv
Russland umgeht mit seiner „Geisterflotte“ EU-Sanktionen. Da das Land offiziell keine Schiffe in Europa löschen lassen darf, wird Öl oft auch auf hoher See umgeschlagen. Diese Geschäfte in internationalen Gewässern gelten als illegal – auch, da sie die Umwelt bedrohen.
Einige dieser Schiffe verfügen laut Sicherheitsbericht auch über technische Mittel, um gezielt Sabotageakte an Unterwasser-Infrastruktur durchzuführen. Die spanischen Behörden sind in Sorge vor Aktionen wie rund um die „Nord Stream 2“ zu Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Daher wurden die Schutzmaßnahmen in den eigenen See-Gebieten nach eigenen Angaben nun deutlich ausgeweitet.
Küstenpatrouillen, das Überwachungssystem SIVE sowie die Zusammenarbeit zwischen Staatspolizei, Küstenwache, Marine und der Europäischen Agentur für maritime Sicherheit (EMSA) sollen verdächtige Bewegungen frühzeitig erkennen, besonders rund um Kabeltrassen, Gasleitungen, Häfen und Ankerplätze. Das DNS berichtet allerdings, dass die rechtliche Handhabe gegen diese Schiffe auf hoher See begrenzt sei.
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Kanaren fühlen sich von russischer Geisterflotte bedroht
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