Die neue Schnellfähre „Mercedes Pinto“ hat den Betrieb auf den Kanarischen Inseln aufgenommen. Das Schiff fährt mit LNG-Gas. Eine feste LNG-Infrastruktur in den Häfen gibt es jedoch nicht.
Der Fährbetreiber „Baleària“ muss nun auf ein behelfsmäßiges Versorgungsmodell ausweichen, das den modernen Antriebsanforderungen des Schiffes kaum gerecht wird.
Der Flüssigerdgas-Antrieb gilt als zukunftsweisende Technologie für umweltschonende Schifffahrt, doch auf den Kanaren fehlt die dafür notwendige Bodeninfrastruktur. Weder im Hafen von Teneriffa noch im Hafen von Las Palmas stehen feste LNG-Terminals zur Verfügung, die das Schiff direkt mit Treibstoff versorgen könnten. Die Gasversorgung auf dem Archipel läuft damit weiterhin auf zwei unterschiedlichen Niveaus: Während andernorts LNG-Anlagen längst zum Standard gehören, hinken die Kanarischen Inseln beim Aufbau dieser Infrastruktur erkennbar hinterher. Wie sich der Fährbetreiber nun behelfen muss:
Neue Kanaren-Schnellfähre muss dauerhaft provisorisch tanken
Als vorerst dauerhafte Übergangslösung kommt ein Tankwagen-Modell zum Einsatz. Dabei wird das Schiff nicht über eine feste Leitung am Kai, sondern über LKW mit Flüssigerdgas betankt. Dieses Verfahren ist aufwendiger, zeitintensiver und damit anfälliger für Verzögerungen im laufenden Fährbetrieb. Zudem macht es den Vorteil von LNG teilweise zunichte.
Das Tankwagen-Modell ist keine Neuentwicklung, sondern eine typische Notlösung, die eigentlich nur als Übergang in früheren Phasen des LNG-Einsatzes in der Schifffahrt galt. Dass ein modernes Fast-Ferry-Schiff im regulären Linienbetrieb darauf angewiesen ist, zeigt das strukturelle Defizit in den kanarischen Häfen.
Für Reisende, die die Schnellfähre für Inselverbindungen nutzen wollen, bringt das direkte Einschränkungen mit sich. Verzögerungen bei der Betankung können Abfahrtszeiten verschieben und den engen Takt eines Fast-Ferry-Betriebs stören. Insbesondere für Geschäftsreisende und bei Tagestrips im Urlaub sind verlässliche Abfahrtszeiten entscheidend.
Kanaren hinken bei LNG-Infrastruktur hinterher
Der Fall der „Mercedes Pinto“ zeigt ein breiteres Versorgungsproblem auf den Kanarischen Inseln: Der fehlende Ausbau von LNG-Terminals in den wichtigsten Häfen bremst nicht nur eine einzelne Fähre, sondern stellt auch eine Gefahr für künftige Investitionen in umweltfreundlichere Schiffsantriebe dar.
LNG wird auf bis zu minus 164 Grad Celsius heruntergekühlt. Damit weist Flüssigerdgas nur etwa ein Sechshundertstel des Volumens von gasförmigem Erdgas auf. Auf diese Weise kann das hochenergetische Gas effizient transportiert werden. Insbesondere das Umladen auf mobile Tankwagen gilt jedoch als zeit-, energie- und kostenaufwendig.
Die „Mercedes Pinto“ verbindet ab diesem Freitag offiziell Gran Canaria, Teneriffa und Fuerteventura. Sie wurde nach einer Schriftstellerin, Dichterin und Pädagogin aus La Laguna (Teneriffa) benannt. Das Schiff bietet Platz für 1200 Passagiere und 425 Autos. Die Reederei wirbt mit 30 Prozent weniger CO2-Emissionen, 85 Prozent weniger NOx-Emissionen sowie einem vollständigen Wegfall von Schwefel- und Partikelemissionen.
Solange keine festen Anlagen entstehen, bleibt der behelfsmäßige Tankwagenbetrieb die einzige Option. Die Reederei plant nun vorerst dauerhaft mit diesem Vorgehen und allen damit verbundenen Einschränkungen für Pünktlichkeit und Betriebssicherheit.















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