Sonniges Wetter ist auf den Kanaren keine Entwarnung. Wer jedoch die Warnstufen richtig liest und örtliche Sperrungen beachtet, kann seine Urlaubspläne rechtzeitig anpassen. Wir erklären, welche Wettergefahren Sie kennen sollten und worauf es bei Alarmstufe Gelb, Orange und Rot ankommt.
Kanaren: Unwetter gibt es nicht nur im Winter
Viele Orte auf den Kanarischen Inseln kennen in den Sommermonaten kaum oder gar keinen Regen. Im Winter sieht das anders aus. Gefährliche Wetterlagen treten mitunter auch recht plötzlich auf, insbesondere in höheren Lagen. Doch auch an der Küste lauern Gefahren.
Unwetter können mehrere Inseln gleichzeitig betreffen. Die Sturmtiefs Nuria und Oliver brachten im April 2025 Sturm, Regen und hohe Wellen. Therese verursachte im März 2026 unter anderem Überflutungen, Evakuierungen und Dutzende Verkehrsbehinderungen. Im Sommer kamen Hitzeepisoden hinzu. Für Ihre Planung zählt deshalb nicht nur die Jahreszeit, sondern stets die aktuelle Lage vor Ort. Sie richtig zu verstehen, ist Ziel dieses Beitrags:
Das sind die Wettergefahren der Kanaren
- Sturm: Kräftige Böen können in Höhenlagen und Wäldern sowie an Küsten für erhebliche Gefahr sorgen. Bei Nuria wurden besonders die hohen Lagen getroffen. Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde waren keine Seltenheit.
- Starkregen: Große Niederschlagsmengen können örtlich Sturzbäche auslösen. Besonders gefährlich ist es nahe Barrancos. Diese im Normalzustand oft völlig trockenen Schluchten und Abflussrinnen können binnen Minuten für große Gefahr sorgen.
- Hohe Wellen: Starker Seegang kann an Küsten und Promenaden von einer Sekunde auf die andere lebensgefährlich werden. Nehmen Sie Küstenwarnungen auch dann ernst, wenn es an Ihrem Standort nicht regnet oder das Meer gerade flach aussieht.
- Hitze: Besonders gefährdet sind kleine Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Die Sonne auf den Kanaren ist deutlich intensiver als in Mitteleuropa.
- Calima: Dabei gelangt Staub aus der Sahara über die Luft bis zu den Inseln. Eine Calima kann Hitzeepisoden begleiten, oft sogar auslösen. Mehr dazu erfahren Sie in unserer Übersicht mit den wichtigsten Fragen zur Calima auf den Kanaren.
- Waldbrandgefahr: Dafür können eigene behördliche Warnstufen gelten. Wird eine Waldbrand-Warnung ausgegeben, bedeutet das fast immer auch Sperrungen, beispielsweise von Wanderwegen.
Kanaren: So lesen Sie die Warnampel des AEMET
Eine Insel kann wegen Wind anders eingestuft sein als wegen Regen oder Wellen. Auch einzelne Küstenabschnitte und Höhenlagen können unterschiedlich betroffen sein. Daher teilt das AEMET die Inseln in typischerweise unterschiedlich betroffene Zonen auf. Die Warnfarbe allein beschreibt jedoch oft noch nicht allein die örtliche Situation.
Möchten Sie wissen, ob Ihr Ausflug stattfinden kann? Dann prüfen Sie, welche Gefahr für Ihr Ziel gemeldet ist und wann die Warnung gilt. Die folgenden Tipps sollen dabei helfen:
Kanaren-Warnstufe Gelb: Pläne prüfen
Gelb ist zwar die niedrigste Warnstufe, dennoch droht auch hier schon Gefahr. In Warnstufe Gelb kann das Wetter Ihre Planung also bereits ins Wanken bringen. Während Nuria galten beispielsweise gelbe Wellenwarnungen, obwohl teils fünf Meter hohe Wellen erwartet wurden und vom Baden abgeraten wurde. Sie sehen: Die Farbe allein ist nicht immer entscheidend.
Unser Rat: Prüfen Sie vor Ausflügen die betroffene Gefahr und Region. Passen Sie Strandbesuche, Küstenspaziergänge oder Ausflüge in höhere Lagen Ihrer Kanaren-Insel an. Sperrungen und Badeverbote gelten natürlich nicht erst bei Orange. Am besten ist es, drinnen zu bleiben.
Kanaren-Warnstufe Orange: Risikogebiete meiden
Orange ist die zweithöchste Warnstufe. Bei Sturmtief Oliver wurde sie wegen Sturms, Gewittern und Niederschlägen ausgerufen. Die einhergehenden Regenmengen lösten örtliche Sturzbäche aus.
Unser Rat: Meiden Sie solche Gebiete. Nehmen Sie Hinweise ernst und meiden Sie Wälder, Höhenlagen, Küsten oder Barrancos. Unternehmen Sie nur notwendige Fahrten und beachten Sie auch dabei Sperrungen und Vorsichtsmaßnahmen.
Kanaren-Warnstufe Rot: Anweisungen befolgen
Rot ist die höchste Warnstufe. Beim Sturmtief Nuria galt sie auf La Palma. Im Zusammenhang mit dem Unwetter wurden auf mehreren Inseln Schulen geschlossen und Rettungsdienste vorher in Bereitschaft versetzt.
Unser Rat: Richten Sie Ihren Tagesablauf nach den behördlichen Anweisungen aus. Befinden Sie sich in einem Risikogebiet, bleiben Sie im Inneren. Auch eine vorherige Abreise in einen anderen Inselteil ist keine Garantie, dem Unwetter zu entkommen. Denn Warnstufe Rot wirkt sich meist auf die gesamte Insel aus. Zudem kann der Rückweg versperrt sein. Daher: Lieber rechtzeitig mit Postkarten, Getränken und Snacks einschließen und drinnen bleiben. Sollte es hart auf hart kommen, dann beachten Sie zwingend Evakuierungsanordnungen.
Kanaren: Wetterwarnung ist nicht gleich Regierungsalarm
Das AEMET liefert meteorologische Einschätzungen und Wetterwarnungen. Die kanarischen Behörden entscheiden dann auf dieser Grundlage über offizielle Alarme. Dazu gelten die Notfallpläne. Sie entscheiden über konkrete Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes. Dazu gehört der Sonderplan für widrige Wetterlagen, kurz: Pefma.
Setzen Sie die Begriffe der Behörden deshalb nicht einfach mit den Farben der Wetterwarnung gleich:
- Prealerta: Dieser Voralarm ist die niedrigste Stufe im kanarischen Notfallsystem. Er bereitet Einsatzkräfte und Bevölkerung auf eine mögliche Verschärfung vor.
- Alerta: Eine Alarmmeldung, bei der es zu prüfen gilt, welche Gefahr, welches Gebiet und welche Maßnahmen sie betrifft. Daraus ergeben sich die konkreten Folgen für Ihre Planung.
- Emergencia: Eine solche Notstandsmeldung bedeutet, dass es sehr wahrscheinlich ernst wird. Beachten Sie Schutzmaßnahmen und Anweisungen.
Weitere Farbsysteme gibt es beispielsweise von Gesundheitsbehörden, etwa bei Hitze. Eine rote Gesundheitswarnung ist daher nicht automatisch eine rote Wetterwarnung. Entscheidend ist, wer die Meldung veröffentlicht hat.
Eine heruntergesetzte Alarmstufe bedeutet übrigens nicht, dass damit auch alle Sperrungen verschwinden: Dies entscheiden die jeweiligen Gemeinden auch auf Basis vorheriger Erfahrungen.
Kanaren-Küsten: Verzichten Sie auf das vermeintlich perfekte Wellenfoto
Halten Sie sich bei Küstenwarnungen von Molen, Wellenbrechern und Stellen mit brechenden Wellen fern. Für ein Selfie an einen gefährdeten Küstenabschnitt zu gehen, hat 2025 mehrere Menschen das Leben gekostet. Sie haben also den höchsten, denkbaren Preis gezahlt – für ein Bild, das nach 24 Stunden oft schon vergessen gewesen wäre.
Starkregen auf den Kanaren: Barrancos meiden
Barrancos transportieren Regenwasser aus höheren Lagen in Richtung Meer. Bei kräftigen Niederschlägen können ohne Voranmeldung von einem Augenblick auf den anderen gehörige Wassermassen in Richtung Küste donnern. Diese sonst trockenen Flussbetten und Bereiche unterhalb von Talsperren sind absolut tabu!
Verzichten Sie entsprechend auf Besichtigungsfahrten. Denn zusätzlich drohen rund um Extremwetterlagen auch Erdrutsche, Steinschläge und Straßenschäden. Wie sich die Behörden vorbereiten, lesen Sie in unserem Bericht über die Überprüfung von Barrancos und Überschwemmungsgebieten nach Therese.
Kanaren: Schutz bei Hitze und Hilfe im Notfall
Trinken Sie bei Hitze viel alkoholfreie Flüssigkeit. Meiden Sie die Mittagssonne. Körperlich anstrengende Tätigkeiten legen Sie am besten in die frühen Morgenstunden oder auf den späten Nachmittag.
Bei einem Notfall wählen Sie die 112. Beschreiben Sie möglichst klar, wo Sie sich befinden, was geschehen ist und welche Hilfe benötigt wird. Oft hilft es, direkt am Anfang des Gesprächs auf die Sprachen hinzuweisen, mit denen Sie kommunizieren können.
Kanaren-Warnungen: So bleiben Sie informiert
Prüfen Sie Warnungen vor Ausflügen und erneut, wenn sich die Lage verändert. Achten Sie auf Aktualisierungen, Gültigkeitszeiten und örtliche Sperrungen. Verlassen Sie sich nie allein auf weitergeleitete Nachrichten in sozialen Medien: Nach Therese mussten Behörden gefälschte Meldungen über den angeblichen Bruch einer Talsperre zurückweisen. Offizielle Quellen und echte journalistische Portale wie Teneriffa News sind die beste Anlaufstelle.
Aktuelle Informationen finden Sie in unserer Übersicht zu Unwettern und Warnungen auf den Kanaren. Außerdem erhalten unsere Mitglieder Wetterwarnungen rechtzeitig per E-Mail.
Wie stark ist die Calima heute? Calima-Vorhersage und Messwerte für die Kanaren
















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