Forscher: Vulkanausbruch auf La Palma wäre schon 3,5 Monate vorher absehbar gewesen


Der Vulkanausbruch auf La Palma wäre schon dreieinhalb Monate vorher absehbar gewesen. Warum der Ausbruch am Cumbre Vieja aus wissenschaftlicher Sicht so wertvoll war.

Lesedauer: 3 Minuten

Der Vulkanausbruch auf La Palma ist für die Wissenschaft wie ein „Sechser im Lotto“. Denn die Forscher haben eine Berechnungsmethode von der Eruption auf der Kanaren-Insel abgeleitet die dabei hilft, künftige Ausbrüche viel früher zu erkennen.

Ganze dreieinhalb Monate vor dem Vulkanausbruch hatte sich dieser sukzessive angekündigt. Das zeigt die Auswertung der vor dem Ausbruch gesammelten Daten in Kombination mit der neuen Berechnungs-Methode, die in der Folge des Ausbruchs auf La Palma erstellt wurde.

Das Projekt ist vom Consejo Superior de Investigaciones Científicas (CSIC) durchgeführt und nun in der renommierten Zeitschrift „Scientific Reports“ vorgestellt worden. Demnach hatte sich schon im Mai 2021 merklich Magma unter der Oberfläche von La Palma angesammelt.

Die Magma hatte sich zunächst in einer Tiefe von etwa 2,5 Kilometern unter dem Ort Jedey angesammelt. Dieser liegt nur sieben Kilometer von der späteren Haupt-Ausbruchsstelle entfernt. Die bei Jedey angesammelte Magmablase wurde in den folgenden Wochen immer größer und erstreckte sich schließlich bis zur Atlantikküste.

Neue Berechnungen von La Palma helfen dabei, Vulkanausbrüche früher vorherzusagen

Die Wissenschaftler haben schließlich hochauflösende Satelliten-Bilder zur Berechnung der Verformung der Insel mit einem Algorithmus kombiniert, der es ermöglicht, die Ursachen für die festgestellten Erhebungen, Senkungen oder Risse zu ermitteln.

Dazu wird die Erdkruste in kleine, sechseckige Polyeder von rund 300 Metern Seitenlänge unterteilt. Sie reichen bis in eine Tiefe von etwa zehn Kilometern. Damit werden schließlich magmatische Intrusionen und Brüche im Boden ermittelt.


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Wann immer sich die Erde um einige Zentimeter hebt oder senkt, untersucht das Programm anhand von aufwendigen mathematischen Berechnungen die mögliche Ursache sowie die Intensität in jedem der kleinen Kästchen.

Forscher werten Daten von La Palma aus ganz 2021 aus

Für das Modell haben die Forscher nachträglich die Erdbewegungen des gesamten Jahres 2021 untersucht, um das System und die Erdbewegungen in einen Zusammenhang mit der vulkanischen Aktivität auf La Palma zu bringen. Doch die Ergebnisse müssen richtig interpretiert werden.

So kann eine Veränderung der Boden-Beschaffenheit an der einen Stelle beispielsweise auf Veränderungen des Grundwassers zurückzuführen sein, während sie auf La Palma eindeutig mit vulkanischen Aktivitäten zusammenhing. Daher sei es wichtig, die Aktivitäten mit den gemessenen seismischen Bewegungen zu verknüpfen. Auf diese Weite entsteht dann das korrekte Gesamtbild.

Die Forschungsergebnisse haben nicht nur das Magma-Vorkommen unter Jedey bereits Monate vor dem Ausbruch gezeigt, sondern auch zwei Ausläufer. Einer davon lag südlich von Puerto Naos. Dieser erreichte die Oberfläche bis zum Schluss nicht.

Vulkanausbruch auf La Palma dauerte 85 Tage und zerstörte 1345 Häuser

Für La Palma kam die Methodik freilich zu spät. Schließlich wurde sie mit den Daten entwickelt, die erst während dem Ausbruch gesammelt werden konnten. Doch die Forscher wollen mit der Technik künftige Ausbrüche früher vorhersagen.

Ziel sei es, diese „leistungsstarke und schnelle“ Interpretationstechnik künftig für die Vulkanüberwachung einzusetzen. Sie könne dabei in Indonesien, Hawaii und Italien weiter verfeinert werden. Den Kanaren könnte das wiederum zugute kommen, wenn dort erneute Aktivität verzeichnet wird.

Der Vulkanausbruch am Cumbre Vieja war der längste in der Geschichte La Palmas. Mit 85 Tagen und acht Stunden hatte der Vulkan länger Lava ausgespuckt als jeder andere registrierte Ausbruch auf der Kanaren-Insel seit Beginn der Aufzeichnungen vor ihm.

Insgesamt waren dabei 1345 Häuser zerstört worden. Etwa 600 Familien verloren ihr gesamtes Hab und Gut. Außerdem sind bei dem Vulkanausbruch auf La Palma zwischen dem 19. September und 13. Dezember 2021 rund 159 Millionen Kubikmeter Lava ausgestoßen worden. Diese bedecken seither rund 1219 Hektar Land. Das entspricht etwa 1707 Fußballfeldern.

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wurde veröffentlicht in: Aktuelles, La Palma

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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Er ist auf den Kanaren zuhause und schreibt bereits seit vielen Jahren unter anderem über die Inseln.

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