Von Marlis Zoschke
Ein junger Mann verschwindet auf Teneriffa. Es ist auch keine Seltenheit, dass eine Person mal für zwei oder drei Tage aus welchem Grund auch immer nicht auffindbar ist. Aber dann 29 Tage auf diesem kleinen Stückchen Land suchen zu müssen, ist keine gute Leistung.
So riesig ist die Gegend um Masca nun auch wieder nicht. Gab es keine Suchhunde? Auch nicht ausgebildete Hunde wären schon eine kleine Hilfe gewesen. Behörden halten sich oft zurück, weil sie immer glauben, wenn eventuell Drogen mit im Spiel sind, dass die Person plötzlich wieder auftaucht.
Als die Leiche dann gefunden wurde, wies sie Schädelverletzungen auf. Auch hier kann man meistens feststellen, wie die Verletzungen entstanden sind und wie lange die Person schon tot war. Denn wenn es kein Unfall war, ist es durchaus möglich, dass er noch lebte, als die Polizei sich auf die Suche machte. Alles erinnert mich ein wenig an einen persönlichen Fall:
Verschwinden auf Teneriffa – leider keine Seltenheit
Dazu muss man wissen in welchem Milieu sich Slater aufhielt. Er könnte zweifelhafte andere Touristen kennengelernt haben. Denn in dem Alter sind junge Männer schon leicht zu beeinflussen und zu Abenteuern bereit. Außerdem geht es auf Teneriffa ja nicht mehr so solide wie früher zu, denn Millionen Fremder bringen auch ungewöhnliche Eigenschaften mit.
Die guten Freunde, die mit auf Teneriffa waren, werden sich hüten etwas zu sagen was sie eventuell selbst belasten würde. Die ganze Angelegenheit bleibt für mich undurchsichtig und ich bezweifele, dass der Tot je ganz aufgeklärt wird.
Auch wir hatten einen skurrilen Todesfall auf Teneriffa
Wir haben Ähnliches mit unserem Neffen erlebt. Allerdings liegt das jetzt schon rund 30 Jahre zurück. Aus dem einst fleißigen Jungen war ein Abenteurer geworden. Er war damals 22 Jahre alt. Die Mädchen liefen hinter ihm her und er hörte auf zu arbeiten.
Er hatte eine Freundin, die einige Jahre älter war und das Geld verdiente. Damals gab es in La Caleta viele Hippies – soll es ja immer noch geben – und das Gerücht, dass dort Sträucher wachsen, deren Blätter sich im getrocknetem Zustand gut rauchen lassen.
Vor allen Dingen es war alles kostenlos. Und dann ist es ja auch schön auf Teneriffa zu überwintern. Die Freundin brauchte er nicht, Hauptsache, sie schickte ab und zu Geld. Sie tat das wohl gern.
Doch die Freude dauerte nicht lang: Nur wenige Tage nach seiner Ankunft wurde er morgens aus dem Meer gefischt. Er war nach Stunden noch nicht untergegangen, folglich kann er kaum ertrunken sein, denn in der Lunge war kein Wasser.
Damals wurde nicht lange überlegt. Mein Schwager bekam einen Anruf gegen Abend, dass am nächsten Morgen gegen 11 Uhr sein Sohn beerdigt würde. Es gab keine Untersuchungen, auch nicht an der Kopf-Wunde. Sein Tod wurde nie aufgeklärt. Doch immerhin die Beerdigung fand – wie es sich gehört – annähernd pünktlich statt.
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Leserkommentare zu:
Fall Jay Slater erinnert mich an Tod meines Neffen auf Teneriffa
Sie haben die Möglichkeit der Wiederaufnahme eines Verfahrens, wenn objektive Anhaltspunkte für Fremdverschulden vorliegen. Das entnehme ich Ihrer Aussage, dass Kopfverletzungen nicht untersucht wurden.
Sollte Ihr Neffe klassisch beerdigt und nicht eingeäschert worden sein, könnte eine Exhumierung richterlich angeordnet werden. Ziel dieser Maßnahme wäre die Untersuchung des knöchernen Schädels, an dem auch heute noch, sofern vorhanden, Spuren gesichert werden könnten, die auf Fremdverschulden hinweisen.
Den gesamten Prozess müssten die nächsten Verwandten anstoßen. Danach wären vermutlich alle Zweifel ausgeräumt.
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