„Brutales Wachstum“: Corona-Experten auf den Kanaren schlagen Alarm


Die Krankenhäuser der Kanarischen Inseln verzeichnen die höchste Auslastung mit Corona-Patienten seit Ausbruch der Pandemie. Vertreter des Gesundheitswesens auf den Kanaren schlagen Alarm. Die Krankenhäuser verschieben bereits Operationen.

Lesedauer: 3 Min.

Die Omikron-Variante hat sich auf den Kanarischen Inseln explosionsartig ausgebreitet. Neun von zehn untersuchten Proben gehen auf die bisher ansteckendste Mutation zurück. Die Krankenhäuser drohen unter der Last zu kollabieren. Entsprechend müssen bereits Operationen verschoben werden.

Der Leiter des Bereichs Epidemiologie und Prävention des Gesundheitswesens der Kanarischen Inseln, Amós García, hat nun Alarm geschlagen. Der Experte setzte auf dem sozialen Netzwerk Twitter eine Botschaft an seine Mitmenschen ab.

García schrieb von einer „brutalen akkumulierten Inzidenz mit schnellem Wachstum bei der Zahl der Fälle“. Die meisten davon seien mild, „aber je höher die Fallzahlen, desto komplizierter die Prozesse, mehr Krankenhauseinweisungen und mehr Druck auf die Grundversorgung und das öffentliche Gesundheitswesen“, warnte der Experte.

Kanaren melden die meisten Krankenhaus-Einweisungen seit Beginn der Corona-Pandemie

Und tatsächlich ist genau das in den aktuellen Zahlen abzulesen: Seit Beginn der Pandemie verzeichnen die Kanarischen Inseln in der mit Omikron verknüpften sechsten Welle die meisten Krankenhaus-Einweisungen.

Zum Zeitpunkt des Tweets waren 596 Personen in den Krankenhäusern des Archipels behandelt worden. Zum Vergleich: In der fünften Welle hatte der Höchstwert bei 364 gelegen und in der ersten bei 356.

Zumindest auf den Intensivstationen ist die Lage noch nicht gleichermaßen dramatisch wie in der vorherigen Corona-Welle. Damals lag die Zahl der Patienten bei 108. Zum Zeitpunkt des Hilferufs von Amós García lag sie bei 94. Experten rechnen damit, dass die leicht niedrigere Zahl auch mit den inzwischen weit vorangeschrittenen Impfungen zusammenhängt.

Der Präsident der Kanarischen Regierung, Ángel Víctor Torres, sagte, er sei über die „enorme Sättigung“ in der Primärversorgung auf dem Archipel besorgt. Auch Torres ist der Meinung, dass die Impfung die Auswirkungen der sechste Welle im Gesundheitswesen noch abgefedert habe.

Krankenhäuser auf den Kanaren sagen Operationen ab

Aufgrund der aktuellen Auslastung haben die Krankenhäuser erneut damit begonnen, Operationen und andere Behandlungen abzusagen. Auf Inseln in Corona-Warnstufe drei und vier werde die chirurgische Aktivität auf onkologische Maßnahmen beschränkt.

Das heißt im Klartext: Nur Krebspatienten, die dringend operiert werden müssen und bei denen keine intensivmedizinische Betreuung im Nachgang des Eingriffs erwartet wird, können derzeit behandelt werden. Alle anderen nicht lebensnotwendigen Eingriffe werden vorerst zurückgestellt.

Das Krankenhaus von Candelaria auf Teneriffa behandelt derzeit 192 Personen mit Corona-Infektion. Täglich kämen zwischen zehn und 22 Personen hinzu. Das Hospital Universitario de Canarias (HUC) hatte in der vergangenen Woche durchschnittlich 13 neue Covid-Patienten gemeldet. Dort werden derzeit 136 Personen stationär und weitere 21 intensivmedizinische betreut. Zum Vergleich: Am 1. Dezember waren es elf.

Das Krankenhaus Negrín auf Gran Canaria behandelt momentan 78 Patienten auf der Corona-Station und 24 auf der Intensivstation. In den vergangenen Tagen waren sechs bis sieben Patienten täglich hinzugekommen.

Teneriffa war zuletzt in die vierte Warnstufe versetzt worden. Insgesamt werden dort 301 Personen stationär und 33 auf Intensivstationen behandelt. Gran Canaria befindet sich derweil seit rund einem Monat in der dritten Warnstufe. Dort werden momentan 168 Covid-Patienten stationär und 32 intensivmedizinisch betreut.

Kanaren melden viele Tote und Krankenaus-Einweisungen im Januar

In den ersten zehn Tagen des neuen Jahres waren über alle Kanarischen Inseln 259 Personen neu in Krankenhäuser eingewiesen worden. Das ist rund die Hälfte aller zwischenzeitlich behandelten Personen.

Noch besorgniserregender sei die Zahl der an oder mit Covid-19 verstorbenen Personen. So wurden in den ersten zehn Tagen des Jahres bereits 70 Todesfälle gezählt. Allein am Montag waren es sechs – vier auf Teneriffa und zwei auf Gran Canaria. Die Verstorbenen waren zwischen 59 und 83 Jahren alt.

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Über den Autor

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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